Bußgeld & Punkte - Bußgeldkatalog

Rote Ampel überfahren - Bußgeld & Punkte

 
 

Sie haben eine rote Ampel überfahren? Wenn es sich dabei um einen sogenannten qualifizierten Rotlichtverstoß handelt, wird es richtig teuer. Wer die Ampel passiert, nachdem Sie schon eine Sekunde und mehr Rot zeigte, muss 200 € Bußgeld bezahlen. Hinzu kommt 1 Monat Fahrverbot. Sogar Freiheitsstrafe und Führerscheinentzug drohen, wenn dabei der Straßenverkehr gefährdet wird.

Bußgeld und Punkte bei Rotlichtverstößen gemäß Bußgeldkatalog.

 
 

 
 
 
 

 
 

Bußgeldkatalog rote Ampel überfahren

 
 

In der StVO gibt es verschiedene Rotlichtverstöße. Die folgende Tabelle zeigt alle Delikte im Zusammenhang mit Lichtzeichanlagen und die damit verbundenen Strafen.

 
 
Verstoß
Bußgeld
Punkte
Fahrverbot
Ampel war kürzer als 1 Sekunde rot (einfacher Rotlichtverstoß)
Bußgeld 90 €
Punkte 1
Fahrverbot nein
... mit Gefährdung
Bußgeld 200 €
Punkte 2
Fahrverbot 1 Monat
... mit Sachbeschädigung
Bußgeld 240 €
Punkte 2
Fahrverbot 1 Monat
Ampel war länger als 1 Sekunde rot (qualifizierter Rotlichtverstoß)
Bußgeld 200 €
Punkte 2
Fahrverbot 1 Monat
... mit Gefährdung
Bußgeld 320 €
Punkte 2
Fahrverbot 1 Monat
... mit Sachbeschädigung
Bußgeld 360 €
Punkte 2
Fahrverbot 1 Monat
Nicht kurz anhalten an einer roten Ampel mit grünem Rechtsabbiegepfeil.
Bußgeld 70 €
Punkte 1
Fahrverbot nein
... mit Gefährdung
Bußgeld 100 €
Punkte 1
Fahrverbot nein
... mit Sachbeschädigung
Bußgeld 120 €
Punkte 1
Fahrverbot nein
 
 

Alle Angaben ohne Gewähr. Irrtümer vorbehalten.
Quelle: Bundesverkehrsministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
Stand: 2016

 
 
 

Wir bei einem Verkehrssünder festgestellt, dass der Rotlichtverstoß besonders rücksichtslos war bzw. unter Vorsatz geschah, droht eine hohe Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu 5 Jahren. Grundlage zur Verurteilung ist hier § 315c des Strafgesetzbuches (Verkehrsgefährdung).

 
 
Ampel gilt für alle Verkehrsteilnehmer
 
 

Die Signale einer Ampel gelten für sämtliche Verkehrsteilnehmer. Auch Fußgänger und Radfahrer müssen also bei Verstößen mit Strafen rechnen.

 
 
Verstoß
Bußgeld
Punkte
Fahrverbot
Fußgänger geht bei Rot über die Ampel
Bußgeld 5 €
Punkte -
Fahrverbot nein
... mit Unfallfolge
Bußgeld 10 €
Punkte -
Fahrverbot nein
Radfahrer fährt bei Rot über die Ampel
Bußgeld 45 €
Punkte 1 (gibt’s auch ohne Führerscheinbesitz)
Fahrverbot nein

Für Lkw-Fahrer gelten die Bestimmungen des Bußgeldkatalog rote Ampel.
(Achtung der Bremsweg bei Lkw ist länger, deshalb rechtzeitig bremsen)

 
 
 

Einspruch gegen Bußgeldbescheid wegen Rotlichtverstoß

 
 

Gegen die Angabe „länger als 1Sekunde“ können Sie sich wehren. Kommt diese etwa nur durch Schätzung eines Augenzeuges zustande, ist der Bußgeldbescheid anfechtbar. Wer kann schon nach Gefühl sagen, das war länger als eine Sekunde. Auch erfahrene Polizisten kommen hierbei als menschliche Zeitmesser nicht infrage (Urteil Amtsgericht Lüdenhausen, Az.: 19 OWi-89 Js 1024/14-97/14).

Sie erhalten zunächst einen Anhörungsbogen. Hier können Sie sich zum Vorwurf des Rotlichtverstoßes äußern. Sollten Sie Zweifel haben bzw. den Vorwurf als ungerechtfertigt betrachten, tun Sie hier nichts. Äußern Sie sich weder zum Tatvorwurf noch kreuzen Sie an, dass Sie die Tat zugeben. Bei letzterem willigen Sie gleichzeitig ein, dass eine Strafe verhängt wird. Warten Sie stattdessen den Bußgeldbescheid ab, der etwa 2 bis 6 Wochen nach Erhalt des Anhörungsbogens zugestellt wird.

Gegen den Bußgeldbescheid können Sie binnen einer Frist von 2 Wochen Einspruch erheben. Wie genau Sie dies tun können, ist in der Rechtsmittelbelehrung am Ende des Bescheides erläutert.

 
 
Am besten einen Anwalt einschalten
 
 

Der Einspruch muss schriftlich bei der verantwortlichen Bußgeldstelle erfolgen. Hier finden Sie ein Muster-Einspruchsschreiben zum Download. Hier können Sie eine Stellungnahme abgeben, warum Sie glauben, dass der Bußgeldbescheid unberechtigt ist. Allerdings sollten Sie hier einen Fachanwalt für Verkehrsrecht einschalten. Als Laie ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Sie sich mit Ihrer Begründung mehr schaden als nutzen. Nur ein Fachanwalt kann die Sachlage richtig einschätzen und Ihre rechtlichen Möglichkeiten mit Erfolg ausschöpfen.

Wenn Sie eine Rechtschutzversicherung haben, sollten Sie generell bei zweifelhaften und kostenintensiven Verkehrsverstößen einen Anwalt einschalten. Sie sind ja abgesichert.
Gängige Verteidigungsstrategien bzw. Begründungen bei Einspruch sind:

  • Fehlerhafte Messung (Rotlichtdauer war nicht länger als eine Sekunde)
  • Mitzieheffekt (Verwirrung durch andere Autofahrer, die auf ihrer Spur grün haben und losfahren)
  • Augenblicksversagen (Unachtsamkeit)
  • Vermeidung Unfall (statt Vollbremsung und Auffahrunfall zu riskieren, bei Rot drübergefahren)
  • Kürzere Gelbphase als gewohnt


 
 
Hinweise:
 
 

Alle Gegenargumente sollten wohl überlegt werden. Unter Umständen kann die grundsätzlich angenommene Fahrlässigkeit auch als Vorsatz gewertet werden. Bei vorsätzlichem Rotlichtverstoß droht die doppelt so hohe Strafe.

Zu kurze Gelbphasen können Rotsünder entlasten. Innerhalb von Ortschaften (50km/h) muss diese 3 Sekunden betragen. Ist sie kürzer kann die Begründung nicht mehr rechtzeitig bremsen zu können, geltend gemacht werden.

Messfehler zu beweisen erfordert teure Gutachten.

 
 
So geht es nach dem Einspruch weiter
 
 

Gibt Ihnen die Bußgeldstelle Recht, wird der Bescheid aufgehoben.

Tut Sie das nicht, wird der Fall der Staatsanwaltschaft übergeben. Diese übergibt die Akten dem zuständigen Amtsgericht, welches ein Gerichtsverfahren einleitet. Im Rahmen dieses Verfahrens wird der Sachverhalt noch einmal gründlich geprüft und dann wird über das Strafmaß entschieden.

Vor Gericht werden immer die individuellen Umstände des Rotlichtverstoßes bewertet. Auch wenn eindeutig ist, dass es sich um einen qualifizierten Rotlichtverstoß handelt, kann ein Fahrverbot etwa abgewendet werden durch individuelle Beurteilung der Straßengefährdung zu diesem Zeitpunkt. War es nachts oder tagsüber? Handelte es sich um einen Wochentag oder Sonntag? Etc.

Hinweis: Die Aussicht, dass Sie ganz ohne Strafe davonkommen ist generell eher gering. Ohne Rechtschutzversicherung tragen Sie allein das finanzielle Risiko. Überlegen Sie sich daher gut, ob Sie einen Bußgeldeinspruch einlegen.

 
 

VIDEO: Bei Rot über die Ampel – Fachanwälte für Verkehrsrecht geben Tipps

 
 
 
 

Rote Ampel in der Probezeit überfahren

 
 

In der StVO werden in der Probezeit A- und B-Verstöße unterschieden. Bei Rot über die Ampel fahren gehört zu den A-Verstößen. Es handelt sich um einen schwerwiegenderen Verkehrsverstoß, wohingegen B-Verstöße „leichtere“ Fälle darstellen.

Folgende Sanktionen sind vorgesehen:

  • Verlängerung der Probezeit um 2 Jahre
  • Teilnahme an einem Aufbauseminar
  • Punkte, Bußgeld und Fahrverbot lt. Bußgeldkatalog
 
 
Dauerrote Ampel – was tun?
 
 

Aufgrund technischer Defekte kann es passieren, dass eine Ampel nicht von Rot auf Grün umschaltet. Hier stellt sich die Frage, wie lange Sie warten müssen, bis Sie trotz Rot weiterfahren dürfen.

Das Oberlandesgericht Hamm hat entschieden, dass es mindestens 3 Minuten sein müssen (Az.: 2 Ss OWi 486/99). Um ganz auf der sicheren Seite zu sein, sind 5 Minuten Wartezeit empfehlenswert.

Übrigens: rote Ampeln dürfen über Privatgrundstücke wie etwa Parkplätze oder Tankstellen umfahren werden (OLG Hamm, Az.: I RBs 98/13). Nur die Umfahrung etwa über parallel verlaufene Randspuren oder Busspuren sind nicht erlaubt.

 
 
Ampelblitzer oder wenn die Kamera 2 x auslöst
 
 

In Deutschland gibt es derzeit rund 4000 Ampelblitzer (Blitzampeln, Rotblitzer), aufgestellt meistens an Kreuzungen, die als Unfallschwerpunkt gelten. Die Blitzgeräte sind hinter der Ampel aufgestellt und ähneln äußerlich den Starenkästen wie bei der Geschwindigkeitskontrolle, die Technik im Inneren ist jedoch komplexer.

Der Blitzer ist mit der Ampeltechnik gekoppelt. Das Besondere an Rotblitzern ist, dass die Kamera zwei Mal auslöst. Es liegen zwei Induktionsschleifen unterm Straßenbelag. Eine direkt unter der Haltelinie, die andere kurz vor Ampel bzw. dem Bereich den die Ampel schützen soll. Überquert ein Fahrzeug eine oder beide Induktionsschleifen, wird der Ampelblitzer je einmal ausgelöst und macht ein Foto. So kann festgestellt werden, ob der betroffene Fahrer nur die Haltelinie überquert hat, aber noch rechtzeitig vor dem Kreuzungsbereich zum Stehen gekommen ist. Oder ob er die rote Ampel komplett überfahren hat. Ersters wird mit einem Verwarngeld von 10 € geahndet. Letzteres stellt einen Rotlichtverstoß dar. Ebenfalls dokumentiert wird dabei, wie lange die Ampel schon auf Rot stand (einfacher oder qualifizierter Rotlichtverstoß).

 
 

Mythos Gelblicht-Verstoß

 
 

Auch wenn hiervon nichts im Bußgeldkatalog steht - es gibt ihn tatsächlich den Gelblichtverstoß. Wer bei Gelb über die Ampel fährt, jedoch sein Fahrzeug bei normaler Bremsung noch vor der Haltelinie hätte stoppen können, muss mit einem Verwarngeld von 10 € rechnen (§ 37 StVO, Gelb ordnet an, dass man vor der Kreuzung auf das nächste Zeichen warten muss).

Allerdings weiß man ja nicht, wann die Ampel von Grün auf Gelb schaltet und kann deshalb nicht rechtzeitig zum Stehen kommen. Die Dauer der Gelbphase ist hier relevant. Sie beträgt nach § 37 StVO innerorts (50 km/h) 3 Sekunden. Bei 60 km/h beträgt die Gelbphase 5 Sekunden und bei 70 km/h 7 Sekunden.

Mit der Formel zur Berechnung des Bremsweges kommt man auf folgende Distanzen:

 
 
Bremswegbereichnung
 
 
  • Bei 50 km/h reichen 40 Abstand zur Ampel um noch bei Gelb zu halten
  • Bei 60 km/h sind es 54 Meter
  • Bei 70 km/h sind es 70 Meter


Ist nicht mehr ausreichend Strecke vorhanden, kann die gelbe Ampel überfahren werden.

 
 

 
 
 
 

 
 
 
 
 
 
 
Fulda Promotion 2016