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Probezeit – warum, wer, wie lange?

 
 
 
 

In der Probezeit müssen sich Fahranfänger „bewähren“: Sie müssen beweisen, dass sie zum Führen eines Fahrzeugs geeignet sind. Die Probezeit dauert 2 Jahre und Fahranfänger sollten sich hier besser nichts zu Schulden kommen lassen, sonst drohen Aufbauseminare oder gar Führerscheinsperre.

 
 

Warum gibt es die Probezeit?

Eine Probezeit dient grundsätzlich dazu, dass die betroffene Person ihre Eignung nachweist. Ein Fahranfänger muss sich also ähnlich wie zum Beispiel ein Azubi im Unternehmen bewähren und beweisen, dass er für den Job, in dem Fall für das Führen eines Kraftfahrzeugs geeignet ist.

Nachdem festgestellt wurde, dass Fahranfänger auffällig oft in Verkehrsunfälle verwickelt waren, wurde 1986 der „Führerschein auf Probe“ eingeführt. Mehr als 60 Prozent der Verkehrsunfälle gingen seinerzeit auf das Konto von Fahranfängern.

 

Laut ADAC Unfallstatistik wurden im vergangenen Jahr immer noch mehr als ein Viertel aller Verkehrsunfälle mit Todesfolge von jungen Menschen der Altersgruppe 18 – 24 Jahre verursacht. Knapp ein Drittel der jugendlichen Autofahrer wurde durch Alkohol am Steuer auffällig. Diese Prozentzahlen sind umso erschreckender, da diese Altersgruppe insgesamt gerade einmal 10 Prozent aller Pkw-Fahrer Deutschlands ausmacht und nur knapp 9 Prozent der gesamten Pkw-Fahrleistung erbringt.


Wie lange dauert die Probezeit?

Die Probezeit dauert 2 Jahre und beginnt mit dem Tag, an dem die Fahrerlaubnis erteilt wird, also mit bestandener praktischer Fahrprüfung.


Was lange ist die Probezeit bei Führerschein mit 17?

Beim Führerschein mit 17, dem sogenannten Begleitetem Fahren (BF17), beginnt die Probezeit mit der Aushändigung der Prüfungsbescheinigung. Sie dauert ebenfalls 2 Jahre und bei Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung werden dieselben Maßnahmen ergriffen wie bei Fahranfängern mit herkömmlichem Führerschein.


Für welche Führerscheinklassen gilt die Probezeit?

Die Probezeit gilt für alle Personen, die erstmalig die Fahrerlaubnis in den Klassen B, A, C und D erworben haben. Ausgenommen sind die Führerscheinklassen Mofa, AM (Kleinkrafträder), L und T (land- und forstwirtschaftliche Zugmaschinen).

Die Probezeit wird einmalig durchlaufen. Für später erworbene Führerscheinklassen wird keine Probezeit erhoben. Wer beispielsweise mit 16 die Fahrerlaubnis Klasse A1 macht und nach zwei Jahren den Autoführerschein erwirbt, hat für die Pkw-Fahrerlaubnis keine Probezeit mehr.

Wer innerhalb der 2 Jahre Probezeit die Fahrerlaubnis unterschiedlicher Klassen erwirbt, bekommt die jeweilige Probezeit angerechnet. Beim Führerschein mit 17 gilt dies nicht. Wer bereits ein Jahr zuvor Motorrad gefahren ist, hat anschließend trotzdem noch 2 Jahre Probezeit für den Pkw-Führerschein.


Wann verlängert sich die Probezeit?

Bei schwerwiegenden Verkehrsverstößen während der Probezeit drohen besondere Maßnahmen wie Aufbauseminare, Verlängerung der Probezeit auf 4 Jahre oder Entzug der Fahrerlaubnis. Schwerwiegende Verkehrsverstöße sind Verstöße, die im Verkehrszentralregister (Flensburg) eingetragen werden (Bußgeld ab 40,- Euro).

Die schwerwiegenden Verkehrsverstöße werden noch einmal unterteilt in Kategorie A (schwerwiegend) und Kategorie B (weniger schwerwiegend). Bei einem Verstoß der Kategorie A oder zwei Verstößen der Kategorie B wird die Teilnahme an einem Aufbauseminar angeordnet und die Probezeit wird um 2 weitere Jahre verlängert.

Wir der Fahranfänger nach dem Aufbauseminar erneut auffällig (1 x A oder 2 x B) wird eine Verwarnung ausgesprochen und die freiwillige Teilnahme an einer verkehrspsychologischen Beratung empfohlen. Kommt es nach Ablauf von 2 Monaten nach der Verwarnung zu einer weiteren Auffälligkeit (1 x A, 2 x B) wird die Fahrerlaubnis entzogen.

Neue Verstöße vor Ablauf des Aufbauseminars werden ggf. erst nach Beendigung des Seminars geahndet um abzuwarten, ob sich das Verkehrsverhalten durch die Seminarteilnahme verbessert.

Natürlich können wie bei jedem anderen Kraftfahrer auch bei Fahranfängern weitere Maßnahmen drohen, wenn die Fahreignung angezweifelt wird. Bei Trunkenheit am Steuer etwa wird der Führerschein direkt entzogen und die MPU angeordnet. Eine Führerscheinsperre von mindestens 6 Monaten ist fällig. Um die Fahrerlaubnis zurück zu bekommen muss die betroffene Person die MPU bestehen, die Teilnahme an einem Aufbauseminar nachweisen. Die Probezeit wird unterbrochen.

Die Probezeit erstreckt sich übrigens auf alle Arten der Verkehrsteilnahme: wer auf dem Mofa oder Fahrrad etwa durch Alkoholkonsum auffällig wird, muss mit den gleichen Strafen wie bei einer verkehrswidrigen Autofahrt rechnen.


Verstöße Kategorie A (Beispiele)

• unerlaubtes Entfernen vom Unfallort
• Nötigung (z.B. durch dichtes Auffahren auf der Autobahn mit Betätigen der Lichthupe)
• gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr (z.B. durch illegale Autorennen)
• Trunkenheit/Drogeneinfluss im Verkehr.
• Geschwindigkeitsübertretungen von mehr als 20 km/h mit dem Pkw oder um mehr als 15 km/h mit einem Lkw
• Gefährdung anderer durch Vorfahrtmissachtung oder Fehler beim Abbiegen
• Missachtung des Rotlicht an einer Ampel
• Überholen im Überholverbot
• zu geringer Sicherheitsabstand bei mehr als 80 km/h (weniger als halber Tachowert)

Verstöße Kategorie B (Beispiele)

• ungesicherte Ladung
• Mitnahme von Kinder ohne die vorgeschriebene Rückhalteeinrichtung (Kindersitz)
• Gefährdung durch ein nicht vorschriftsmäßig abgesichertes liegengebliebenes Fahrzeug
• Fahren mit abgefahrenen Reifen.
• Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung
• Kennzeichenmissbrauch
• Gefährdung/behinderung von Fußgängern/Radfahreren beim Abbiegen/in Haltestellen

 

Was ist mit Alkohol beim Führerschein auf Probe?

Für Fahrer in Probezeit und generell für Fahrer unter 21 Jahren gilt die 0,0-Promille Grenze. Wer mit einem Alkoholspiegel von 0,1 Promille erwischt wird, muss zur Nachschulung und die Probezeit verlängert sich um weitere 2 Jahre.


Kann man die Probezeit verkürzen?

Nein. Diese Möglich existierte nur bis Ende 2010. Durch den Besuch von Fortbildungsseminaren für Fahranfänger, angeboten bspw. vom ADAC, konnten junge Fahrer damals ihre Probezeit noch verkürzen. Heute geht das nicht mehr.


Wie komme ich sicher durch die Probezeit?

Da Fahranfänger überdurchschnittlich viele Unfälle verursachen fahren sie die ersten beiden Jahre auf Bewährung. Nur wer sich genau an die Verkehrsregeln hält, übersteht die Probezeit sicher. Denn anders als bei „gestandenen“ Autofahrern droht Fahranfängern wesentlich schneller der Entzug der Fahrerlaubnis. Bereits bei einem Verstoß der Kategorie A muss die betroffene Person zum Aufbauseminar (ASF, Kosten 300 bis 400 Euro), die Probezeit verlängert sich um 2 weitere Jahre und wenn die Teilnahme nicht nachgewiesen wird, ist der Führerschein weg.

Es gibt in Deutschland jährlich rund 130.000 Führerscheinneulinge. Mehr als 30.000 davon schaffen es nicht in der regulären Probezeit.


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