Tipps für Neulenker

So wird das Auto nicht zum Geldfresser

 
 
Jubel nach bestandener Führerscheinprüfung

Geschafft! Endlich den Führerschein in den Händen. Allerdings: Lange vor und auch nach diesem Moment gibt es eine Menge Fettnäpfchen, die das Projekt „Auto und Führerschein“ zum „Geldschlucker“ machen können.

 
 

Das erste Auto, das ist nicht nur ein großes Stück Freiheit, sondern auch mit Verantwortung verbunden. Und, sofern man nicht achtgibt, auch mit einer Menge Kosten – die sich jedoch vermeiden lassen.

 
 

Wer hat sie noch nicht im Freundes- oder Kollegenkreis gehört, diese Geschichten von Fahranfängern, die für den Führerschein richtig tief in die Tasche greifen mussten, von windigen Verkäufern irgendein Auto angedreht bekamen oder schlichtweg in Fahrsituationen nicht angemessen reagierten? Der Volksmund sagt „es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“, sprich: Kein Anfänger muss der perfekte Autofahrer sein. Dennoch muss er zumindest einige Grundregeln beherrschen, damit die neugewonnene Freiheit nicht zu einem horrenden Preis erkauft wird. Welche, erklärt der folgende Artikel.

 
 
Teuer, teurer, Führerschein
 
 

Die erste Kostenfalle lauert schon, bevor man auch nur eine Hand ans Lenkrad gelegt hat, beim Führerschein selbst. Für den gibt es nämlich keine einheitliche Kostenvorgabe. Das hat zur Folge, dass man, je nachdem wo man wohnt, mal mehr und mal weniger Geld aufwenden muss.

 
 

Grundsätzlich kann man von Kosten um 1.800 Euro ausgehen – das ist nur ein Näherungswert. Zudem gilt er nur für Fahrschüler, die mit der Regelzeit an Fahrstunden auskommen, also:

  • Fünf Fahrstunden Überland (Landstraßen, Innerorts etc.)
  • Vier Fahrstunden auf der Autobahn
  • Drei Fahrstunden bei Dunkelheit


Jedoch: Letztlich entscheidet der Fahrlehrer, ob sein Schüler mit diesen Stunden auskommt.

 
 
Fahrschülerin beim Einparken

Je mehr Praxis man benötigt, desto teurer wird die Fahrschule. Das gilt nicht nur für Autobahnfahrten, sondern auch für gewöhnliche Dinge wie das Einparken.

 
 

Die Auswahl der Fahrschule sollte allerdings nicht nur mit dem Geld im Hinterkopf erfolgen – denn was nützt eine günstige Schule, die die Lerninhalte nicht gut vermittelt? Die richtige Fahrschule zu finden ist deshalb mit einem kleinen Fragekatalog verbunden:

  • Der erste Ansprechpartner sollten Freunde und Verwandte sein, die in der Nähe ihren Führerschein absolviert haben. Das gibt einem bereits ein Grundgerüst an möglichen Kandidaten.
  • Dann sollten die Unterrichtstermine verglichen werden. Damit fallen alle Fahrschulen durchs Raster, die zu oft oder zu selten Theoriestunden abhalten.
  • Als letztes müssen die verbliebenen Schulen in Sachen Kosten verglichen werden. Dabei gilt: Wer unsicher ist, ob er mit den Regelfahrstunden auskommt, sollte eher nach günstigen Fahrstunden suchen als einem niedrigen Gesamtpreis.


Damit sollte zumindest die erste Hürde zu meistern sein, ohne dass die Kosten aus dem Ruder laufen. Doch das ist nur die halbe Miete.

 
 
Das Auto - der richtige Typ
 
 

Auch wenn ein eigenes Auto heute bei urbanen jungen Menschen nicht mehr so weit oben auf der Prioritätenliste steht, gehört „das eigene Auto“ doch zum Gesamtpaket. Und hier gibt es eine Menge Dinge, die man falsch machen kann.

Es beginnt bereits bei der Auswahl des Autotyps: Kleinwagen? Limousine? Dabei sollte man sich die Zeit nehmen und sich ernsthaft damit auseinandersetzen. Denn das falsche Auto kann einem erheblichen Ärger bereiten.

  • Wer oft in städtischem Gebiet unterwegs ist und bestenfalls seine Einkäufe transportieren muss, sollte sich für einen Kleinwagen wie Polo, Corsa oder gar Smart entscheiden. Am besten mit Benzinmotor, denn auf kurzen Stadtrouten rechnet sich ein Diesel nicht und kann sogar Schaden nehmen.
  • Wer viel und weit fahren muss, sollte vor allem auf maximale Bequemlichkeit achten – diese gibt es meist in Mittelklasse-Limousinen oder davon abgeleiteten Coupé-Varianten.
  • Bandmitglieder und alle, die regelmäßig (einmal pro Woche) viel transportieren müssen, sollten zu einem Kombi greifen. Darunter tut es auch ein anderes Auto mit Anhängerkupplung.

Natürlich ist dieses Eruieren nicht ganz einfach – wer noch nie gefahren ist, kann schwer abschätzen, wie oft er was transportiert. Aber: Wer seine jetzigen Lebensumstände betrachtet, bekommt schon eine gute Ahnung.

 
 
Unfälle mit Personenschaden nach Alter und Geschlecht

Von dieser Grafik sollte man sich nicht täuschen lassen. Junge Fahrer sind zwar seltener an Unfällen mit normalen Personenschäden beteiligt, aber nur, weil sie seltener einen Führerschein haben und die Liste von Unfällen mit Verkehrstoten anführen.

 
 
Das Auto - neu oder gebraucht?
 
 

Wir leben in günstigen Zeiten, in denen sich die Autofirmen gegenseitig mit Rabatten unterbieten. Das reizt natürlich auch Neulenker – nicht zuletzt weil die Firmen sich mit ganz gezielten Angeboten an Führerscheinneulinge wenden. Einige Vorteile hat das natürlich: Immerhin bietet ein Neuwagen die Möglichkeit, ein Auto frei nach seinen Wünschen zu konfigurieren – und Sorgen um die Technik muss man sich in den ersten Jahren auch noch keine machen.

 
 
Auffahrunfall mit Neuwagen

Nur eine Sekunde Unaufmerksamkeit reicht aus. Dann kommt bei einem Neuwagen zu den teuren Raten auch noch eine teure Reparatur hinzu.

 
 

Allerdings: Dieser schöne Schein trügt. Denn auch 2016 gelten noch einige Grundregeln für Neulinge:

  • Es ist wahrscheinlicher, in einen Unfall verwickelt zu werden
  • Parkrempler und andere Blechschäden kommen häufiger vor
  • Man bindet sich sehr lange für die Abtragung
  • Je nach Fahrercharakter leiden Verschleißteile wie die Kupplung, Stoßdämpfer usw. sehr viel stärker als bei einem routinierten Fahrer


 
 

In Summe eher eine Lösung für Anfänger, die nicht auf das Geld schauen müssen. Unter dieser Prämisse ist ein Gebrauchtwagen oftmals die bessere Lösung, denn er bietet gleich mehrere Vorteile:

  • Sehr viel günstiger in der Anschaffung
  • Möglichkeit, höherklassige Autos zu erhalten
  • Weniger Ärger, falls etwas passieren sollte
  • Kürzere Kostenbindung

 
 

Und: Man sollte sich als Fahranfänger auch nicht davor fürchten, ältere Gebrauchte zu kaufen. Selbst wenn ein Auto nicht in diesem Jahrtausend gebaut wurde, ist ein Alltagsbetrieb problemlos möglich, sofern der Wagen immer anständig gewartet wurde und die Kilometerleistung nicht jenseits von Gut und Böse liegt. Bei einem Fahrzeug, bei dem alle Inspektionen durchgeführt wurden, muss man auch vor 150 oder gar 200.000 Kilometern auf dem Tacho nicht zurückschrecken – wenn man gewisse Grundregeln beherzigt.

 
 

Aber: Beim Kauf muss auch beachtet werden, wo das Fahrzeug herstammt: Händler sind per Gesetz gezwungen, eine zweijährige Gewährleistungsfrist einzuräumen. Das müssen Privatverkäufer nicht. Allerdings will der Händler auch etwas verdienen, weshalb Gebrauchtfahrzeuge dort immer etwas teurer sein werden.

 
 
Mit Vernunft und Augenmaß

Der Führerschein in der Tasche, das Auto vor dem Haus – eigentlich kann nichts mehr schiefgehen, oder doch? Natürlich: Auch jetzt kann das erste Auto noch zum Geldfresser werden. Nämlich dann, wenn man nicht mit Vernunft am Steuer sitzt, sondern mit jugendlichem Übermut.

  • Als erstes sollte klar sein: Die Regeln des Straßenverkehrs gelten auch und ganz besonders für Fahranfänger. Wer noch in der Probezeit oder unter 21 ist, für den gilt absolutes Alkoholverbot – 0,0 Promille.
  • Auch Unwissenheit schützt vor Strafe nicht: Wer den Führerschein hat, bei dem geht die Polizei davon aus, dass er alle Verkehrsregeln beherrscht. „Wusste ich nicht“ gilt keinesfalls als Ausrede.
  • Im Alltag sollte man jede Gelegenheit nutzen, um sich hinters Steuer zu setzen. Routine erreicht man nur durch Fahrpraxis. Besonders in stressigen Situationen wie der Rush Hour.
  • Ist man an einem Unfall beteiligt oder Zeuge davon, gelten die gleichen Grund-Verhaltensregeln und auch die Fähigkeit, Augenmaß zu zeigen. Denn nicht jeder Rempler bedarf das Hinzuziehen der Polizei.


Diese Maßgaben sollten immer beachtet werden – sicher fahren ist kein Hexenwerk, sondern nur reine Routine, die sich auch bei ängstlichen Fahranfängern ziemlich schnell einstellen wird. Aber: Auch damit ist noch nicht der Gipfel erklommen. Dazu muss auch das Langfristige im Blick blieben.

 
 
Prüfen des Reifenluftdrucks am Vorderrat

Auch wenn es selbst alte Hasen gerne vergessen, aber einmal monatlich sollte man den Reifenluftdruck prüfen, um die Gummis zu schonen und den Verbrauch zu bändigen.

 
 

An erster Stelle sollte dabei das „Wohl“ des Autos im Fokus bleiben. Es ist natürlich nicht zu vermeiden, dass irgendwann Teile den Geist aufgeben werden – das ist völlig normal, gerade bei älteren Autos. Aber: Wer sein Auto einfach ignoriert und als einzige Wartungsmaßnahmen das Nachtanken sowie das Ergänzen von Scheibenreinigungsflüssigkeit ansieht, legt den Grundstein dafür, dass ihm über kurz oder lang saftige Werkstattrechnungen das Leben schwermachen werden:

  • Bei jedem zweiten Tankstopp oder einmal monatlich sollte der Reifenluftdruck geprüft und gegebenenfalls ergänzt werden. Die fahrzeugspezifischen Werte stehen entweder auf der Innenseite des Tankdeckels oder im Bereich der Fahrertür. Zu geringer Druck sorgt nämlich nicht nur dafür, dass die Pneus schneller abfahren, sondern treibt auch den Spritverbrauch in die Höhe.
  • Zu jedem Fahrzeug existieren Inspektionspläne. Meist sind sie im Handschuhfach zu finden. Wenn nicht, hilft ein Markenhändler weiter. Diese Pläne sollten nicht nur durch die Gegend gefahren, sondern auch eingehalten werden. Die meisten Hersteller schreiben vor, dass ein Auto einmal jährlich oder nach einer bestimmten Laufleistung zur Inspektion muss – und daran sollte man sich auch halten. Alleine schon, weil dabei Probleme im Keim erstickt werden können, bevor sie zu richtig teuren Schäden werden.
  • Alle zwei Jahre muss ein Auto zur Hauptuntersuchung, also dem TÜV. Das muss nicht beim TÜV selbst gemacht werden, sondern geht auch bei einem der anderen technischen Überwacher (Dekra, GTÜ etc.). Wichtig ist nur, dass man auch termingerecht dort erscheint. Auf dem hinteren Kennzeichen findet sich die HU-Plakette. In der Mitte stehen eine Jahreszahl und darum ein Ziffernring. Die Jahreszahl besagt, wann man zum TÜV muss und die Ziffer des Rings, die nach oben (also in der zwölf-Uhr-Position) zeigt, gibt Auskunft über den Monat. Überzieht man den Zeitpunkt und wird erwischt, gibt es Bußgelder.

 
 

Allerdings: Wer all diese Tipps und Regeln einhält, sorgt tatsächlich dafür, dass sein Auto nicht zu Geldfalle wird. Es sind zwar auf den ersten Blick viele Dinge, die beachtet werden müssen, aber sie werden einem binnen kürzester Zeit in Fleisch und Blut übergehen. Wer sich unsicher ist, sollte eines im Hinterkopf behalten: Es gibt in Deutschland rund 82 Millionen Einwohner - und gut 55 Millionen davon haben einen Führerschein. Wenn es so schwer wäre, läge diese Zahl wesentlich niedriger.