Die Folgen für Verursacher und Geschädigte

Fahrerflucht wird hart bestraft

 
 
 
 

Wer einen Unfall verursacht, etwa beim Ausparken, und weiterfährt ohne sich um den Schaden zu kümmern, begeht Fahrerflucht. Das unerlaubte Entfernen vom Unfallort wird nach § 142 Strafgesetzbuch hart bestraft. Es drohen bis zu drei Jahre Gefängnis und Führerscheinentzug.

 
 

Bei bedeutenden Schäden ab 1400 Euro greift die ganze Härte des Gesetzes. Je nach Autotyp kann bereits die Reparatur einer angefahrenen Stoßstange weit über 1.000 Euro kosten. Wer sich also unerlaubt vom Unfall entfernt, riskiert hier seinen Führerschein und unter Umständen eine Freiheitsstrafe. In ganz schweren Fällen wird ein dauerndes Fahrverbot erteilt.

 
 
 

Fahrerflucht gilt bei vielen Verkehrsteilnehmern wohl immer noch als Kavaliersdelikt. Wie wäre es sonst zu erklären, dass konstant über die letzten zehn Jahre (2005 bis 2014) rund 36.000 Fälle von Fahrerflucht erfasst wurden. Damit ist Fahrerflucht das fünfthäufigste Verkehrsdelikt nach Geschwindigkeitsübertretung, Vorfahrtsverletzung, Alkohol am Steuer und Fahren ohne Fahrlerlaubnis (Quelle Statista 2016).

 
 

Wann genau handelt es sich um Fahrerflucht?

 
 

In dem Moment, wo Sie als Unfallverursacher einfach weiterfahren, begehen Sie Fahrerflucht. Natürlich zählt es nicht als unerlaubtes Entfernen, wenn Sie Hilfe holen, selbst verletzt abtransportiert werden oder weil dort z.B. Explosionsgefahr besteht.

Auch als Unfallbeteiligter haben Sie die Pflicht, eine angemessene Zeit am Unfallort zu bleiben, bis alle Notwendigkeiten geklärt sind. Unfallbeteiligter ist jede Person, deren Verhalten zur Verursachung des Unfalls beigetragen haben kann.

 
 

Bußgeld & Punkte

 
 

Fahrerflucht wird allein über das Strafrecht bzw. Verkehrsstrafrecht geregelt. Ein Bußgeld für Fahrerflucht gibt es deshalb nicht. Im Folgenden sehen Sie den Bußgeldkatalog für Delikte im Zusammenhang mit Verkehrsunfällen.

 
 
Verstoß
Bußgeld
Punkte
Fahrverbot
Als Unfallbeteiligter den Verkehr nicht gesichert oder bei geringfügigem Schaden nicht unverzüglich beiseite gefahren
Bußgeld 30 €
Punkte nein
Fahrverbot nein
- mit Sachbeschädigung
Bußgeld 30 €
Punkte nein
Fahrverbot nein
Unfallspuren beseitigt, bevor die notwendigen Feststellungen getroffen worden waren
Bußgeld 30 €
Punkte nein
Fahrverbot nein
Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort nach § 142 StGB
Bußgeld nein
Punkte 3
Fahrverbot Fahrverbot & Entzug des Führerscheins möglich
Unterlassene Hilfeleistung
Bußgeld nein
Punkte 3
Fahrverbot Fahrverbot & Entzug des Führerscheins möglich
Fahrlässige Tötung
Bußgeld nein
Punkte 3
Fahrverbot Fahrverbot & Entzug des Führerscheins möglich
 
 

Alle Angaben ohne Gewähr. Irrtümer vorbehalten.
Quelle: Bundesverkehrsministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
Stand: 2016

 
 
 
Mögliche Strafen (bei Verurteilung)
 
 

Folgende Tabelle zeigt Strafen nach Erfahrungswerten gemäß Verurteilungen an deutschen Gerichten auf. Jeder Fall von Fahrerflucht wird individuell bewertet unter Berücksichtigung der Schwere der Schuld, Schaden und der persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Täters.

 
 

Bei Sachschaden

Strafe

Unter 550 €

Einstellung nach § 153a StPO möglich

Ab 550 Euro

20 bis 30 Tagessätze und 1 Monat Fahrverbot

Ab 650 Euro

30 Tagessätze und 2 Monate Fahrverbot

Ab 900 Euro

40 Tagessätze und 3 Monate Fahrverbot

Ab 1.400 Euro

50 Tagessätze, Entziehung der Fahrerlaubnis und Sperrfrist ab 6 Monaten

Bei Personenschaden

Strafe kann sich verdoppeln

 
 

Richtiges Verhalten nach Unfall

 
 
  • Sofort anhalten
  • Austausch der Daten (Personalien, Kennzeichen, Versicherung) mit den Beteiligten
  • Unfallstelle erst nach Einigung verlassen
  • Am besten Polizei rufen, vor allem bei zweifelhaftem Unfallhergang oder wenn Alkohol im Spiel ist
  • Nur Angaben zur Person und Fahrzeugdaten, kein Schuldeingeständnis
 
 

Wie lange muss ich am Unfallort warten?

 
 

Die Wartezeit hängt von verschiedenen Faktoren ab.

  • Art und Schwere des Schadens
  • Verkehrsdichte
  • Witterung
  • Tageszeit


Bei Parkplatzunfällen kann sich der Verursacher an der Parkdauer orientieren. Er sollte solange warten bis das Parkticket des geschädigten Wagens abgelaufen ist.
In der Nacht bei umgefahrener Barke sollten Sie 15 bis 20 Minuten warten.
Einfach einen Zettel zu hinterlassen reicht nicht, weil nicht sichergestellt ist, dass die Nachricht den Betreffenden auch tatsächlich erreicht.

 
 
Strafmilderung bei Unfallmeldung innerhalb 24h
 
 
  • Nur wenn kein bedeutender Schaden (unter 1400 Euro) verursacht wurde.
  • Nur wenn der Unfall noch nicht entdeckt wurde.
  • Nur wenn der Unfall nicht im fließenden Verkehr erfolgte.
 
 

Was tun als Geschädigter?

 
 

Wenn Sie einen fremdverschuldeten Schaden an Ihrem Auto bemerken, sollten Sie diese Maßnahmen ergreifen, damit der Unfallverursacher ermittelt werden kann und Sie entschädigt werden.

  • Unfallort/-situation und Schaden dokumentieren (Fotos & Notizen)
  • Nach Zeugen suchen
  • Polizei rufen und Anzeige erstatten
  • Beweismittelsicherung (wenn vorhanden, z.B. Glas-, Plastik- oder Lacksplitter des anderen Fahrzeugs)
  • Schadengutachten erstellen lassen (ratsam bei Rechtschutzversicherung, dann können Sie die Schadenregulierung direkt über einen Anwalt laufen lassen)
  • Schaden der eigenen Vollkaskoversicherung melden (die zahlt, falls der Schuldige nicht ermittelt wird)
  • Auch wenn der Schaden erst Tage später bemerkt wird, nach oben genannter Reihenfolge vorgehen.
 
 
Wer zahlt den Schaden?
 
 

Sind Sie Geschädigter und der Verursacher konnte nicht ermittelt werden, zahlt Ihre Vollkaskoversicherung. Allerdings sollten Sie sich hier mit der Versicherung beraten, wegen finanziell negativer Auswirkungen durch Zurückstufung im Schadenfreiheitsrabatt.

Die Teilkasko zahlt generell nicht bei Unfällen (Ausnahme Wildunfall) die Teilkasko haftet hier nicht.

Sind Sie Verursacher, zahlt Ihre Haftpflicht den Schaden am anderen Auto. Bei Verurteilung wegen Fahrerflucht muss Ihre Kaskoversicherung nicht zahlen und die Haftpflicht kann bis zu 5.000 Euro Regress fordern.

Wenn Sie als Geschädigter einen Gutachter zur Schadensermittlung beauftragen, kann es passieren, dass Sie auf den Kosten sitzen bleiben. Dann, wenn nicht festgestellt werden kann, wer der Verursacher war und auch Ihre Versicherung nicht überzeugt ist, dass es sich um einen Unfall mit Fahrerflucht handelt.

 
 
Verkehrsopferhilfe
 
 

Die Verkehrsopferhilfe ist ein Garantiefonds der deutschen Autohaftpflichtversicherer. Sie entschädigt bei Unfällen mit Personenschaden, wenn der Verursacher nicht ermittelt werden kann.

 
 

Unbemerkte Fahrerflucht

 
 

Es kann wohl passieren, dass Sie nicht bemerken wenn Sie bspw. den Außenspiegel eines fremden Fahrzeugs touchieren. Das Problem: in den seltensten Fällen schenken die Richter solchen Aussagen glauben.

 
 

Fahrerflucht bei Wildunfall oder Unfall mit Tieren

 
 

Es gibt auch den Tatbestand der Fahrerflucht bei Unfällen mit Tieren.

Voraussetzung hier ist, dass das Tier „fremd“ und der Schaden bedeutend ist.

Je wertvoller das Tier, desto bedeutender der Schaden (Haus- und Nutztiere). Ein Tier wird als fremd bezeichnet, wenn es nicht herrenlos ist. Herrenlose Tiere sind Wildtiere. Eine Flucht nach einem Unfall mit einem Wildschwein bleibt also straffrei.

 
 

Fahrerflucht in der Probezeit

 
 

Fahrerflucht ist ein A-Verstoß, also ein schwerwiegender Verstoß. Für den Fahranfänger in der Probezeit bedeutet das:

  • Eine Probezeitverlängerung um 2 Jahre
  • Der Besuch eines Aufbauseminars
  • Je nach Schwere der Fahrerflucht, Führerscheinentzug, Geldstrafe bis hin zur Freiheitsstrafe
 
 
Der Fahrerflucht beschuldigt – wie geht es weiter?
 
 

Sie werden der Fahrerflucht beschuldigt? Sie sind gut beraten, wenn Sie folgende Tipps beherzigen.

  • Sie haben den Unfall nicht bemerkt? Es bestehen Zweifel am Tatbestand? Beauftragen Sie ein Schadengutachten für Ihr Fahrzeug und reichen Sie es bei der Staatsanwaltschaft ein.
  • Äußern Sie sich nicht selbst mündlich oder schriftlich zum Tatvorwurf gegenüber Polizei oder Staatsanwaltschaft. Auch wenn Sie überzeugt sind, keine Fahrerflucht begangen zu haben. Informieren Sie sich über Ihre Rechte. Sie berauben sich möglicherweise Ihrer Verteidigungsmöglichkeiten vor Gericht.
  • Sie werden wegen Fahrerflucht angeklagt uns sind auch tatsächlich schuld? Reue kann sich strafmildern auswirken. Entschuldigen Sie sich beim Opfer.
  • Sie haben Fahrerflucht begangen und es sind noch keine 24 Stunden verstrichen? Melden Sie sich umgehend bei der Polizei. Vorausgesetzt der Unfall wurde noch nicht bemerkt, kann sich dies ebenfalls strafmildernd auswirken.
  • Nehmen Sie sich einen Rechtsbeistand noch vor Prozessbeginn. Nur so haben Sie Chancen auf einen bestmöglichen Ausgang.
  • Sie haben den Unfall nicht bemerkt? Bei Gericht wird dies oft als Ausrede gewertet. In den meisten Fällen werden Gutachter damit beauftragt festzustellen, ob die Kollision haptisch (Ruck), akustisch (Knallgeräusch) oder optisch wahrnehmbar war.
  • Kommt das Gutachten zum Ergebnis, dass der Unfall wahrnehmbar war, wird das Weiterfahren als Vorsatz gewertet und somit als Fahrerflucht. Nur, wenn der Richter Zweifel am Vorsatz hat (in dubio pro reo), kommt es zu keiner Verurteilung.
  • Schwerhörigkeit als Begründung ist möglich. Hat dann aber eine Fahreignungsprüfung zur Folge.


 
 

Fahrerflucht im Ausland

 
 

Bei Verkehrsstraftaten bieten die Ländergrenzen keinen Schutz. Bei Fahrerflucht im Ausland können Sie durch den ausländischen Staat zur Veranwortung gezogen werden. Außerdem kann die Fahrerflucht grundsätzlich auch auf Basis des deutschen Strafrechts verfolgt und geahndet werden.

Voraussetzungen hierfür sind:

  • Die Tat gilt auch nach dem Recht des Tatortlandes als Straftatbestand (in Österreich wird Unfallflucht bspw. im Rahmen eines Verwaltungsgerichts geahndet)
  • Der Beschuldigte wurde dort noch nicht wegen seiner Tat verurteilt.


Bei einer Verurteilung mit Freiheitstrafe kann diese in Deutschland verbüßt werden. Zusätzlich können im Ausland begangene Verkehrsverstöße zur Fahreignungsbeurteilung in Deutschland herangezogen werden.

 
 
Fazit
 
 

Begehen Sie Fahrerflucht drohen empfindliche Strafen bis hin zu Gefängnis. Außerdem kann die Versicherung Regress fordern. Eine Verurteilung wegen Fahrerflucht kann auch Konsequenzen auf das Arbeitsverhältnis oder die Selbständigkeit haben.

Als Geschädigter bleiben Sie unter Umständen auf den Kosten sitzen, vor allem wenn Ihr Fahrzeug nicht Kasko versichert ist.

Insgesamt gestaltet sich die Schadenregulierung bei Fahrerflucht langwierig und schwierig.
Dass der Unfall nicht bemerkt worden sei, wird von den meisten Gerichten als Ausrede gewertet. Stellen Sie sich also am besten direkt Ihrer Verantwortung.

 
 
Beispiele aus der Rechtsprechung

Fahrerflucht mit Alkohol: Im Kreis Lippetal (NRW) wurde ein Mann zu 3 Jahren Führerscheinentzug und 5600 Euro Geldstrafe verurteilt. Er hatte unter Alkoholeinfluss mit seinem Auto eine Bake gerammt und war geflüchtet, um seine Trunkenheit zu verbergen.

Fahrerflucht mit erheblichem Sachschaden: in Hamburg wurde eine Frau zu 60 Tagessätzen und drei Monaten Fahrverbot verurteilt. Sie hatte mit Ihrem Auto im Vorbeifahren ein parkendes Fahrzeug touchiert und war geflüchtet. Am beschädigten Fahrzeug entstand ein Schaden in Höhe von 2.000 Euro.

Fahrerflucht mit Personenschaden:
Im Saarland wurde ein Motorradfahrer zu 30 Tagessätzen und einem Fahrverbot von drei Monaten verurteilt. Er hatte am Fußgängerüberweg eine Rentnerin am Arm touchiert. Die Frau prellte sich das Handgelenk und der Ärmel ihrer Jacke wurde zerrissen (Sachschaden 20 Euro).

 
 
Video: Abgehauen - Fahrerflucht und die Folgen