Alle Informationen zum Wechselkennzeichen

Das Wechselkennzeichen

 
 
 
 
Zwei Autos, ein Kennzeichen, keine Vorteile: So könnte ein erstes Fazit seit Einführung des Wechselkennzeichens am 1. Juli 2012 lauten. Zumindest ist die Reaktion der Kfz-nutzenden Bevölkerung bislang sehr verhalten. Denn was in Österreich und der Schweiz mit Steuervorteilen einhergeht, ist hierzulande leider ohne staatliche Vergünstigen vorgesehen.
 
 

Gute Idee, aber …

 
 

Die zugrunde liegende Idee ist einfach und gut: Besitzer zweier Fahrzeuge des gleichen Typs, also Pkw und Pkw oder Motorrad und Motorrad, brauchen nur noch ein Kennzeichen. Und zwar für das Fahrzeug, was gerade in Betrieb ist. Man spart dabei nicht nur Kennzeichen, sondern auch Geld, zumindest in unseren beiden Nachbarländern. Dort bezahlen Wechselkennzeichenler nämlich auch weniger Steuern. In der Regel wird das zweite Fahrzeug dort mit einem günstigeren Steuersatz belegt.

 
 

Nicht so in Deutschland: hierzulande bezahlt man für beide Fahrzeuge den gleichen Steuersatz. Finanziell bleibt also alles beim Alten, nur eben jetzt mit nur noch einem Kennzeichen. Obwohl das mit dem „einen“ Kennzeichen so auch nicht ganz richtig ist. Genauer gesagt, besteht das sogenannte Wechselkennzeichen aus sechs! Teilen: die wechselbaren Kennzeichen für vorn und hinten plus jeweils zwei kleine Zusatzschilder, die an beiden Fahrzeugen fix montiert werden müssen. Auf den wechselbaren Kennzeichen ist ein W für Wechselkennzeichen eingestanzt. In Kombination mit den fixen Zusatzschildern ist das entsprechende Fahrzeug sozusagen als Wechselkennzeichen-Fahrzeug markiert. Übrigens: der Wechselkennzeichen-Satz hat einen stolzen Preis: Laut ADAC kostet die Beantragung bei der zuständigen Zulassungsstelle durchschnittlich 65 Euro. Hinzu kommen etwa 40 Euro für die Kennzeichen selbst.

Bleibt nun abzuwarten, wie die Versicherungsbranche hierzulande auf das Wechselkennzeichen reagiert. Denkbar sind hier entsprechende Tarife oder Rabatte, die sich dann im Geldbeutel des Halters bemerkbar machen. Die Branche selbst sieht allerdings nur einen sehr kleinen Spielraum für solche Rabatte. ADAC Präsident Peter Meyer ist sehr optimistisch, dass die Einführung des Wechselkennzeichens gerade für Familien einen Anreiz schafft, sich einen sparsamen und emissionsärmeren Kleinwagen als Zweitfahrzeug anzuschaffen.

 
 

„Bäumchen, wechsele dich“: Konzentration bitte

 
 

Das wichtigste zuerst: Immer an die Kennzeichen denken! Vergisst man, beim Fahrzeugwechsel auch die Kennzeichen zu tauschen, wird’s kritisch. Denn anders als bei der Zweitwagenversicherung können mit einem Wechselkennzeichen versehene Fahrzeuge nicht parallel gefahren werden. Mit anderen Worten: Das Fahrzeug ohne Kennzeichen ist dann quasi für den öffentlichen Verkehr nicht zugelassen und darf auch nicht auf öffentlichen Straßen geparkt werden. Wer’s vergisst und erwischt wird, muss satte 50 Euro Bußgeld bezahlen. Parken ohne Kennzeichen auf öffentlichen Straßen kostet 40 Euro. Vorsicht ist dabei auch beim Versicherungsschutz geboten. Der könnte in solchen Fällen nämlich erlöschen.

 
 

Konkurrenz zum Saisonkennzeichen?

 
 

Die Kfz-Haftpflichtversicherung mit einem Wechselkennzeichen tritt wohl nicht in direkte Konkurrenz zur Zweitwagenversicherung. Doch könnte sie das bisher gängige Saisonkennzeichen ersetzen. Fahrzeuge mit Saisonkennzeichen sind für einen Zeitraum von mindestens zwei und maximal elf Monaten innerhalb eines beliebigen Zwölf-Monatszeitraums zugelassen. An- und Abmeldung geschehen quasi automatisch und unnötige Gebühren werden vermieden. Diese Saisonkennzeichen sind besonders geeignet für Motorräder, Cabriolets oder Wohnmobile, eben saisonale Fortbewegungsmittel. Bei entsprechenden Versicherungsangeboten ist hier durchaus denkbar, dass ein Wechselkennzeichen eine günstigere und auch praktischere Alternative zum Saisonkennzeichen darstellt.


Nicht zu verwechseln ist das Saisonkennzeichen übrigens mit dem Kurzzeitkennzeichen, auch bekannt als „rotes Kennzeichen“. Ein Kurzzeitkennzeichen dient für Probe- oder Überführungsfahrten und wird vom zuständigen Straßenverkehrsamt nur für 5 Tage ausgegeben.

 
 

Wechselkennzeichen: Diese Fahrzeugkombinationen sind möglich:

 
 

Fahrzeug I

Fahrzeug II

Pkw

Pkw

Fahrzeug II

Fahrzeug II

Pkw

Oldtimer

Oldtimer

Oldtimer

Wohnmobil

Wohnmobil

Oldtimer

Wohnmobil

Motorrad

Motorrad

Motorrad

Quad und Trike

Motorrad

Leichtkraftrad

Anhänger
(bis 750 kg zulässiges Gesamtgewicht)

Anhänger
(bis 750 kg zulässiges Gesamtgewicht)

 
 

Wechselkennzeichen beantragen: Erforderliche Unterlagen

  • Fahrzeugbrief/Zulassungsbescheinigung Teil II
  • Fahrzeugschein/Zulassungsbescheinigung Teil I
  • bisherige(s) Kennzeichenschild(er)
  • elektronische Versicherungsbestätigung (eVB) für beide Fahrzeuge
  • Nachweis einer gültigen Hauptuntersuchung
  • Bescheinigung über die Abgasuntersuchung
  • Personalausweis oder Pass mit Meldebescheinigung ggf.
  • Bei Beauftragung Dritter: Vollmacht, einschließlich Personaldokument des Vollmachtgebers