Chancen und Risiken von selbstfahrenden Autos

Autonomes Fahren – die größte Mobilitätsrevolution seit Erfindung des Automobils?

 
 
Die 5 Level des autonomen Fahrens
 
 
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Was versteht man unter autonomem Fahren und was bedeutet das für den Straßenverkehr der Zukunft? Neben den offenkundigen Vorteilen wie weniger Unfällen und Staus sind viele Fragen noch unbeantwortet. Wer haftet bei Unfällen, wenn der Computer fährt? Wie wägt der Computer bei Gefahr zwischen zwei Übeln ab.

In diesem Artikel erhalten Sie die wichtigsten Informationen zum aktuellen Stand der Technik sowie Probleme, die durch selbstfahrende Autos entstehen können.

 
 
 
 
Bundestag beschließt bereits Gesetz
 
 

Autohersteller und IT-Unternehmen tüfteln bereits seit Jahren an selbstfahrenden Autos. Um den Herstellern Rechtssicherheit und Planungssicherheit zu geben, hat der bereits ein Gesetz für autonomes Fahren beschlossen. Das große Ziel dahinter ist: Deutschland soll Leitmarkt für automatisierte Fahrsysteme werden.

Das Gesetzt ist an vielen Stellen noch recht vage formuliert. Allerdings ist seine Gültigkeit zunächst auf zwei Jahre begrenzt. Das Gesetz regelt, dass die Technik nur in definierten Fällen zum Einsatz kommen darf. Und der Fahrer muss jederzeit nach Aufforderung durch das System in der Lage sein, die Steuerung des Wagens wieder zu übernehmen. Ebenso muss das automatisierte System durch den Fahrer jederzeit übersteuerbar sein. Der Fahrer darf sich also nicht völlig auf das selbstfahrende Fahrzeug verlassen. Er muss wahrnehmungsbereit sein.

Bei der Haftungsfrage sieht das Gesetz vor, dass der Fahrer – sofern ihm keine Pflichtverletzung nachgewiesen werden kann – weder zivilrechtlich noch strafrechtlich belangt werden kann. Die Haftpflicht des Fahrers regelt zunächst den Schaden. Die Versicherung wendet sich dann an den Autohersteller.

Das bedeutet allerdings eine Verdopplung der Höchstbeiträge bei verschuldensunabhängiger Haftung. Dadurch steigen die Versicherungsbeiträge für automatisierte Fahrzeuge.

Um Unfallfragen zu klären (wer ist gefahren: das Auto oder der Fahrer) ist der Einbau eines Datenschreibers (Blackbox) notwendig. Die Daten sollen für 6 Monate gespeichert werden. Datenzugriff haben ermittelnde Behörden sowie Unfallbeteiligte.

Experten kritisieren den mangelnden Datenschutz sowie generell die vagen Formulierungen. So entstehe keine Rechtssicherheit. Zudem müssten die Hersteller vielmehr in die Pflicht genommen werden als es das Gesetz bislang vorsieht.

 
 

Was versteht man unter autonomem Fahren?

 
 

Autonomes Fahren ist die Fortbewegung der Zukunft. Die Rede ist vom selbstfahrenden Auto. Man setzt sich hinein, gibt das Ziel ein und den Rest macht das Auto von allein.
Man unterscheidet 5 Level des automatisierten Fahrens.

 
 

Die 5 Level des autonomem Fahrens

 
 

Level 0

Der Fahrer macht alles allein. Es gibt keine Eingriffe seitens des Fahrzeugs. Drivers only gibt es aber schon lange nicht mehr: ABS oder ESP sind ja schon seit Jahrzehnten im Einsatz. Der Trabant war ein Level 0 Auto.

 
 

Level 1

Das Fahrzeug unterstützt den Fahrer mit bestimmten Assistenzsystemen wie z.B. Spurassistent oder Berganfahrhilfe

 
 

Level 2

Hier übernimmt das Fahrzeug schon selbständig einzelne Aufgaben wie zum Beispiel Einparken (Einparkassistent) oder selbständiges Fahren im Stau (Abbremsen, Beschleunigen, dem vorausfahrenden Fahrzeug folgen). Solche Technologien bieten mittlerweile die meisten Hersteller.

 
 

Level 3

In diesem Level spricht man bereits von hochautomatisiertem Fahren. Das Auto kann zum Beispiel eigenständig die Spur wechseln und seine Geschwindigkeit anpassen.

 
 

Level 4

Dieser Level bedeutet Vollautomatisierung. Das Auto steuert sich komplett selbst. Auf Wunsch kann der Pilot eingreifen bzw. wenn eine Situation für das System nicht zu bewältigen ist.

 
 

Level 5

Der Mensch ist nur noch Fahrgast. Der Wagen braucht lediglich eine Zieleingabe und die Freigabe zum Start.

 
 

Video: Autonomes Fahren: Die fünf Level

 
 

Wie genau funktioniert autonomes Fahren?

Spurassistent, Tempomat, Abstandswarner – eine Vielzahl von Techniken des autonomen Fahrens kommt heute schon bei vielen Automodellen zum Einsatz.

Damit das Auto vollautomatisch fahren kann, scannen Sensoren und Kameras am Auto permanent die Umgebung. Per GPS wird der Standort des Fahrzeugs ermittelt. Anhand dieser Daten fährt das Auto selbständig zum Ziel, passt seine Geschwindigkeit an, weicht aus, biegt ab, etc.

Die Technik ist noch lange nicht ausgereift. Absolut autonomes Fahren, so schätzen Experten, wird wohl erst in zehn Jahren möglich sein.

Noch sind zum Beispiel die Kameras bei bestimmten Lichtverhältnissen überfordert, die Ampelfarbe oder Verkehrszeichen werden nicht erkannt. Auch Schnee und Regen können problematisch werden, da die Flocken und Regentropfen von der Technik als Hindernis gedeutet werden und der Wagen abbremst.

Ebenso ist die Abstimmung der Einzelsysteme wie ABS oder ESP mit der autonomen Technik noch nicht zufriedenstellend gelöst. Die Systeme arbeiten zum Teil gegeneinander. Wie verhält sich das Auto zum Beispiel bei einem Ausweichmanöver bei Glatteis?

Eine Schlüsselfunktion kommt den Kartendiensten zu. Damit das autonome Fahren funktioniert, müssen die Kartendaten nämlich zentimetergenau programmiert sein. Nur so kann das Fahrzeug die richtige Entscheidung in Millisekunden treffen. Das derzeit im Aufbau befindliche europäische Galileo-System hat einen Meter Abweichung. Entwickler autonomer Autos brauchen jedoch eine Genauigkeit von 20 Zentimetern.

TomTom, Google und Nokia Here sind die derzeit relevanten Kartenanbieter. Nur Bruchteile des Straßennetzes sind in HD erfasst, deshalb wird die Welt gerade neu vermessen.
So eine HD-Karte besteht aus extrem vielen Daten: Geo-Koordinaten (Längen- und Breitengrade), Geländeform, Straßenverlauf, Fahrbahnmarkierungen. Hinzu kommen feste und wechselnde Verkehrszeichen, Freiflächen (etwa zum Ausweichen bei Notfällen) und Landmarkenschilder. Und dann müssen noch alle Verkehrssituationen wie Baustellen, Staus oder Wettereinflüsse erfasst werden.

Diese sich schnell verändernden Daten werden in einen Cloud-Server geladen und gelangen über Mobilfunk ins Auto, so wie es heute schon bei den Echtzeit-Verkehrsinformationen praktiziert wird.

Die Autos der Zukunft sollen vernetzt sein. Diese füttern die Server mit stets aktuellem Wissen, das an alle Fahrzeuge weitergegeben wird. Nur so ist vorausschauendes Fahren für die Roboterautos möglich, die aus allen Daten die optimale Handlungsoption ableiten.

 
 

Was ist der aktuelle Stand der Entwicklung?

 
 

Zahlreiche Autobauer und IT-Unternehmen stecken viel Geld in die Entwicklung und testen bereits seit Jahren selbstfahrende Autos. Bis 2030 soll ein Großteil des Straßenverkehrs von solchen autonomen Mobilen bestimmt werden.

 
 

VW

Im März 2017 beim Genfer Autosalon hat Volkswagen das Konzept für sein „self driving car“, kurz sedric vorgestellt. Ein Knopfdruck soll genügen, damit das selbstfahrende Auto zum Passagier kommt. Neben Car-Sharing ist sedric auch für den Individualbesitz vorgesehen.

Sedric ist für autonomes Fahren Level 5 konzipiert. Der Antrieb ist rein elektrisch. Herzstück ist das Self Driving System auf Basis künstlicher Intelligenz. Die Passagiere können den Wagen mittels Sprachbefehlen steuern.

Für die Umsetzung arbeitet VW mit dem Robotikspezialisten KUKA zusammen. Mehrere Milliarden Euro will der Konzern in die Entwicklung des autonomen Mobils investieren.
Für 2019 ist der VW Golf 8 mit Autopilot bis 130 km/h geplant.

 
 

Video: Robo-Car: VW Sedric im Motorwelt-Check

 
 
 
 

Mercedes

In Mercedes Serienfahrzeugen kommen bereits viele intelligente Assistenzsysteme wie der Spurhalte-Assistent oder der tote Winkel-Assistent zum Einsatz. Die Sensoren der Assistenzsysteme werden als Basis zur Entwicklung der Technik für selbstfahrende Autos genommen. Den Rest will Mercedes durch intelligente Programmierung lösen.

Mercedes bezeichnet sich selbst als Vorreiter, was autonomes Fahren betrifft. Bereits 1994 fährt ein Mercedes SL 500 mit entsprechender Sensorik und Elektronik rund 1.000 Kilometer autonom. Die Systeme Pilot Drive und Intelligent Drive zum autonomen Fahren in Längsrichtung (Gas, Bremse) und Querrichtung (Lenkung) sind bereits serienmäßig verbaut.

Mit drei Prototypen zeigt der Autobauer aktuell, was er unter Mobilität der Zukunft versteht.

Der F 015 Luxury in Motion, ein Forschungsfahrzeug bei dem Fahrzeuginterieur und Fahrzeugproportionen ausgelegt sind auf komfortables, ja luxuriöses Reisen. Das Auto wird definiert als mobiler Lebensraum. Dank Loungecharakter bietet das Auto ein völlig neues Platzangebot. Modernste Technik im Inneren bietet einen digitalen Lebensraum. So kann die neu gewonnene Zeit vielfältig genutzt werden.

Das Auto übernimmt die Kommunikation mit anderen Verkehrsteilnehmern. Für Fußgänger wird zum Beispiel ein virtueller Zebrastreifen auf die Straße projiziert, um die gefahrlose Überquerung zu ermöglichen.

Im Mercedes Benz Future Truck 2025 kommt der Highway Pilot zum Einsatz. Verschiedene Kameras und Radarsensoren erfassen die Verkehrssituation und geben die Daten an die Assistenzsysteme weiter. Diese regeln Geschwindigkeit und Lenkverhalten. Durch Kartendaten weiß der Truck auch selbständig, wohin er fahren muss. Durch die 3-D Karte werden auch Steigungen bzw. Gefälle erfasst und das Fahrverhalten entsprechend angepasst.

Der Highway Pilot übernimmt jedoch nicht selbständig Überholmanöver oder verlässt die Autobahn. Hier ist der Fahrer gefragt. Das System fordert den Fahrer ebenso zum Eingreifen auf, wenn die erfassten Daten zum autonomen Fahren nicht ausreichen.

Laut eigenen Aussagen von Mercedes ist das Highway Pilot System reif für autonomes Fahren auf öffentlichen Straßen.

Der Mercedes S 500 Intelligent Drive wurde neben der Bertha-Benz-Strecke von Mannheim nach Pforzheim auch ausgiebig auf den Straßen Kaliforniens getestet. Ausgestattet mit Stereokameras sowie Nah- und Fernbereichssensoren basierend auf den Sensoren der Assistenzsysteme, die in Serienfahrzeugen verbaut sind, fährt der S 500 autonom und selbstlernend.

 
 

Video: Mercedes-Benz Autonomes Fahren

 
 
 
 

Tesla

 
 

Tesla ist ein Pionier in Sachen Elektromobilität. Alle drei Tesla-Modelle (Modell S, Modell X, Modell 3) sind mit der Hardware für autonomes Fahren ausgestattet. Acht Kameras, zwölf Ultraschallsensoren und ein Radar sorgen für eine 360 ° Überwachung der Umgebung in bis zu 250 m Entfernung.

Ein Bordcomputer mit speziell von Tesla entwickelter Software verarbeitet die Daten und liefert ein Bild der Umwelt, das sich dem Fahrer über seine Sinne nicht erschließt.

Laut Angaben des Herstellers haben die Tesla Autos das volle Potenzial für autonomes Fahren. Der Fahrer muss nur noch das Ziel eingeben. Auf Knopfdruck kommt das Auto sogar vorgefahren. Am Ziel angekommen startet die Parkplatzsuche und der Wagen parkt von selbst ein. Auf der Strecke kann ein Tesla autonom die Geschwindigkeit anpassen, die Spur halten und wechseln, durch Autobahnkreuze navigieren und die Autobahn verlassen.

Die Möglichkeiten sind geschaffen. Wann die komplette Technik fürs autonome Fahren eingesetzt wird, hängt von der rechtlichen Zulassung ab.

 
 

Video: Autopilot Full Self-Driving Hardware

 
 
 
 

Apple

 
 

Im Juni 2017 hat Apple Chef Tim Cook bekanntgegeben, dass der iPhone-Konzern an der Entwicklung von Roboterwagen arbeitet. Hinter dem Projekt Titan steht jedoch nicht der Bau eines Apple iCar, wie lange vermutet wurde. Der Konzern arbeitet vielmehr an der Entwicklung von Software und Komplettsysteme für autonome Fahrzeuge.

Mit einem umgebauten Lexus SUV testet Apple auf den Straßen Kaliforniens seine Technik – wie derzeit viele andere Unternehmen auch.

Mehr Details über die verwendete Technik und den Fortschritt der Entwicklung sind bislang nicht bekannt.

 
 

Video: Apple's selbstfahrendes Testauto

 
 
 
 

Bosch

Aktuellen Meldungen zufolge will Bosch ab 2018 Roboter Taxis testen. Gemeinsam mit Kartenspezialist TomTom hat Bosch ein System entwickelt, mit dem Autos zentimetergenau ihre Position auf der Straße bestimmen können.

Es handelt sich um ein Radarverfahren. Dabei werden Karten mit einer „Lokalisierungsschicht“ aus Radarsignaturen von Objekten in der Umgebung versehen. Die Sensoren des Autos vergleichen aktuelle Daten damit und können so ihren Aufenthaltsort feststellen.

Der Vorteil des Radarverfahrens ist, dass es auch nachts und bei schlechter Sicht funktioniert.

Mit einer weiteren, sogenannten „Dynamikschicht“ werden die Karten mit Informationen zu Staus, Baustellen und Unfällen ergänzt. Die Daten sollen mit Hilfe von Millionen Fahrzeugen erzeugt und für alle in einer Cloud zur Verfügung gestellt werden.

Die Kartentechnik will Bosch ab 2018 mit einer Flotte von Robo Taxis in Deutschland testen. Aus Sicherheitsgründen werden sich an Bord der Taxis noch Fahrer befinden. Die Markteinführung plant Bosch für das Jahr 2022.

Um die Entwicklung voranzutreiben kooperiert Boch mit Daimler-Benz.

 
 

Video: Bosch Mobility Experience 2017: Deep Learning und Autonomes Fahren

 
 
 
 

Ford

 
 

Der amerikanische Autobauer will bereits 2021 autonome Fahrzeuge in Serie bauen. Laut einer Studie des Navigant Research Instituts ist Ford führend in der Entwicklung des selbstfahrenden Autos.

In der Studie wurden 18 Automobil- und Technologieunternehmen überprüft, inwieweit der Stand der Technik ist und auch welche Vermarktungsstrategie angewendet wird, welche Kooperationen bestehen und wie es um das Durchhaltevermögen bestellt ist.

Für die Entwicklung autonomer Auto ist Ford zahlreiche wichtige Kooperationen eingegangen. Für eine Milliarde Dollar wurde das Startup Argo AL gekauft, das eine autonome Fahrtechnologie entwickelt – Ein Team von Spezialisten, die ehemals bei Google und Uber arbeiteten. Ebenso hält Ford eine Beteiligung an Saips aus Israel. Dieses Unternehmen hat sich auf die Entwicklung selbstlernender Maschinen spezialisiert.

Ford testet mit einer Flotte von 100 Ford Fusion Hybrid in den USA.

 
 

Video: Ford’s Next-Generation Autonomous Development Vehicle

 
 
 
 

Video: Ford's selbstfahrendes Auto im Test bei Schnee

 
 
 
 

GM

 
 

Ebenso wie Ford hat auch General Motors (GM) Milliarden in das Auto der Zukunft investiert. Dabei kooperiert GM mit Firmen wie dem US-Fahrdienst Lyft, der wiederum mit Google Tochter Waymo zusammenarbeitet. Dadurch hat GM Zugriff auf Google Know How in Sachen Roboterauto.

GM hat das zudem das Start-Up Cruise Automation gekauft, das Software fürs autonome Fahren entwickelt.

Rund 180 Fahrzeuge des Models Chevrolet Bolt hat GM aktuell zum Testen auf der Straße. Die Testflotte soll ab 2018 auf tausende weiterer selbstfahrender Elektroautos aufgestockt werden. Wie stark automatisiert die Autos sind, ist nicht bekannt.

 
 

Video: Autonomes Fahren & Skype for Business

 
 
 
 

Google (Waymo)

 
 

Google hat 2017 seinen Rückzug aus der Entwicklung des autonomen Google Cars bekanntgegeben. Doch das bedeutet nicht die vollkommene Absage an das autonome Fahren – im Gegenteil.

Für die bekannten Ei-förmigen Fahrzeuge gibt es keinen Nachfolger. Dafür arbeitet Google weiter an der Entwicklung der Software für selbstfahrende Autos. Man hat erkannt, dass das kleine Mobil wohl kein Erfolg werden kann, weil es nicht alltagstauglich ist.
Derzeit arbeitet Google mit Fiat zusammen, um seine Technik mit Hilfe der italienischen Autos zu testen.

Mit dem Suchmaschinen-Konzern ist beim Thema autonomes Fahren stark zu rechnen, nicht zuletzt weil er in den letzten Jahren fast alles aufgekauft hat, was in den Themen Robotik und künstliche Intelligenz weltweit führend ist.

Die Google Schwester Firma Waymo lässt derzeit Verbraucher ihre selbstfahrenden Autos testen. Einwohner von Phoenix/Arizona können sich für ein Testprogramm bewerben. Als Fahrzeuge sind etwa 500 umgebaute Chrysler Minivan, Modell Pacifica im Einsatz.

 
 

Fraunhofer Institut erforscht Mensch-Auto-Kommunikation

 
 

Das Fraunhofer Institut beschäftigt sich mit dem Thema Mensch-Auto-Kommunikation: Wie reagiert zum Beispiel ein selbstfahrendes Auto am Fußgängerüberweg, wenn der Fußgänger signalisiert, dass das Auto weiterfahren soll? Ebenso kommen Situationen vor, wo der Verkehr nur noch durch Signale der Fahrenden weiterrollt.

Für den autonomen Autoverkehr müssen Menschen und Fahrzeuge miteinander kommunizieren können – Signale austauschen und verstehen.

Um zu erforschen, wie Menschen auf die Ansprache eine Autos reagieren, entwickelt das Fraunhofer Institut auf Basis eines Renault Twizys ein Demonstrator- und Erprobungsfahrzeug. Es wird erforscht, welche Signale verstanden werden und welche Vorbehalte Menschen haben? Aber auch umgekehrt: Wie das Fahrzeug auf die Menschen reagieren sollte.

 
 

Video: Soziale Interaktion automatisierter Fahrzeuge

 
 
 
 
Noch viele offene Fragen
 
 

Bevor selbstfahrende Autos für den Verbrauchermarkt in Serie hergestellt werden können, noch viele Fragen geklärt werden.

 
 

Verhalten bei Personengefährdung?

Ein großes technisches Problem ist aktuell die Erkennung von Fußgängern und die Berechnung deren Verhaltens. Eine Lösung wäre die Ausstattung von Fußgängern und Radfahrern mit Transpondern um Distanzen und Bewegungsprofile zu erkennen. Allerdings ist wohl nicht damit zu rechnen, dass dies rechtlich durchsetzbar ist.

Und wie soll sich das Auto bei Kollisionsgefahr verhalten? Fußgänger oder Gegenverkehr? Wird so etwas in Abhängigkeit von der Anzahl der gefährdeten Menschenleben entschieden? Bei dieser Ethik-Frage muss die Politik entscheiden.

 
 

Wie ist die Kundenakzeptanz?

Aktuelle Umfragen zeigen, dass vielen Menschen Roboterautos unheimlich sind. Sie haben Angst, voll und ganz der Technik ausgesetzt zu sein. Deshalb müssen die Vorteile der selbstfahrenden Autos herausgestellt werden.

9 von 10 Unfällen entstehen durch menschliches Versagen. Durch selbstfahrende Wagen wird das Unfallrisiko drastisch gesenkt. Durch die zunehmende Verkehrsdichte wird es noch mehr Staus geben. Jedoch nicht mit Roboterautos. Im Gegenteil: Lieferverkehr und Parksuchverkehr zum Beispiel könnten durch selbstfahrende Autos je nach Stadt um bis zu 70 Prozent reduziert werden, prognostizieren Verkehrsexperten.

Was den Fahrspaß betrifft, den sicher viele Kunden anzweifeln, so kann das autonome Fahren je nach Motorisierung durchaus einen besonderen Nervenkitzel bedeuten.

 
 

Wer haftet?

Eine der wichtigsten Fragen, ist die natürlich die Schuldfrage bei Unfällen und in diesem Zusammenhang die Frage der Haftung. Wer kommt für den Schaden auf? Der Fahrer bzw. Halter oder der Hersteller?

Wenn die Technik versagt, sieht die Politik den Hersteller in der Pflicht. Aber was ist zum Beispiel, wenn ein Mensch ums Leben kommt, obwohl das Fahrzeug „richtig“ gehandelt hat? Kann bei Roboterautos überhaupt die Frage nach richtig oder falsch gestellt werden?

Ist der Einbau von Kontrollmechanismen erforderlich und muss der Mensch jederzeit eingreifen können, um Schlimmeres zu vermeiden? Widerspricht das nicht dem Sinn und Zweck von selbstfahrenden Autos?

 
 

Wie entwickelt sich der Verkehr?

Er wird effizienter. Langfristig werden weniger Fahrzeuge gebraucht. Es können wieder mehr urbane, verkehrsfreie Räume entstehen. Das muss aber nicht dazu führen, dass Menschen vom Land zurück in die Stadt ziehen. Denn eine lange Fahrzeit macht jetzt nichts mehr aus. Die Zeit im Roboter-Auto kann ja sinnvoll genutzt werden.

Wenn die Autos der Zukunft selbständig fahren, werden Verkehrsregeln wie Tempolimit oder Überholverbot dann nicht überflüssig? Das selbstfahrende Auto berechnet ja ständig den situativ besten Fahrmodus. Hat das Auto der Zukunft noch Bedienelemente und muss der Mensch dann überhaupt noch einen Führerschein machen? Aktuell durch die Abänderung der Wiener Verkehrskonvention autonomes Fahren bereits erlaubt, jedoch nur, wenn der Fahrer jederzeit manuell eingreifen kann.

Und was wird überhaupt mit den ganzen Verkehrszeichen? Wie kommunizieren die Autos der Zukunft, welche Signale brauchen Sie? Aktuell gibt es in Deutschland eine Teststrecke auf der A9 rund um das Autobahndreieck Holledau. Dort sind sogenannte Landmarkenschilder aufgestellt. Auf den Schildern für autonomes Fahren mit geometrischen Figuren auf schwarzem Kreis sind Reflektoren für Laser und Radarsensoren angebracht. Dadurch können automatisierte Fahrzeuge ihren Standort eigenständig bestimmen und mit den Daten abgleichen, die sie von einem GPS erhalten.

 
 

Was ist mit der Datensicherheit?

Um Autos miteinander zu vernetzen und Daten in Echtzeit auszutauschen, ist ein flächendeckendes und schnelles mobiles Datennetz (5G) notwendig.

Dabei stellt sich natürlich auch die Frage der Datensicherheit. Ein IT-Grundsatz besagt: Alles was verbunden ist, wird von Hackern angegriffen. Die Sicherheit der Software-Architektur ist für autonomes Fahren deshalb von fundamentaler Bedeutung. Ist es überhaupt möglich ein angriffssicheres System zu entwickeln?

Die Schäden, die durch fremdgesteuerte Autos entstehen können, sind enorm. Man denke nur an die Attentäter, die mit Autos in Menschenmengen gefahren sind.

Angriffe von außen sind ein großes Problem. Unabhängig davon können Systemfehler wie Serverzusammenbruch ebenfalls ein Verkehrschaos auslösen. Was für Sicherheitsmechanismen gibt es in solchen Fällen?

Bleibt zum Schluss noch das Thema Datenspeicherung. Gibt es einen Fahrtenschreiber (Blackbox), um Fehlfunktionen zu protokollieren und Unfälle aufzuklären? Welche Daten werden gespeichert und wie lange? Hier wird in der Diskussion sicherlich wieder das Bild des gläsernen Menschen heraufbeschworen, über den bekannt ist, wann und wohin er gefahren ist.

 
 

Fazit

 
 

Viele Automobilhersteller und IT-Unternehmen arbeiten (gemeinsam) an der Entwicklung des selbstfahrenden Autos. Bei vielen Marken sind bereits halbautomatisierte Assistenzsysteme im Einsatz. Was fehlt ist eine Software mit künstlicher Intelligenz. Nur so ist das Auto tatsächlich in der Lage völlig autonom zu fahren.

Die Richtung der Entwicklung ist klar: benötigt werden Sensoren, Karten sowie eine Software, die alle Daten verarbeitet. HD Karten mit dynamischen Charakter sowie KI-Computer werden gerade entwickelt. Die Sensorik gibt es bereits und ist zum Teil schon serienmäßig verbaut. Es dauert in der Tat wohl nur noch wenige Jahre bis das erste vollautomatisierte Auto in Serie produziert werden kann. Bis dahin werden zunächst Schritt für Schritt weitere Fahrhilfen eingeführt.

Ob und wann das erste vollautomatisierte für den öffentlichen Verkehr zugelassen wird, hängt jedoch noch von vielen weiteren Faktoren ab. Rechtliche und ethische Fragen müssen geklärt werden. Hier muss die Politik erst die Rahmenbedingungen für den Verkehr der Zukunft schaffen.