Automobil & Zukunft

Die Zukunft bewegt sich - aber wie?

 
 
 
 
Mobilität in der Zukunft
 
 

Mobilität ist eines der zentralen Themen unserer Zeit. Das hat verschiedene Gründe, von Umweltschutzfragen bis zur allgegenwärtigen Vernetzung kommen viele Faktoren zusammen. Innerhalb der Thematik bleibt dem Auto als wichtigstem Mittel der Fortbewegung weiterhin eine zentrale Rolle erhalten. Doch sowohl an die Fahrzeuge als auch an die Formen der zukünftigen Mobilität werden vermehrt neue Ansprüche gestellt – die Zukunft bewegt sich eben tatsächlich. Und zwar in ganz unterschiedliche Richtungen.

 
 

Mobilität im Wandel

 
 

Dass sich (Auto-)Mobilität verändert, ist klar ersichtlich: Nicht nur hinsichtlich neuer Fahrzeugtypen mit neuen Antriebstechnologien, sondern auch im Hinblick auf die Art und Weise, wie die Menschen schon jetzt mobil sind – sei es im Zuge geteilter Mobilität beim Car Sharing oder ganz ohne persönliches Eingreifen mit autonomen Fahrzeugen. Allein dieser winzige Ausschnitt zeigt, wie weitreichend das Thema ist und in Zukunft auch bleiben wird. Trotz der vielen Einflussfaktoren lassen sich dennoch einige grundlegende Trendlinien ausmachen, die für die weitere Entwicklung ausschlaggebend sein werden:

  • Demografie und Biografie
    Die Bevölkerung wird im Durchschnitt immer älter, das ist keine neue Erkenntnis. In der Folge wird sich diese Tatsache aber nicht nur auf den Arbeitsmarkt auswirken, sondern eben auch neue Bedürfnisse im Bereich der Mobilität mit sich bringen. Denn die Senioren der Zukunft werden nicht nur mobiler sein als noch vor einigen Jahrzehnten, sie werden es immer länger sein. Folgerichtig werden ihre Fortbewegungstendenzen die gesamte Mobilität beeinflussen.
    Daneben werden auch biografische Veränderungen ihren Anteil haben. Längere schulische und berufliche Ausbildungen sorgen für zeitliche Verschiebungen im Lebenslauf, weshalb sich auch große Anschaffungen auf spätere Zeitpunkte verlagern – sprich, ein eigenes Auto wird möglicherweise sehr viel später gekauft
  • Urbanisierung
    Die Stadt ist der Lebensraum der Zukunft, was im Umkehrschluss bedeutet, dass urbane Mobilität immer wichtiger wird. So vorteilhaft das Auto für den Individualverkehr sein mag, in städtischen Ballungszentren erweist es sich als schwerwiegender Nachteil. Das Bedürfnis nach individueller, unabhängiger Fortbewegung kollidiert hier im wahrsten Sinne recht schnell – nämlich mit all den anderen Verkehrsteilnehmern, die dieses Bedürfnis teilen.
    Apropos: Es ist deswegen kaum ein Zufall, dass das Teilen deshalb vor allem in Großstädten zur Tugend gemacht wurde. Car Sharing ist eine Möglichkeit, dem drohenden Verkehrskollaps entgegenzuwirken.
 
 
Verkehrsaufkommen in Städten

Urbane Normalität: Das steigende Verkehrsaufkommen in Städten ist eines der zentralen Themen der zukünftigen Mobilität.

 
 
  • Kostenfragen
    Der niedrige Stand der Kraftstoffpreise sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Unterhalt – ganz zu schweigen von der Anschaffung – eines Autos kein geringer Kostenfaktor ist. Während die Reparaturkosten durch empfindliche Elektronikteile recht schnell in die Höhe schießen, bewegt sich der Wert eines Neuwagens ebenso schnell in die andere Richtung. Solche Entwicklungen führen dazu, dass ein Autokauf und die Alternativen dazu nur noch gründlicher überdacht werden.
  • Lebensstile
    Wie die Einstellung zum Autokauf, verändert sich außerdem die Einstellung zum Auto im Allgemeinen. Sicher spielt Mobilität eine zentrale Rolle im Leben der Menschen – und zwar jeder Altersklasse –, aber wie bei fast allen Dingen gilt auch hier die Maxime der Individualisierbarkeit. Das heißt, dass die Menschen aus einer Vielzahl von Optionen, von denen das Auto etwa in der Stadt nur eine unter vielen ist, die für sie beste und praktikabelste auswählen.


Es ist gerade dieser letzte Punkt, der in Zukunft neben ökologisch-ökonomischen Faktoren zu einer Herausforderung für die Automobilbranche avancieren kann. Immerhin lassen sich, trotz der gesellschaftlichen Tragweite des Individualisierungsphänomens, einige Gruppen ausmachen, an denen sich die Hersteller bei der Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen orientieren können.

 
 
Die Mobilitätstypen der Zukunft
 
 

Auf die Menschen bezogen bedeutet Mobilität nicht allein die Fortbewegung von einem Punkt zu einem anderen. Es betrifft auch die Lebensentwürfe insgesamt. Alles ist grundsätzlich verhandel- und veränderbar, starre Lebensverläufe gehören zunehmend der Vergangenheit an. Das klingt im ersten Moment vielleicht so, als hätte es nur wenig mit dem Automobilbereich zu tun, tatsächlich wirken sich diese Trends jedoch auch hierauf aus. Wie sich das auf verschiedene Mobilitätstypen herunterbrechen lässt, fast die Studie „Zukunft der Mobilität 2020. Die Automobilindustrie im Umbruch?“ zusammen. Die Autoren zählen dabei insgesamt sieben verschiedene Typen auf:

 
 

1. Greenovator

 
 

Für die sogenannten LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability) liegt die Lebensprämisse ganz auf dem Nachhaltigkeitsaspekt. Lebensqualität und Umweltschutz stehen für diese Gruppe in einem untrennbaren Zusammenhang miteinander. Unter diesen Gesichtspunkten wird auch die Thematik Mobilität beurteilt – die ergriffenen Lösungen können daher zwischen Verzicht und innovativen, ganzheitlich ökologischen Mobilitätskonzepten liegen.

 
 
Elektromobilität

Elektromobilität ist sicher ein Konzept für LOHAS – vor allem für Haushalte, die Energie-Eigenversorger aus erneuerbaren Energiequellen sind.

 
 

2. Family Cruiser

 
 

Für Familien wird die Fähigkeit zur Mobilität immer wichtiger, weil die familiären Strukturen (Patchwork-Familien, familiäre Netzwerke etc.) dies erfordern. Sie dient der Pflege von Kontakten und ist durch die individuelle Lebensführung der Familienmitglieder (das betrifft inzwischen auch vermehrt schon die Kinder) unabdingbar. Das führt häufig zu pragmatischen Modellen des Car Sharings innerhalb der Familie. Bei der Fahrzeugwahl ist vor allem die (situative) Zweckdienlichkeit der Maßstab.

 
 

3. Silver Driver

 
 

Die Altersgruppe zwischen 50 und 70 stellt ebenfalls neue Anforderungen an die Mobilität als vergleichbar alte Menschen vor ein paar Jahrzehnten. Freizeitgestaltung und wenigstens noch zeitweise berufliche Tätigkeit prägen das Lebensbild, entsprechend müssen die Automobile gleichzeitig den Wunsch nach gesellschaftlicher Teilhabe, Genuss und Sicherheit erfüllen können. Die Ausgabenbereitschaft von Seiten der Silver Driver ist jedenfalls vorhanden.

 
 

4. High-frequency Commuter

 
 

Das sind die Menschen, zu deren Alltag tägliches Pendeln für den Job gehört. Der PKW bleibt für sie Fortbewegungsmittel Nummer eins, allerdings wird durch die hohe Mobilitätsrate die Kosten-Nutzen-Rechnung immer wichtiger. Gleichzeitig wird das Auto durch Informations- und Telekommunikationstechnologie zunehmend zu einer Erweiterung des Arbeitsplatzes – in diesem Fall zählt auch die Effizienz, um die Zeit unterwegs noch sinnvoll und produktiv nutzen zu können.

 
 

5. Global Jet Setter

 
 

Hierunter fällt die Business-Elite, die an verschiedenen Orten gleichzeitig arbeitet und deswegen ständig unterwegs ist. Der hohe Mobilitätsaufwand, auch eine Folge der Globalisierung, wird durch den Wunsch nach Exklusivität kompensiert. Das gilt sowohl für den Komfort als auch für die verfügbaren Dienstleistungen.

 
 

6. Sensation Seeker

 
 

Im Gegensatz zu den meisten anderen genannten Gruppen verbergen sich hier hinter diejenigen, die das Automobil nicht nur aus pragmatischen Gründen nutzen – sondern weil sie Freude daran haben. Das meint sowohl das Auto selbst als auch das Fahren. Entsprechend groß ist der Stellenwert des Fahrzeugs hinsichtlich der Lebensqualität, die Verbindung ist deutlich emotionaler.

 
 
Autofahrer im Caprio

Es muss nicht immer nur praktisch sein: Für viele Autofahrer zählt neben dem reinen Nutzen vor allem der Spaß am Fahren.

 
 

Allerdings muss auch bei dieser Gruppe von einer veränderten Einstellung ausgegangen werden: Das heißt, der Wunsch nach Spaß und Dynamik bleibt bestehen, ist aber nicht mehr zwangsläufig an hohe PS-Zahlen und Geschwindigkeiten gebunden. Das entscheidende Kriterium wird stattdessen das Fahrgefühl im Allgemeinen.

 
 

7. Low End User

 
 

Mobilitätskonsum wird auch in Zukunft ein Kostenfaktor bleiben, die Ausgaben für den Unterhalt stehen für viele Menschen im Mittelpunkt. Insbesondere dann, wenn Mobilität einerseits eine Notwendigkeit ist, auf der anderen Seite aber nur begrenzte finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. Das schränkt unter Umständen den Grad der Mobilität ein bzw. vergrößert es gleichzeitig den Bedarf nach ebenso kostengünstigen wie effizienten Lösungen.

 
 

Fahrzeuge im Wandel

 
 

Mit den veränderten Bedürfnissen und Ansprüchen an die Mobilität einher gehen gestalterische Veränderungen der Automobile, die in Zukunft womöglich zur Verfügung stehen. Das betrifft nicht allein die notwendigen Entwicklungen auf der rein technischen Ebene – also alternative Antriebstechnologien zu den üblichen Verbrennungsmotoren und neue Kraftstoffe –, sondern auch im funktionellen Bereich. Gänzlich voneinander trennen lassen sich die Aspekte freilich nicht. Denn erst die Weiterentwicklungen der Technik erlauben neue Möglichkeiten und Perspektiven des Designs.

 
 
Innenraumgestaltung beim Auto

Gänzlich neue Wege: Wenn autonome Fahrzeuge keinen Fahrer mehr brauchen, ergeben sich für die Innenraumgestaltung völlig neue Möglichkeiten.

 
 

Tatsächlich liegen hierin sogar einige vielversprechende Chancen, etwa hinsichtlich der Vernetzung von Automobilen. Die wird ohnehin in zunehmendem Maße gewünscht und das aus mehreren Gründen: Sie stellt nicht nur eine mögliche Brücke zwischen Arbeitsplatz und Zuhause dar, sie könnte auch zu Werbezwecken (Stichwort personalisierte Werbung im Auto) genutzt werden. Ganz zu schweigen davon, dass vernetzte Fahrzeuge die Grundlage für eine autonome Verkehrsbeteiligung sind. Eine ständige Verbindung zur Außenwelt – etwa das Einholen von Informationen zur Parksituation oder an der Straße liegender Sehenswürdigkeiten – erscheint absolut umsetzbar.

Weitere gestalterische Freiheiten erlauben möglicherweise die zukünftigen Elektromobile. Sollten sich diese den Erwartungen der Designer gemäß entwickeln, stehen auch im Innenraum noch einmal völlig neue Optionen offen. Bis die Vorstellungen aus den Designabteilungen wirklich umgesetzt und marktreif werden, wird es wohl noch eine Weile dauern. Die neue Mobilität ist jedenfalls schon jetzt Realität.