Bußgeld & Punkte - Bußgeldkatalog

Bußgeld Handy am Steuer / Handyverbot

 
 

Finger weg vom Handy während der Autofahrt – sonst wird’s teuer. Sobald man das Handy in die Hand nimmt, begeht man einen Verkehrsverstoß. 60 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg sind die Folge. Wer häufiger bei der Handynutzung am Steuer erwischt wird, riskiert ein Fahrverbot.

Bußgeld und Punkte in Flensburg bei Missachtung des Verbotes zur Benutzung von Handys während der Fahrt gemäß Bußgeldkatalog.

 
 

 
 
 
 

 
 

Bußgeldkatalog Handy am Steuer

 
 
Verstoß
Bußgeld
Punkte
Fahrverbot
Als Kraftfahrer das Handy am Steuer genutzt (in die Hand genommen während der Fahrt oder bei Stopp mit laufendem Motor)
Bußgeld 60 €
Punkte 1
Fahrverbot nein
Beim Fahrrad fahren das Handy genutzt
Bußgeld 25 €
Punkte -
Fahrverbot nein
 
 

Alle Angaben ohne Gewähr. Irrtümer vorbehalten.
Quelle: Bundesverkehrsministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
Stand: 2016

 
 
 
Weitere Fragen im Zusammenhang mit Handynutzung am Steuer
 
 

Recherchiert im Internet zum Thema Handyverbot tauchen viele Fragen auf. Wir beantworten die wichtigsten:

 
 
Darf ich das Handy / Smartphone als Navi nutzen?

Ja, aber nur wenn es fest in einer Halterung steckt.

 
 
Darf ich Fotos machen oder Musik hören mit dem Handy?

Auch hier gilt:
Das Handy darf dazu während er Autofahrt bzw. währenddessen der Motor läuft nicht in die Hand genommen werden.

 
 
Darf ich einen eingehenden Anruf wegdrücken?

Sie sind vorbildlich und wollen nicht ans Telefon gehen, sondern drücken den Anruf weg? Falsch! Auch das ist verboten.

 
 
Darf ich das Mobiltelefon weiterreichen, damit z.B. mein Beifahrer den Anruf entgegennehmen kann?

Solange Sie nicht aufs Display schauen, dürfen Sie das Handy weiterreichen.

 
 
Darf ich auf dem Standstreifen telefonieren?

Wer zum Telefonieren auf dem Standstreifen einer Autobahn hält, verstößt gleich doppelt gegen die StVO: Handyverbot und verbotener Halt auf dem Standstreifen. Der Standstreifen ist nur für Pannen vorgesehen (§ 18 Abs. 8 StVO).

 
 
Wie wird Handy am Steuer kontrolliert?

Regional kontrolliert die Polizei mit einem Sonderaufgebot großräumig Verstöße gegen das Handyverbot, meistens gleich zusammen mit dem Verstoß gegen die Gurtpflicht. Es handelt sich um Sichtkontrollen. Die Beamten beobachten Autofahrer z.B. mit Fernsichtgeräten. Ein andere Maßnahme sind Blitzer. Sie registrieren wenn bei der Geschwindigkeitsübertretung gleichzeitig auch noch das Handy benutzt wurde.

 
 
Zahl ich doppelt, wenn ich mit dem Mobiltelefon in der Hand geblitzt wurde?

In der Regel wird man nur für das Vergehen sanktioniert, das laut Bußgeldkatalog mit der höheren Strafe belegt ist (die sogenannte Tateinheit). Werden Sie also innerorts mit 24 km/h zu viel und Handy am Ohr geblitzt, werden Sie nur für die Geschwindigkeitsübertretung bestraft (80 Euro, 1 Punkt). Allerdings kann u.U. die Strafe unter Berücksichtigung des Handyverstoßes erhöht werden (§ 3 Abs. 5 BKatV). Dann wird das Bußgeld um die Hälfte des Regelsatzes für den Handyverstoß (30 Euro) erhöht. Möglich sind dann auch 2 Punkte statt 1 Punkt in Flensburg.

 
 
Was passiert, wenn ich mit dem Handy am Ohr einen Unfall verursache?

Kommt es zu einem Unfall bei der Handynutzung, kann dies als grobe Fahrlässigkeit gewertet werden. Auch wenn die betroffene Person nicht unmittelbarer Unfallverursacher ist, kann hier eine Teilschuld geltend gemacht werden. Des Weiteren kann der Versicherungsschutz erlöschen.

 
 
Darf ich das schnurlose Autotelefon während der Fahrt nutzen?

Ja. Laut einem Urteil des OLG Köln gilt das schnurlose Autotelefon, das mit der Basisstation des Haus-Festnetzanschlusses verbunden ist, nicht als Mobiltelefon, da es nicht als solches genutzt werden kann (z.B. keine Telefongespräche außerhalb der Reichweite des Festnetzanschlusses, keine SMS, etc.)

 
 
Was ist mit einem Walkie-Talkie? Darf ich das während der Autofahrt benutzen?

Nein. Auch Walkie-Talkies sind für Autofahrer tabu. Die Benutzung wird genauso sanktioniert wie Handy am Steuer.

 
 
Darf die Polizei nach einem Unfall das Handy des Fahrers überprüfen?

Sie darf es sich zeigen lassen, aber nicht einsehen.

 
 

Verstoß gegen das Handyverbot während der Probezeit

Die Handybenutzung während der Autofahrt stellt einen B-Verstoß dar und hat somit keine direkte Auswirkung auf Fahranfänger. Kommt es allerdings zu einem zweiten B-Verstoß während der Probezeit, droht die Verlängerung der Probezeit um weitere zwei Jahre sowie die Teilnahme an einem Aufbauseminar.

Wiederholungstäter – es kommen weitere A-Verstöße und weitere 2 B-Verstöße aufs Konto – riskieren Führerscheinentzug und MPU.

 
 
Warum kein Handy am Steuer? – erschreckende Unfallstatistiken
 
 

Bei einer großen Studie in den USA wurde das Verhalten von 3500 Autofahrern untersucht. In ihren Fahrzeugen waren Kameras, Sensoren und Radargeräte installiert um relevante Daten wie z.B. Blickrichtung, Körperbewegung, Geräusche und Geschwindigkeit zu erfassen.

Das Ergebnis: Ablenkung gehört neben Fahruntüchtigkeit und Fahrfehlern zu den drei größten Unfallursachen. Ein ganz großer Ablenker ist das Handy. Der Blick richtet sich weg von der Fahrbahn. Allein der Griff zum Handy steigert die Unfallgefahr um das Fünffache. Das Lesen und Schreiben von Nachrichten sogar um das Zehnfache, so die Studie.

Gerade jüngere Fahrer sind betroffen. Laut einer Umfrage der Zeitung BILD unter 18 bis 24 Jährigen gab jeder Vierte zu, während der Fahrt des Smartphone zu benutzen. Experten sind sich sicher, dass die Dunkelziffer noch viel höher ist.

 
 

NRW ist Spitzenreiter bei Verstößen gegen das Handyverbot am Steuer

 
 

Immer mehr Menschen telefonieren oder schreiben Nachrichten während der Autofahrt. Auch in Deutschland hat dieser negative Trend enorm zugenommen. Absoluter Spitzenreiter im Bereich Handysünder ist das Bundesland Nordrhein-Westfalen. Im Jahr 2015 wurden 146.000 Fälle von der Polizei registriert. Zahlen von anderen Bundesländern existieren aus dem Jahr 2011. Da gab es etwa in Bayern 82.000 Fälle und in Thüringen 7.000 Fälle.

 
 

100 Meter blind gefahren – extreme Ablenkung durch Handys

 
 

Die Ablenkung durch Handys im Straßenverkehr ist extrem gefährlich. Diese einfache Rechnung zeigt auf wie gefährlich:

Bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h legen Sie in einer Sekunde rund 14 Meter zurück. Das bedeutet, wenn Sie nur eine Sekunde auf Ihr Handy schauen, absolvieren Sie 14 Meter im Blindflug.

Beim Lesen oder Schreiben von Nachrichten richtet sich der Blick jedoch deutlich länger auf das Smartphone. Sind Sie zum Beispiel bei einer Geschwindigkeit von 120 km/h 3 Sekunden abgelenkt, haben Sie 100 Meter ohne Blick auf die Straße zurückgelegt.

Gerade die Kombination schnelles Fahren und Handynutzung kann verheerende Auswirkung haben. Die Wegstrecke ohne Sicht steigt um ein Mehrfaches und damit das Unfallrisiko. Und kommt es zum Unfall ist der Schaden ungleich höher als bei geringen Geschwindigkeiten.
Welche fatalen Folgen die Benutzung eines Smartphones während der Fahrt haben kann, zeigt eindrucksvoll ein Video der britischen Polizei, in dem ein Unfall nachgestellt wurde.

 
 

Achtung: Video mit abschreckender Wirkung!

Video: Telefonieren beim Autofahren und die Folgen
 
 
 
 

Handyverbot im Ausland – so teuer wird‘s

 
 

Auch im Ausland sollten Sie es tunlichst unterlassen am Steuer mit dem Handy zu hantieren. Die folgende Grafik zeigt, dass Sie in den meisten Ländern Europas im Vergleich zu Deutschland bei Verstoß gegen das Handyverbot viel tiefer in die Tasche greifen müssen.

 
 
Infografik: So teuer wird's mit dem Handy am Steuer | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista
 
 

 
 
 
 

 
 
Beliebte Ausreden, wenn man erwischt wurde
 
 

Eins vorweg: Lügen haben kurze Beine. In den seltensten Fällen kommen Handysünder mit Ihren Ausreden durch. Dennoch haben wir einige der beliebtesten Ausreden gelistet:

  • Ich habe das Handy als Ohrwärmer für mein entzündetes Ohr genutzt.
  • Das war kein Handy. Das war mein Akku-Rasierer.
  • Ich habe mein Handy als Kieferstütze für meinen defekten Kiefer benutzt.
  • Ich habe nicht telefoniert, sondern mein Handy als Diktiergerät genutzt.
  • Ich hatte kein Handy in der Hand, sondern habe nur meinen Kopf an der Fahrertür abgestützt.
 
 
Bußgeld wegen Handyverstoß - wann lohnt ein Einspruch?
 
 

Es gilt die Unschuldsvermutung. Ihnen muss also nachgewiesen werden, dass Sie ein Handy während der Fahrt oder im Stand bei laufendem Motor benutzt haben. Ein Einspruch ist immer dann sinnvoll, wenn die Beweislast etwa durch Blitzerfotos oder Zeugenaussagen nicht ausreicht.

Ein Beispiel: Wegen der Aussage eines Polizisten, der eine typische Handbewegung gesehen hat, erhielt die betroffene Person einen Bußgeldbescheid. Das OLG Thüringen entschied dagegen. Die typische Handbewegung „Hand zum Ohr“ reicht als Beweis für eine Handybenutzung nicht aus. Auch wenn sich bei näherer Kontrolle herausstellt, dass sich im Auto ein Handy befindet. Die Hand ans Ohr zu führen, könne vielfältigste Gründe haben.

Ist auf dem Blitzerfoto nicht klar zu erkennen, wer das Fahrzeug gefahren ist? War bei der Sichtkontrolle durch die Polizeibeamten nicht eindeutig zu erkennen, ob es sich überhaupt um ein Handy handelt? War der Motor abgestellt, als Sie das Handy benutzten? Nur wenn hier Zweifel bestehen bzw. die Fragen klar mit NEIN beantwortet werden können, ist ein Einspruch lohnenswert.

Wichtig: Um erfolgreich zu sein, benötigen Sie die Hilfe eines Verkehrsanwaltes. Schweigen Sie zunächst zu dem Vorwurf der unerlaubten Handynutzung. Machen Sie keine Aussagen vor Ort oder nehmen Sie keine Stellung im Anhörungsbogen. Der Einspruch gegen den Bußgeldbescheid muss dann binnen 2 Wochen erfolgen