Automobil & Zukunft

Autos der Zukunft: Nicht nur schöne neue Welt

 
 
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automobile Zukunft

So stellen sich viele die automobile Zukunft vor, ziemlich entspannt. Die Wahrheit hat jedoch noch viele Fragen offen.

 
 

Du glaubst, die Auto-Zukunft wird vor allem cool? Dann solltest Du die Probleme bedenken, die von autonomem Fahren und Co. ausgehen

 
 

Von den meisten Vordenkern wird die Automobilität der Zukunft ausschließlich in den leuchtendsten Farben gezeichnet. So etwa bei dem jüngst vorgestellten Sedric von VW. Einem Auto, das völlig autonom fährt und dabei nicht mal mehr den Fahrer an Bord haben muss. Die Argumente wiegen gewichtig, schon als Pendler bekommt man Lebenszeit zurückgeschenkt, weil man beim Fahren was anderes machen kann. Doch die Nachteile wiegen auch: Wie wird es bei solchen Automobilen mit dem Führerschein aussehen? Wie mit dem Versicherungsschutz? Und wer zahlt eigentlich, wenn der Kollege Autopilot ein solches Vehikel zu schnell in einen Blitzer steuert? Über diese und ähnliche Fragen – und auch Lösungen - haben wir uns für den folgenden Artikel Gedanken gemacht.

 
 
1. Der Führerschein
 
 

Die Probleme der schönen, neuen Autowelt beginnen mit dem Grundlegendsten, was einen Fußgänger zum Autofahrer macht, dem Führerschein. Immerhin muss man heute noch weit über tausend Euro zur Erlangung eines normalen B-Lappens investieren – als Gegenwert bekommt man die Fähigkeit, ein so komplexes Gebilde sicher durch jede Art von Verkehr zu steuern. 

 
 
Autos der Zukunft

Kaffeekränzchen bei 130: Ob in solchen Fahrzeugen überhaupt noch ein Führerschein vonnöten ist, darüber streiten sich derzeit die Gelehrten.

 
 

Doch was ist, wenn der Fahrer nur noch ein Fahrgastdasein fristet und darauf wartet, dass er ankommt? Braucht man dann überhaupt noch einen Führerschein? Die Antworten sind überraschend eindeutig, je nachdem, welchen Experten man befragt:

  • Der Chef von Ford Europa glaubt, dass der Führerschein sogar wichtiger wird, weil man in autonomen Autos viel weniger Fahrtroutine bekomme.
  • Der Opel-Boss denkt ebenfalls, dass der Lappen wichtig bleibt – schon weil unvorhergesehene Verkehrsereignisse den Fahrer zwingen könnten, einzugreifen.
  • Ein Zukunftsforscher von Daimler findet indes, dass es künftig sogar noch wichtiger werde, in Fahrschulen das Einschätzen von Situationen zu trainieren – damit man selbst, wenn nötig, ins Lenkrad greifen kann.
 
 

Nach Ansicht der Profis bleibt damit der Führerschein Plicht. Allerdings muss man den Fachleuten dann leider auch attestieren, aneinander vorbeizureden. Denn, um den VW-Sedric erneut zu bemühen, bei diesem Auto schwärmen die Ingenieure davon, dass beispielsweise ein Kind per App Papas Auto rufen könnte, um sich von der Schule abholen zu lassen.

Fazit: Obwohl die Hersteller das autonome Fahren als wirklich autonom anpreisen, wird ein Führerschein wohl auch in Zukunft Pflicht sein, um sich hinters Steuer zu setzen – ganz gleich ob man dann selbst lenkt oder durch die Gegend guckt.

 
 

2. Der Antrieb

 
 
Das E-Auto

Über zehn Jahre brauchten Handyhersteller, um sich auf einen Einheits-Stecker zu einigen. Nicht anders wird es auch beim E-Auto sein.

 
 

Das Auto der Zukunft ist natürlich elektrisch. Und geht es nach dem Willen einiger hochrangiger Politiker, wird zumindest Deutschland ab 2030 sowieso die Produktion von allen anderen Antrieben einstellen und auch keine Neuzulassungen mehr erlauben. Mutige Vorschläge, die sicherlich die Energiewende voranbringen werden. Aber sie ignorieren auch einige Realitäten, die dann in den verbliebenen Jahren restlos beseitigt werden müssen:

  • Die Bundesregierung muss eine tragfähige Alternative zum bisherigen Einkommen durch die Mineralölsteuer (heute Energiesteuer) finden. 2015 waren das fast 40 Milliarden Euro.
  • Das bislang komplett unzureichende Stromtankstellennetz muss rigoros ausgeweitet werden. Gerade einmal 6517 öffentlich zugängliche Ladepunkte gibt es, dem gegenüber stehen aber fast 15000 reguläre Tankstellen.
  • Das chaotische Wirrwarr an Ladesteckern und –dosen muss normiert werden. Heute gibt es mindestens fünf verschiedene Steckertypen.
  • Im Bereich der Grundlagenforschung muss noch Beachtliches geleistet werden, bis die E-Auto-Reichweite auf der Straße unter allen Bedingungen (und nicht nur im Labor) genauso hoch ist, wie bei Verbrennungsmotor-betriebenen Fahrzeugen, gleiches gilt auch für die Ladezeiten, wo man bislang langsam und schonend oder schnell und batterieabnutzend laden kann.
  • Es müssen realistische Konzepte erdacht und erprobt werden, die mit dem Problem des Recyclings von Autobatterien aufräumen. Ein bislang guter Ansatz ist es, diese als große Stromspeicher für auf regenerativem Weg erzeugten Strom zu nutzen.


Das große Problem an der Sache ist, dass die E-Auto-Hersteller sich bislang darin üben, ihren Stromern immer neue und energiehungrige Gimmicks zu spendieren – das frisst praktisch jede Entwicklung auf dem Batteriesektor wieder auf. Reichweiten von 600 Kilometern selbst bei frostigen Temperaturen sind das absolute Mindestmaß – und nicht möglichst viele Spielereien und Bildschirme im Innenraum.

Die Lösung wäre indes einfach: Hybridmotoren. Deren größter Unterschied zum reinen Elektroauto ist, dass sie notfalls die Autobatterie durch einen kleinen Motor aufladen könnten. Allerdings würde man sich diese, seit Jahren in der Praxis bewährte Lösung, durch ein Verbot von Verbrennungsmotoren vollständig selbst verbauen.

Fazit: Damit das Auto der Zukunft wirklich so lautlos durch die Gegend gleitet, muss nicht nur noch viel Forschungsarbeit geleistet werden, sondern auch die Infrastruktur erst einmal vervollständigt werden. Und ob das bis 2030 möglich ist, bleibt fragwürdig.

 
 

3. Die Haftung

 
 

Wer aufmerksam die Berichterstattungen zum Thema autonomes Fahren verfolgt, der hat auch mitbekommen, dass die Welt in zwei Lager aufgespalten ist:

  • Das Lager der Hersteller, die von zusätzlicher Sicherheit und weniger Verkehrsverletzten schwärmen
 
 
Unfallhaftung bei autonomen Autos

Ein Sensor verschmutzt und schon steht ein Leben auf dem Spiel – auch die Unfallhaftung autonomer Autos muss noch geregelt werden.

 
 

Fakt ist derzeit und wird es wohl auch in Zukunft noch sein, dass kein System absolut sicher ist. Ganz besonders gilt das für computer- und sensorgesteuerte Systeme. Jeder, dem schon einmal das navigierende Smartphone „eingefroren“ ist, kann das bestätigen. Doch was beim Handy bestenfalls für einen fluchenden Fahrer und einen kurzen Stopp sorgt, kann bei einem autonomen Auto Menschenleben kosten.

Was, wenn der Sensor, der das Auto auf Spur halten soll, durch einen Spritzer Straßenschmutz nicht richtig sehen kann? Was wenn das GPS-System für kurze Zeit den Kontakt zum Satelliten verliert? Man muss nicht einmal abstürzende Computer oder Hacker-Angriffe bemühen, um zu sehen, dass das autonome Fahren sehr viel mehr Probleme bereitet, als die Frage danach, wie man die gewonnene Zeit sinnvoll nutzen kann.

Und wenn es dann zum unvermeidlichen Blech- oder schlimmstenfalls Menschenschaden kommt, stellt sich die große Frage danach, wer für den Schaden haftbar gemacht werden kann. Denn nach der derzeit gültigen Rechtslage ist der Fahrer auch dann verantwortlich, wenn er trotz Spurhalteassistent einen Unfall baut. Und selbst echte Experten sehen die Sachlage sehr kritisch. Die Folge muss also sein, dass neue Gesetze erlassen werden, welche die Haftung regeln.

Bloß gibt es hier eine Vielzahl von möglichen Optionen:

  1. Der Fahrer haftet nach wie vor, was ziemlich unfair wäre und den Anreiz für autonomes Fahren sicher nicht erhöhen würde.
  2. Beide Unfallgegner haften – das würde die Versicherungen auf die Palme bringen.
  3. Die Versicherung des Unfallverursachers und der Autohersteller haften jeweils zu 50% - das wäre die sinnvollste Lösung, denn sie zwänge die Hersteller auch, immer weiter in die Entwicklung zu investieren.
  4. Eine Art globale Unfallversicherung, die von Besitzern, Herstellern und Regierungen getragen wird – ebenfalls eine sehr sinnvolle Lösung, die aber daran scheitern wird, dass solche globalen Allianzen zwischen so vielen Akteuren kaum zu bewerkstelligen sind.


Fazit: Die Haftung ist das vielleicht größte Problem des Automobils der Zukunft. Technische Schwierigkeiten lassen sich meistern, wenn man nur genügend forscht. Viele Regierungen, dazu Versicherungen und Hersteller unter einen Hut zu bringen, ist indes eine Aufgabe, für die es bislang keine Lösung gibt.

 
 

4. Die Rechtsfrage

 
 

Gut gelaunt durch den Großstadtverkehr – so zeigen die Hersteller das autonome Fahren. In der Praxis wird es jedoch noch zu diversen anderen Tatsachen kommen. Man muss kein Gelehrter sein, um vorauszuahnen, dass:

  • Feierwütige das autonome Fahren nutzen werden, um sich in gar nicht fahrtüchtigem Zustand ohne teures Taxi nachhause kutschieren zu lassen – wem sollte es denn auffallen? Das autonome Auto fährt ja keine Schlangenlinien.
  • Nicht jeder Blitzer täglich in der internen Kartei des Autos landen wird – darf man dann dem Fahrer Punkte geben, wenn der autonome Wagen mit 120 statt den erlaubten 80 durch eine gerade errichtete Kurzzeitbaustelle rast?
  • Ein autonomes Fahrzeug auch schnell eine Ampel übersehen kann – in der Praxis passiert das heute schon täglich, weil etwa Busse oder LKW das Licht verdecken. 
  • Es eine heillose Konfusion geben wird, wenn vier selbstlenkende Autos an einer Kreuzung mit Rechtsfahrgebot zum Stehen kommen und die Computerhirne sich nicht einigen können, welches Auto als erster fahren darf. 
  • Es auch lange noch Autos geben wird, die von menschlichen Fahren gelenkt werden – und die verhalten sich in der Praxis weit weniger vorhersagbar als ein völlig computerisierter Verkehr.
 
 
Auto im Wasser

Plötzlich Menschen auf der Fahrbahn - unausweichbar: Darf ein Computer deren Leben gegen das der Fahrzeuginsassen abwägen?

 
 

Und dann bleibt natürlich auch noch die finale Frage aller Fragen, mit der sich auch namhafte Forscher derzeit befassen: Das autonome Fahrzeug biegt bei hoher Geschwindigkeit um eine Kurve auf eine Landstraßen-Brücke ein. Direkt hinter der Kurve stehen Menschen auf der Fahrbahn. Der Anhalteweg wäre viel zu lang. Welchem Menschenleben soll der Bordcomputer dann den Vorzug geben, dem seines Fahrers oder der Gruppe Menschen, die nur dadurch gerettet werden kann, dass das Auto selbstständig durch das Brückengeländer bricht?

Kann, darf, sollte ein Computergehirn im Zweifelsfall Menschenleben gegeneinander abwägen und entsprechend handeln? Technisch machbar wäre es, es ist schließlich eine ur-computerisierte Ja-Nein-Frage. Vielmehr muss die Ethik dahinter sehr viel genauer betrachtet und einer Prüfung unterzogen werden. Selbst die Asimov’schen Robotergesetze stoßen hier an ihre Grenzen.

Fazit: Die Rechtsfrage des autonomen Fahrens ist sehr viel schwerwiegender als jedes technische Problem. Denn hier werden mitunter direkte Entscheidungen über Menschenleben gefällt. Und auch das bedarf eines großmaßstäblichen Diskurses, in dem die Politik zwingend Teilnehmer sein muss.

 
 

Gesamtfazit

 
 

Das Auto der Zukunft wird sich so tiefgreifend verändern, wie noch nie zuvor in seiner über hundertjährigen Geschichte. Doch diese Änderungen werden eben nicht nur positiver Natur sein, werden nicht nur Vorteile haben. Das Auto von morgen bedeutet gerade wegen seiner massiven Änderungen auch ein sehr viel großmaßstäblicheres Denken, als es jede noch so ausgefeilte Ingenieurs- oder Gesetzesgeberleistung vermag. Das Auto von morgen wird mehr sein als ein weiteres computerisiertes Gadget – und das darf man bei allen Vorteilen, die einem Hersteller und Überzeugte aufzeichnen, nicht vergessen.