Bußgeld & Punkte - Bußgeldkatalog

Handy am Steuer wird erheblich teurer

 
 
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Wer mit seinem Handy bzw. Smartphone während der Fahrt am Ohr telefoniert, riskiert 100 Euro Bußgeld und einen Punkt in Flensburg. Insgesamt gibt es für die Bedienung von Navigationsgerät, iPad und Co. im Auto strenge Auflagen. Alle Neuregelungen und Strafen gemäß § 23 Abs. 1 a, b auf einen Blick.

 
 

Ablenkung am Steuer ist eine der Hauptunfallursachen. Wer auf der Autobahn eine SMS tippt oder liest, legt schnell mehr als 100 Meter im Blindflug zurück. Das ist eine tödliche Gefahr, die der Gesetzgeber mit der Neuregelung des § 23 StVO eindämmen will. Es wird klarer definiert was mit Handy, Navi und Co. im Auto erlaubt ist und die Bußgelder und Strafen bei Verstoß werden erhöht.

 
 

VIDEO Strafen für Handynutzung am Steuer

 
 
 
 

Im Überblick: Das ist erlaubt und das verboten

 
 
  • Nur Geräte, die in Halterungen stecken bzw. nicht aufgenommen werden müssen, dürfen während der Fahrt benutzt werden.

  • Erlaubt sind zur Bedienung der Geräte nur Sprachsteuerung bzw. Vorlesefunktion.

  • Alternativ ist die Bedienung nur mit kurzer, den Wetterverhältnissen angepasster Blickzuwendung erlaubt.

  • Generell Erlaubt ist die Bedienung von Geräten im Stillstand und bei ausgeschaltetem Motor. Das gilt nicht für den Halt vor der Ampel und die aktive Start/Stopp-Automatik des Fahrzeugs.

  • Generell verboten sind Geräte in der Hand und die Bedienung des eingebauten Navis oder der Navi App des Smartphones in der Halterung. Die Programmierung des Navigationsgerätes zur Routenberechnung ist nicht mit kurzer Blickzuwendung möglich. Dies gilt für sämtliche Geräte der Kommunikation, Information und Organisation, also zum Beispiel auch für Autoradio und iPod. Erlaubt sind nur noch der kurze Blick und ein einfacher Tastendruck, etwa das Umschalten auf einen anderen Radiosender.


„Wird durch grobfahrlässige Verletzung dieser Vorgabe ein Verkehrsunfall auf der Autobahn verursacht, haftet der Fahrzeugmieter für den Schaden in vollem Umfang." (Landgericht Potsdam, 6 O 32/09)

 
 

Bußgeldkatalog Handyverbot nach § 23 StVO ab dem 19.10.2017

 
 
Verstoß
Bußgeld
Punkte
Fahrverbot
Als Fahrer das Handy am Steuer genutzt (in die Hand genommen während der Fahrt oder bei Stopp mit laufendem Motor; gilt auch für Fahrzeuge mit Start/Stopp-Automatik)
Bußgeld 100 €
Punkte 1
Fahrverbot nein
...inkl. Gefährdung
Bußgeld 150 €
Punkte 2
Fahrverbot 1 Monat
...inkl. Sachbeschädigung
Bußgeld 200 €
Punkte 2
Fahrverbot 1 Monat
Beim Radfahren
Bußgeld 55 €
Punkte -
Fahrverbot -
 
 

Verbot und Strafen beziehen sich auf sämtliche Geräte (z.B. Navi, iPod, iPad, Smartwatch usw.)

Alle Angaben ohne Gewähr. Irrtümer vorbehalten. 
Quelle: Bundesverkehrsministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung 

 
 

ACHTUNG: Kommt es zum Unfall, weil Sie zum Beispiel das Handy bedient haben, können Sie im schlimmsten Fall wegen grober Fahrlässigkeit im Straßenverkehr angeklagt werden. Dann drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis oder eine Geldstrafe.

 
 
 

Weitere interessante Fragestellungen zum Thema Handyverbot

 
 

Recherchiert im Internet zum Thema Handyverbot tauchen viele Fragen auf. Wir beantworten die wichtigsten:

 
 
Darf das Handy als Navi benutzt werden?

Ja, darf es. Währen der Fahrt jedoch nur in der Halterung und mit Sprachsteuerung. Grundsätzlich darf das Handy nur in der Halterung während der Fahrt benutzt werden. Und dann nur mit kurzem Blickkontakt und einfachem Tastendruck. Eine Programmierung der Navi App während der Fahrt ist verboten. Gleiches gilt auch für Handy Navis, die mit dem Auto Touchscreen verbunden sind. Der Touchscreen darf während der Fahrt nicht bedient werden.

 
 
Darf man eine Smartwatch benutzen?

Die Smartwatch bietet ähnliche viele Funktionen wie ein Smartphone. Ein kurzer Blick auf die Smartwatch zum Abrufen von Informationen während der Fahrt ist erlaubt. Eine manuelle Bedienung nicht.

 
 
Darf ich noch das Autoradio bedienen?

Von der Neuregelung des § 23 StVO Absatz 1 sind alle elektronischen Geräte betroffen, auch das Autoradio. Wer das Radio bedient und dabei länger als eine Sekunden den Blick von der Straße abwendet, riskiert ein Bußgeld, wenn er dabei erwischt wird.

 
 
Was ist mit Telefonieren beim Radfahren?

Für Fahrräder gilt dasselbe wie für andere Fahrzeuge: Striktes Handyverbot bzw. manuelle Bedienung von elektronischen Geräten. Das betrifft theoretisch auch den Rasierapparat.

 
 
Darf ich Fotos machen oder Musik hören mit dem Handy?

Auch hier gilt: Das Handy darf dazu während er Autofahrt bzw. währenddessen der Motor läuft nicht in die Hand genommen werden.

 
 
Darf ich einen eingehenden Anruf wegdrücken?

Sie sind vorbildlich und wollen nicht ans Telefon gehen, sondern drücken den Anruf weg? Falsch! Auch das ist verboten.

 
 
Darf ich auf dem Standstreifen telefonieren?

Wer zum Telefonieren auf dem Standstreifen einer Autobahn hält, verstößt gleich doppelt gegen die StVO: Handyverbot und verbotener Halt auf dem Standstreifen. Der Standstreifen ist nur für Pannen vorgesehen (§ 18 Abs. 8 StVO).

 
 
Was ist, wenn ich das Handy nur in der Hand halte?

Generell wird davon ausgegangen, wer sein Handy in der Hand hält, benutzt es auch. Allerdings bedarf es konkreter Beweise der Benutzung. So ist es zum Beispiel erlaubt, dass Telefon auf einen anderen Platz zu legen oder an den Beifahrer weiterzugeben. 

Konkrete Beweise wäre Aufnahmen, die zeigen, dass der Beschuldigte das Handy ans Ohr hält oder darauf tippt oder wischt. Ein bloßes Wegdrücken eines Anrufs wäre schon eine unerlaubte Benutzung. 

Als Beweis reicht auch die Aussage des Polizisten. Allerdings muss er diese dann vor Gericht auch glaubwürdig vortragen.

 
 
Wie wird Handy am Steuer kontrolliert?

Regional kontrolliert die Polizei mit einem Sonderaufgebot großräumig Verstöße gegen das Handyverbot, meistens gleich zusammen mit dem Verstoß gegen die Gurtpflicht. Es handelt sich um Sichtkontrollen. Die Beamten beobachten Autofahrer z.B. mit Fernsichtgeräten. Ein andere Maßnahme sind Blitzer. Sie registrieren wenn bei der Geschwindigkeitsübertretung gleichzeitig auch noch das Handy benutzt wurde.

 
 
Zahl ich doppelt, wenn ich mit dem Mobiltelefon in der Hand geblitzt wurde?

In der Regel wird man nur für das Vergehen sanktioniert, das laut Bußgeldkatalog mit der höheren Strafe belegt ist (die sogenannte Tateinheit). Werden Sie also innerorts mit 31 km/h zu viel und Handy am Ohr geblitzt, werden Sie nur für die Geschwindigkeitsübertretung bestraft (160 Euro, 2 Punkt). Allerdings kann u.U. die Strafe unter Berücksichtigung des Handyverstoßes erhöht werden (§ 3 Abs. 5 BKatV). Dann wird das Bußgeld um die Hälfte des Regelsatzes für den Handyverstoß (50 Euro) erhöht. Möglich sind dann auch 3 Punkte statt 2 Punkt in Flensburg.

 
 
Darf ich das schnurlose Autotelefon während der Fahrt nutzen?

Nein. Es ist ebenso ein Gerät der der Kategorie Kommunikation und nach § 23 StVO für die Benutzung während der Fahrt verboten.

 
 
Was ist mit einem Walkie-Talkie? Darf ich das während der Autofahrt benutzen?

Nein. Auch Walkie-Talkies sind für Autofahrer tabu. Die Benutzung wird genauso sanktioniert wie Handy am Steuer.

 
 
Darf die Polizei nach einem Unfall das Handy des Fahrers überprüfen?

Sie darf es sich zeigen lassen, aber nicht einsehen.

 
 

Handy am Steuer während der Probezeit

Fahranfänger, die gegen § 23 StVO Abs. 1 a, b verstoßen, zahlen wie alle anderen auch das reguläre Bußgeld von 100 Euro und erhalten einen Punkt in Flensburg. Der Handyverstoß ist ein A-Verstoß, ein schwerwiegender Verkehrsverstoß. Der Fahranfänger muss an einem Aufbauseminar teilnehmen und seine Probezeit verlängert sich um zwei Jahre.
Beim zweiten Handyverstoß droht ein Fahrverbot, beim dritten wird der Führerschein entzogen.

 
 
Warum kein Handy am Steuer? – erschreckende Unfallstatistiken
 
 

Bei einer großen Studie in den USA wurde das Verhalten von 3500 Autofahrern untersucht. In ihren Fahrzeugen waren Kameras, Sensoren und Radargeräte installiert um relevante Daten wie z.B. Blickrichtung, Körperbewegung, Geräusche und Geschwindigkeit zu erfassen.

Das Ergebnis: Ablenkung gehört neben Fahruntüchtigkeit und Fahrfehlern zu den drei größten Unfallursachen. Ein ganz großer Ablenker ist das Handy. Der Blick richtet sich weg von der Fahrbahn. Allein der Griff zum Handy steigert die Unfallgefahr um das Fünffache. Das Lesen und Schreiben von Nachrichten sogar um das Zehnfache, so die Studie.

Gerade jüngere Fahrer sind betroffen. Laut einer Umfrage der Zeitung BILD unter 18 bis 24 Jährigen gab jeder Vierte zu, während der Fahrt des Smartphone zu benutzen. Experten sind sich sicher, dass die Dunkelziffer noch viel höher ist.

 
 

100 Meter blind gefahren – extreme Ablenkung durch Handys

 
 

Die Ablenkung durch Handys im Straßenverkehr ist extrem gefährlich. Diese einfache Rechnung zeigt auf wie gefährlich:

Bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h legen Sie in einer Sekunde rund 14 Meter zurück. Das bedeutet, wenn Sie nur eine Sekunde auf Ihr Handy schauen, absolvieren Sie 14 Meter im Blindflug.

Beim Lesen oder Schreiben von Nachrichten richtet sich der Blick jedoch deutlich länger auf das Smartphone. Sind Sie zum Beispiel bei einer Geschwindigkeit von 120 km/h 3 Sekunden abgelenkt, haben Sie 100 Meter ohne Blick auf die Straße zurückgelegt.

Gerade die Kombination schnelles Fahren und Handynutzung kann verheerende Auswirkung haben. Die Wegstrecke ohne Sicht steigt um ein Mehrfaches und damit das Unfallrisiko. Und kommt es zum Unfall ist der Schaden ungleich höher als bei geringen Geschwindigkeiten.
Welche fatalen Folgen die Benutzung eines Smartphones während der Fahrt haben kann, zeigt eindrucksvoll ein Video der britischen Polizei, in dem ein Unfall nachgestellt wurde.

 
 

Achtung: Video mit abschreckender Wirkung!

Video: Telefonieren beim Autofahren und die Folgen
 
 
 
 

Handyverbot im Ausland – so teuer wird‘s

 
 

Auch im Ausland sollten Sie es tunlichst unterlassen am Steuer mit dem Handy zu hantieren. Die folgende Grafik zeigt, dass Sie in den meisten Ländern Europas im Vergleich zu Deutschland bei Verstoß gegen das Handyverbot viel tiefer in die Tasche greifen müssen.

 
 
Infografik: So teuer wird's mit dem Handy am Steuer | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista
 
 
Beliebte Ausreden, wenn man erwischt wurde
 
 

Eins vorweg: Lügen haben kurze Beine. In den seltensten Fällen kommen Handysünder mit Ihren Ausreden durch. Dennoch haben wir einige der beliebtesten Ausreden gelistet:

  • Ich habe das Handy als Ohrwärmer für mein entzündetes Ohr genutzt.
  • Das war kein Handy. Das war mein Akku-Rasierer.
  • Ich habe mein Handy als Kieferstütze für meinen defekten Kiefer benutzt.
  • Ich habe nicht telefoniert, sondern mein Handy als Diktiergerät genutzt.
  • Ich hatte kein Handy in der Hand, sondern habe nur meinen Kopf an der Fahrertür abgestützt.
 
 
Bußgeld wegen Handyverstoß - wann lohnt ein Einspruch?
 
 

Es gilt die Unschuldsvermutung. Ihnen muss also nachgewiesen werden, dass Sie ein Handy während der Fahrt oder im Stand bei laufendem Motor benutzt haben. Ein Einspruch ist immer dann sinnvoll, wenn die Beweislast etwa durch Blitzerfotos oder Zeugenaussagen nicht ausreicht.

Ein Beispiel: Wegen der Aussage eines Polizisten, der eine typische Handbewegung gesehen hat, erhielt die betroffene Person einen Bußgeldbescheid. Das OLG Thüringen entschied dagegen. Die typische Handbewegung „Hand zum Ohr“ reicht als Beweis für eine Handybenutzung nicht aus. Auch wenn sich bei näherer Kontrolle herausstellt, dass sich im Auto ein Handy befindet. Die Hand ans Ohr zu führen, könne vielfältigste Gründe haben.

Ist auf dem Blitzerfoto nicht klar zu erkennen, wer das Fahrzeug gefahren ist? War bei der Sichtkontrolle durch die Polizeibeamten nicht eindeutig zu erkennen, ob es sich überhaupt um ein Handy handelt? War der Motor abgestellt, als Sie das Handy benutzten? Nur wenn hier Zweifel bestehen bzw. die Fragen klar mit NEIN beantwortet werden können, ist ein Einspruch lohnenswert.

Wichtig: Um erfolgreich zu sein, benötigen Sie die Hilfe eines Verkehrsanwaltes. Schweigen Sie zunächst zu dem Vorwurf der unerlaubten Handynutzung. Machen Sie keine Aussagen vor Ort oder nehmen Sie keine Stellung im Anhörungsbogen. Der Einspruch gegen den Bußgeldbescheid muss dann binnen 2 Wochen erfolgen