MPU Anordnung nach Alkoholfahrt

MPU Untersuchung: Alkohol häufigste Ursache

 
 
 
 

Keine Frage: Alkohol am Steuer ist tabu. Was alkoholisierte Autofahrer anrichten, zeigt die traurige Statistik: Rund 15.000 Unfälle mit Personenschaden durch Alkohol im Jahr 2011, davon mehr als 4000 tödlich. Dennoch zählt Alkoholeinfluss weiterhin zu den häufigsten Unfallursachen in Deutschland.

 
 

Häufigste Ursache: Alkohol am Steuer

 
 

Die Begutachtungsstellen für Fahreignung (BfF), wie z. B. der TÜV, können ein Lied davon singen: die meisten Medizinisch-Psychologischen Untersuchungen (MPU) nach Entzug des Führerscheins werden bei alkoholauffälligen Kraftfahrern gemacht.

Rund 28.000 MPUs im Jahr 2011 betrafen alkoholauffällige Fahrer. Das sind 28 Prozent der MPUs insgesamt in diesem Jahr. Mit 20 Prozent sind die drogenbezogenen Verkehrsdelikte der zweithäufigste Anlass für eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung.

Etwas über die Hälfte der MPU-Kandidaten erhalten nach der Untersuchung ihre Fahrerlaubnis zurück. Ein Zehntel muss zur Nachschulung, der Rest wird als „ungeeignet“ eingestuft. Ungeeignet bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist, dass die betreffende Person ihr Verhalten im Straßenverkehr ändert, also weiter rast oder trinkt.

 
 
 
Video: Alkohol am Steuer - Autofahrer müssen zur MPU
 
 
 
 

MPU bei wie viel Promille?

 
 

Alkohol verringert die Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit in beträchtlichem Maße. Je höher der Blutalkohol-Wert desto geringer die Leistungsfähigkeit und desto höher das Unfallrisiko. Deswegen ordnet die Fahrerlaubnisbehörde bei einer Alkoholfahrt ab 1,6 Promille eine MPU an. Gleiches gilt bei wiederholten Alkoholfahrten schon ab 0,5 Promille oder wenn die begründete Annahme von Alkoholmissbrauch oder gar Alkoholabhängigkeit vorliegt.

 
 

Was tun bei MPU wegen Alkohol?

 
 

Für die BfF gilt grundsätzlich: Wer eine Alkohol-MPU machen muss, hat ein Problem mit Alkohol! Sobald beim psychologischen Gespräch, also im psychologischen Teil der Untersuchung, auch nur ansatzweise raus zuhören ist, dass das die betroffene Person anders sieht, ist sie schon so gut wie durchgefallen. Es gilt hier ganz klar nachzuweisen, dass es keine wiederholte Alkoholfahrt geben wird. Die Verharmlosung von Alkoholgenuss ist also so ziemlich das Dümmste, was man bei einer Alkohol-MPU machen kann.

Je nach Schwere des Falls müssen bei der Alkohol-MPU Nachweise über Abstinenz oder das sogenannte kontrollierte Trinken erbracht werden. Die Abstinenz kann freiwillig sein und muss dann für 6 Monate durch EtG (Ethylglucoronid)-Screenings (Haar- und Urinproben) nachgewiesen werden. Die erzwungene Abstinenz (bei Wiederholungstaten erforderlich) gilt für 12 Monate und muss ebenfalls medizinisch nachgewiesen werden.

Das kontrollierte Trinken muss für mindestens 6 Monate nachgewiesen werden. Wobei hier keine Haar- oder Urinproben helfen. Hier muss die betroffene Person dem Gutachter glaubhaft vermitteln, dass es so ist: Also dass sie nur noch so viel trinkt, dass keine alkoholtypischen Auswirkungen zu befürchten sind (bis etwa 0,3 Promille). Dass sie nur noch zu geplanten Anlässen trinkt, also nicht spontan und dass es pro Jahr nicht mehr als 10 bis 12 dieser Anlässe gibt.

Aufgrund der Nachweisfristen ist dringend zu empfehlen, sich lange vor Ablauf der Sperrfrist mit seinem Fall zu beschäftigen um nicht noch länger auf die Fahrerlaubnis warten zu müssen.

Übrigens, die üblichen Leberwerte erlauben ebenfalls eine erste Einschätzung, ob regelmäßiger Alkoholkonsum vorliegen könnte. Sie sind auch ein gutes Argument bei der MPU, um die eigenen Aussagen zu Trinkgewohnheiten zu bekräftigen. Unauffällige Leberwerte schließen Alkoholmissbrauch jedoch nicht aus. Und das wissen natürlich auch die Gutachter.

 
 

Positives oder negatives MPU-Ergebnis?

 
 

Der Weg zu einem positiven Gutachten bei einer Alkohol-MPU ist schwer und tückisch. Es gibt viele Fallen, in die man tappen kann bzw. die einen als potentiellen Wiederholungstäter entlarven. Und genau diese Personen sollen durch die Untersuchung ja auch raus gefiltert werden. Denn Alkohol am Steuer ist nicht tolerierbar.

Wie bei jedem MPU-Anlass gilt: Ehrlichkeit währt am längsten. Wer die ehrliche Absicht verfolgt sein Verhalten im Straßenverkehr zu ändern und die notwendigen Voraussetzungen dafür mitbringt, wird die Prüfung bestehen. Sollte das Ergebnis negativ ausfallen gibt es zwei Möglichkeiten: 1.Wenn nicht alle Eignungszweifel ausgeräumt werden den Betroffenen sogenannte §70-Kurse empfohlen. Dabei handelt es sich um eine Nachschulung zur Wiederherstellung der Fahreignung. 2. Wenn das MPU-Ergebnis absolut negativ ist, bleibt nur der Antrag auf die nächste MPU.

Übrigens, bei einem Alkoholverstoß in der Probezeit ordnet die Führerscheinbehörde direkt eine Nachschulung an.