Alles Wissenswerte zum Thema Probezeit bei Fahranfängern

Probezeit beim Führerschein

 
 
 
 

Die Probezeit nach bestandenem Führerschein beträgt in der Regel 2 Jahre. Damit sich diese Zeit nicht verlängert, dürfen sich Fahranfänger im besten Fall nichts zu Schulden kommen lassen. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Verkehrsverstöße Auswirkungen auf die Probezeit haben und welche Strafmaßnahmen drohen.

 
 

Wie lange dauert die Probezeit?

 
 

Die Probezeit dauert 2 Jahre und beginnt mit dem Tag, an dem die Fahrerlaubnis erteilt wird, also mit bestandener praktischer Fahrprüfung.

 
 

Zunächst: die 2-jährige Probezeit gilt nicht für alle Führerscheinklassen. Ausgenommen sind:

  • AM (Moped, Mofa)
  • S (motorisierte Dreiräder)
  • L (Traktor, Arbeitsmaschinen bis 32 km/h)
  • T (Traktor, Arbeitsmaschinen bis 60 km/h)

Allerdings kann man mit jedem Fahrzeug verkehrsauffällig werden. Das heißt, auch Verstöße mit einem Mofa haben Auswirkungen auf die Probezeit.

 
 
 

Die Probezeit gilt für alle Personen, die erstmalig die Fahrerlaubnis in den Klassen B, A, C und D erworben haben. Ausgenommen sind die Führerscheinklassen Mofa, AM (Kleinkrafträder), L und T (land- und forstwirtschaftliche Zugmaschinen).

Die Probezeit wird einmalig durchlaufen. Für später erworbene Führerscheinklassen wird keine Probezeit erhoben. Wer beispielsweise mit 16 die Fahrerlaubnis Klasse A1 macht und nach zwei Jahren den Autoführerschein erwirbt, hat für die Pkw-Fahrerlaubnis keine Probezeit mehr.

Wer innerhalb der 2 Jahre Probezeit die Fahrerlaubnis unterschiedlicher Klassen erwirbt, bekommt die jeweilige Probezeit angerechnet. Beim Führerschein mit 17 gilt dies nicht. Wer bereits ein Jahr zuvor Motorrad gefahren ist, hat anschließend trotzdem noch 2 Jahre Probezeit für den Pkw-Führerschein.

 
 

Verkehrsverstöße Kategorie A und B – Auswirkungen auf die Probezeit

 
 

Für alle anderen Führerscheinklassen gelten 2 Jahre Probe. Und zwar ab dem Tag des erstmaligen Erwerbs einer Fahrerlaubnis. Wer seinen Führerschein Klasse A1 mit 16 macht und mit 17 die Klasse B, der hat insgesamt nur Probezeit bis 18 Jahre.

Der Führerschein ist in der Probezeit voll gültig, der Fahranfänger fährt jedoch auf „Bewährung“. Um dem hohen Unfallrisiko durch Fahranfänger vorzubeugen, sind Verkehrsverstöße während der Probezeit werden besonders sanktioniert. Sie sind in zwei Klassen unterteilt:

  • Klasse A Verstöße sind schwerwiegend
  • Klasse B Verstöße sind weniger schwerwiegend


Bei einem A-Verstoß oder zwei B-Verstößen innerhalb der Probezeit muss der Fahranfänger an einem Aufbauseminar teilnehmen und die Probezeit verlängert sich einmalig um weitere 2 Jahre auf also insgesamt 4 Jahre.

Grundsätzliche sind alle Straftaten (S) im Straßenverkehr A-Verstöße, aber auch viele Ordnungswidrigkeiten (O) gehören in diese Kategorie.

 
 

Beispiele für A-Verstöße

Beispiele für B-Verstöße

Alkohol/Drogen am Steuer (S)

Handy am Steuer

Fahrlässige Körperverletzung (S)

Kennzeichenmissbrauch

Fahrlässige Tötung (S)

Ungesicherte Ladung

Unterlassene Hilfeleistung (S)

Mitnahme von Kindern ohne Kindersitz

Missachtung Überholverbot (O)

Fahren mit abgefahrenen Reifen

Missachtung rote Ampel (O)

Mangelnde Absicherung eines Unfallorts / Pannenautos

Geringer Abstand (O)

 

Geschwindigkeitsüberschreitung über 20 km/h

 

Gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr (z.B. illegale Autorennen)

 

Nötigung, z.B. durch Lichthupe

 

 
 
Auswirkung von Verkehrsdelikten in der Probezeit
 
 

Verstoß

Probezeitverlängerung / Aufbauseminar

Entzug der Fahrerlaubnis

1. A-Verstoß

ja / ja

nein

2. A Verstoß

- / nein

nein

3. A-Verstoß

- / nein

ja

1. B-Verstoß

nein / nein

nein

2. B-Verstoß

ja / ja

nein

1. B-Verstoß in der verlängerten Probezeit

- / nein

 

2. B-Verstoß in der verlängerten Probezeit

- / nein

nein

2 weitere B-Verstöße

- / nein

ja

 
 

Hinweis:
Beim zweiten A-Verstoß und zweiten B-Verstoß in der verlängerten Probezeit wird die Teilnahme an einer Verkehrspsychologischen Beratung empfohlen.

 
 

Beispiele für Verkehrsverstöße ohne Auswirkung auf die Probezeit

 
 

Verkehrsdelikte, die mit einem Bußgeld unter 60 €uro bewährt sind, haben keine Auswirkung auf die Probezeit. Dazu gehören z.B.:

  • das Überschreiten der Parkzeit an einer Parkuhr
  • Geschwindigkeitsüberschreitungen unter 21 km/h
  • Nicht angelegter Sicherheitsgurt
  • Halten in zweiter Reihe
  • Eingeschränktes Sichtfeld durch vereiste Scheiben
  • Einbahnstraße in falscher Richtung befahren
 
 
Kein Aufbauseminar, kein Führerschein
 
 

Ordnet die Fahrerlaubnisbehörde ein Aufbauseminar an, muss dieses absolviert werden. Wird innerhalb der festgelegten Frist kein Nachweis über die vollständige Teilnahme am Seminar erbracht, wird die Fahrerlaubnis entzogen. Eine neue Fahrerlaubnis wird erst dann erteilt, wenn das Aufbauseminar absolviert wurde.

Ein Aufbauseminar dauert in der Regel 14 Tage. Um die Frist nicht zu versäumen, sollten Betroffene rechtzeitig nach Anordnung um ein Seminar in einer Fahrschule in der Nähe kümmern.

 
 

Punkte & Bußgeld während der Probezeit

 
 

Der aktuelle Bußgeldkatalog gilt auch für Fahranfänger. Verkehrsverstöße werden entsprechend geahndet. So gibt es beispielsweise für eine Geschwindigkeitsüberschreitung innerorts von 21 km/h ein Bußgeld von 80 €uro und 1 Punkt in Flensburg.

Überfährt der Fahranfänger eine rote Ampel (Rotphase länger als 1 Sekunde) drohen ihm wie jedem anderen Kraftfahrzeugführer auch 200 €uro Bußgeld und 2 Punkte in Flensburg.

Der aktuelle Bußgeldkatalog: Alle Verstöße & Strafen

 
 
Probezeit verkürzen – geht das?
 
 

Einige Bundesländer führten diesbezüglich Modellversuche durch mit speziellen Seminarangeboten, um die Probezeit auf 1 Jahr zu verkürzen. Diese Möglichkeit besteht jedoch nicht mehr.

 
 

Probezeit beim Führerschein mit 17

 
 

Beim Führerschein mit 17 - auch Begleitetes Fahren genannt – dauert die Probezeit ebenfalls 2 Jahre. Sie beginnt mit Aushändigung der Prüfungsbescheinigung.

Die Probezeit bezieht sich jedoch immer auf die erste Fahrerlaubnis. Hat die Person zuvor den Führerschein Klasse A1 (mit 16 Jahren) gemacht, endet die Probezeit mit 18.

Bei Fahren ohne Begleitperson kommt es zum Widerruf der Fahrerlaubnis Klasse B und ein Bußgeld in Höhe von 70 €uro und 1 Punkt in Flensburg werden angeordnet. Die eingeschlossenen Klassen AM und L bleiben erhalten. Ebenso eine bereits vor der Klasse B erworbene Fahrerlaubnis der Klasse A1 für Kleinkrafträder bleibt erhalten.

Zusätzlich wird ein Aufbauseminar angeordnet und die Probezeit verlängert sich um zwei Jahre. Erst nach Vorlage eines Nachweises über die Nachschulung kann die Fahrerlaubnis neu beantragt werden. Diese darf jedoch frühestens nach 6 Monaten neu ausgestellt werden.

Wer seine Prüfbescheinigung zusammen mit dem Personalausweis nicht vorzeigen kann, muss keine Auswirkungen auf die Probezeit befürchten. Dieser Verstoß wird lediglich mit einem Verwarngeld von 10 €uro belegt.

 
 

Alkohol am Steuer während der Probezeit

 
 

Wer in der Probezeit unter Alkoholeinfluss oder Drogeneinfluss ein Fahrzeug steuert, muss mit schwerwiegenden Strafen rechnen. Neben der Probezeitverlängerung wird ein besonders Aufbauseminar angeordnet. Das Seminar wird innerhalb von 2 bis 4 Wochen durchgeführt und besteht aus einem Vorgespräch sowie drei Sitzungen à 180 Minuten. Die Kosten betragen zwischen 250 und 500 Euro.

Nach erfolgreicher Teilnahme bekommen Sie eine Bescheinigung, welche bei der zuständigen Behörde vorgelegt werden muss.

Je nach Blutalkoholwert und Ausfallerscheinungen bzw. Straßengefährdung drohen unterschiedlich hohe Strafen. Ab 1,1 Promille ist der Straftatbestand erfüllt. Es drohen 3 Punkte in Flensburg, Führerscheinentzug mit Sperrfrist bis 5 Jahre oder gar auf Dauer sowie eine Freiheitsstrafe oder Geldstrafe.

Fahranfängern, die mit unter 0,5 Promille Alkohol erwischt worden sind, drohen

  • 1 Punkt in Flensburg
  • 250 € Bußgeld
  • Variables Fahrverbot
  • MPU
  • Entziehung der Fahrerlaubnis
 
 

Unfall während der Probezeit

 
 

Bei selbstverschuldeten Unfällen während der Probezeit drohen Probezeitverlängerung und die Teilnahme an einem Aufbauseminar.

Auch hier wird in Verstößen der Kategorie A und B unterschieden. Handelt es sich um Auffahrunfall wegen Nichtbeachtung des Mindestabstands oder ist man in den Straßengraben gerutscht, weil man durchs Telefonieren abgelenkt war? Wurden Personen verletzt oder Verkehrsteilnehmer gefährdet? Alle diese Fragen haben Einfluss auf die Höhe des Strafmaßes.

Hat der Inhaber des Führerscheins auf Probe beispielsweise ein Unfall durch Überfahren einer roten Ampel verursacht, kann auch eine MPU angeordnet werden.

Ein guter Indikator für besondere Maßnahmen bei einem Unfall während der Probezeit sind letztlich das verhängte Bußgeld und evtl. Punkte in Flensburg.

Beispiel 1: Für einen Unfall verursacht durch abgefahrene Reifen gibt es 1 Punkt in Flensburg und 75 Euro Bußgeld. Es handelt sich um einen Verstoß der Kategorie B.
Beispiel 2: Für einen Unfall verursacht durch das Überfahren einer roten Ampel, drohen 2 Punkte in Flensburg sowie 240 Euro Bußgeld und ein Monat Fahrverbot. Es handelt sich um einen Verstoß der Kategorie A. Das bedeutet mindestens Probezeitverlängerung und Teilnahme am Aufbauseminar.

 
 

Verlängerung der Probezeit - Ab wann?

 
 

Bei schwerwiegenden Verkehrsverstößen während der Probezeit drohen besondere Maßnahmen wie Aufbauseminare, Verlängerung der Probezeit auf 4 Jahre oder Entzug der Fahrerlaubnis. Schwerwiegende Verkehrsverstöße sind Verstöße, die im Verkehrszentralregister (Flensburg) eingetragen werden (Bußgeld ab 40,- Euro).

Die schwerwiegenden Verkehrsverstöße werden noch einmal unterteilt in Kategorie A (schwerwiegend) und Kategorie B (weniger schwerwiegend). Bei einem Verstoß der Kategorie A oder zwei Verstößen der Kategorie B wird die Teilnahme an einem Aufbauseminar angeordnet und die Probezeit wird um 2 weitere Jahre verlängert.

Wir der Fahranfänger nach dem Aufbauseminar erneut auffällig (1 x A oder 2 x B) wird eine Verwarnung ausgesprochen und die freiwillige Teilnahme an einer verkehrspsychologischen Beratung empfohlen. Kommt es nach Ablauf von 2 Monaten nach der Verwarnung zu einer weiteren Auffälligkeit (1 x A, 2 x B) wird die Fahrerlaubnis entzogen.

Neue Verstöße vor Ablauf des Aufbauseminars werden ggf. erst nach Beendigung des Seminars geahndet um abzuwarten, ob sich das Verkehrsverhalten durch die Seminarteilnahme verbessert.

Natürlich können wie bei jedem anderen Kraftfahrer auch bei Fahranfängern weitere Maßnahmen drohen, wenn die Fahreignung angezweifelt wird. Bei Trunkenheit am Steuer etwa wird der Führerschein direkt entzogen und die MPU angeordnet. Eine Führerscheinsperre von mindestens 6 Monaten ist fällig. Um die Fahrerlaubnis zurück zu bekommen muss die betroffene Person die MPU bestehen, die Teilnahme an einem Aufbauseminar nachweisen. Die Probezeit wird unterbrochen.

Die Probezeit erstreckt sich übrigens auf alle Arten der Verkehrsteilnahme: wer auf dem Mofa oder Fahrrad etwa durch Alkoholkonsum auffällig wird, muss mit den gleichen Strafen wie bei einer verkehrswidrigen Autofahrt rechnen.

 
 

 
 
 
 

 
 

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