Telefonieren beim Autofahren - Was ist erlaubt und was nicht?

Darf man mit Gips oder Armschiene Auto fahren?

 
 
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Ist Auto fahren mit Orthese erlaubt?
 
 
 
 

Mit welchen Verletzungen darf man noch Auto fahren? Dieses Thema treibt viele Fahrzeugführer um.

  • Darf mit einer Gipsschiene an der linken Hand Auto fahren?
  • Darf man ein Auto mit Automatikschaltung mit gebrochenem linkem Bein fahren?

Dies sind zwei von vielen konkreten Fragen zum Thema Auto fahren mit Verletzung. Dieser Artikel soll darüber aufklären, was erlaubt ist und was nicht. Damit niemand das Thema auf die leichte Schulter nimmt, wird aufgezeigt welche Gefahren entstehen, wenn man verletzt ein Fahrzeug führt und welche Strafen bei Unfall drohen.

 
 

Die allgemeine Rechtslage

 
 

Im Strafgesetzbuch (StGB) gibt es den Paragraphen 315 c Gefährdung des Straßenverkehrs.

§ 315c StGB
Wer im Straßenverkehr [..] ein Fahrzeug führt, obwohl er […] infolge […] körperlicher Mängel nicht in der Lage ist, das Fahrzeug sicher zu führen […] und dadurch Leib und Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Eine Verletzung stellt immer eine mehr oder minder starke Beeinträchtigung des Körpers dar. Mit einem gebrochenen, gegipsten Finger zum Beispiel ist es schwer, das Lenkrad mit der Hand fest zu umfassen. Im Ernstfall kann eine schnelle Lenkbewegung dadurch nicht ausgeführt werden.

Wer also mit einer Verletzung Auto fährt und dadurch andere Verkehrsteilnehmer gefährdet oder gar schädigt, muss mit hohen Strafen rechnen. Neben Freiheitsstrafe oder Geldstrafe drohen auch Führerscheinentzug und Erlöschen des Versicherungsschutzes. Das Strafmaß richtet sich im Einzelfall nach dem konkreten Unfallhergang und dem Schadensausmaß.

 
 
Kein Fahrverbot durch ärztliches Attest
 
 

Ein ärztliches Attest, zum Beispiel dass man nach einer Verletzung den rechten Fuß längere Zeit nicht belasten darf, bedeutet nicht automatisch ein Fahrverbot. Der Patient kann auch gegen den ärztlichen Rat Auto fahren. Kommt es allerdings zum Unfall und stellt sich heraus, dass man gegen den ärztlichen Rat verstoßen hat, wird dies eindeutig als fahrlässiges Handeln bewertet.

Wenn Zweifel an der Fahrtüchtigkeit eines Fahrzeugführers bestehen, wird die Fahrerlaubnisbehörde tätig (MPU, ärztliches Gutachten). Allerdings wird die Fahrerlaubnisbehörde erst informiert, wenn es bereits zu einem Unfall gekommen ist. Die Polizei macht im Verdachtsfall eine entsprechende Meldung an die Behörde.

Der Patient selbst oder der behandelnde Arzt müssen körperliche Beeinträchtigungen durch Medikamente oder Verletzungen nicht melden. Ob man mit einer Verletzung wie einem gebrochenem Fuß Auto fährt, ist einem also vollkommen selbst überlassen. Die Fahrtüchtigkeit muss man vor jedem Fahrtantritt selbst beurteilen.

 
 
 

Mögliche Verletzungen und ihr Einfluss auf die Fahrtüchtigkeit

 
 

Generell können Verletzungen der Gliedmaßen, also Arme, Beine, Füße, Hände, etc., Auswirkungen auf das Autofahren haben. Hinzu kommen Verletzungen im Gesicht, die das Seh- und Hörvermögen beeinträchtigen.

Doch nicht nur die Verletzung selbst kann die Fahrtüchtigkeit einschränken. Durch einen Gipsverband etwa sind Beweglichkeit und Berührungssinn des betroffenen Körperteils stark eingeschränkt. Mit gebrochenem rechten Fuß im Gipsverband zu bremsen bzw. Gas zu geben, ist sehr schwierig bis unmöglich.

In der folgenden Übersicht sind relevante Verletzungen mit ihrer Auswirkung auf die Fahrtüchtigkeit gelistet.

 
 

Auge verletzt

Grundsätzlich ist das Autofahren mit einem Auge erlaubt. Das verbliebene Auge muss jedoch über eine Sehschärfe von mindestens 0,5 verfügen. Dafür muss der Autofahrer einen entsprechenden Nachweis erbringen. Weil das Sehfeld und die räumliche Wahrnehmung dadurch jedoch erheblich eingeschränkt sind, fordern Experten eine Geschwindigkeitsbeschränkung für solche Autofahrer.

Gebrochener Zeh

Vom Autofahren mit gebrochenem Zeh raten Ärzte zumindest dann ab, wenn es sich um einen verschobenen oder offenen Bruch handelt. In diesen Fällen ist es besonders wichtig den Zeh nicht zu belasten. Gipsverbände, Orthesen oder Spezialschuhe können die Beweglichkeit an den Pedalen erheblich behindern.

Gebrochener rechter Fuß

Vom Autofahren mit gebrochenem rechten Fuß ist dringend abzuraten. Auch hier spielt die Art des Bruches sowie dessen Versorgung (Verband, Gips, Orthese, etc.) eine große Rolle, vor allem bei der Betätigung des Bremspedals. Durch einen Gips kann die Bewegung im Fußraum stark eingeschränkt sein, das erschwert den Wechsel zwischen Gas- und Bremspedal. 

Auch Fahrer eines Autos mit Automatikgetriebe sollten in diesem Fall ihren Wagen stehen lassen. Sicherlich können Brems- und Gaspedal auch mit dem linken Fuß betätigt werden. In Notsituationen reagiert der Mensch jedoch reflexartig und instinktiv. Gebremst wird dann automatisch mit dem rechten Fuß.

Gebrochenes Bein

Beim Autofahren mit gebrochenem Bein entsteht eine ähnliche Situation wie beim Autofahren mit gebrochenem Fuß. Handelt es sich um das rechte Bein, ist auf jeden Fall von einer Fahrt in einem Auto mit Normalschaltung dringend abzuraten.

Handelt es sich um das linke Bein, könnte ein Auto mit Automatikgetriebe theoretisch gefahren werden. Allerdings könnte ein eingegipstes linkes Bein im Fußraum stören und die Betätigung vom Gas- und Bremspedal mit dem rechten Bein negativ beeinflussen.

Bei einem Unfall stellt sich immer die Frage, ob er ohne gebrochenes Bein hätte verhindert werden können. Die Versicherung geht in der Regel von einer Teilschuld aus. Also wenn Zweifel bestehen, ob ein Automatikauto mit gebrochenem linkem Bein sicher geführt werden kann, sollte man es stehen lassen.

Anders ist die Situation beim Autofahren mit einem Bein zu bewerten. Unabhängig davon ob es sich um das rechte oder linke Bein handelt, ist die Fahrt mit einem Automatik-Auto erlaubt. Schließlich gibt es viele Menschen mit einer solchen Behinderung, die auch so Autofahren gelernt haben.

Selbst mit Beinprothese kann ein Automatikauto gefahren werden, vorausgesetzt die betroffene Person hat ein technisches Gutachten vom TÜV.

Gebrochene Hand

Beim Autofahren mit gebrochener Hand sind die Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit vielseitiger als beim Fuß- oder Beinbruch. Die rechte Hand zum Beispiel fasst nicht nur das Lenkrad an, sondern betätigt auch den Schalthebel. Mit einer durch Bruch, Verband und Schiene eingeschränkten rechten Hand können insofern erhebliche Probleme bei der Steuerung des Autos entstehen.

Beim Automatikgetriebe entfällt zwar das Schalten. Und es gibt viele Menschen mit nur einem Arm, die Auto fahren. Allerdings sind die Autos dieser Menschen speziell für deren Bedürfnisse ausgestattet (Lenkkurbel oder Fußlenkung, Automatikgetriebe, versetzte Blinkhebel. etc.)

Video: Fußlenkung beim Porsche

Gebrochener Finger

Autofahren mit gebrochenem Finger ist sicherlich weniger kritisch als Autofahren mit gebrochener Hand oder gebrochenem Fuß. Aber auch hier muss man sorgfältig abwägen, ob man sich mit der Verletzung hinter das Steuer setzt.

Ein gebrochener Finger bei der rechten Hand kann bedeuten, dass man das Lenkrad nicht richtig anfassen kann und den Schalthebel nicht bedienen kann. Dies ist vor allem der Fall, wenn Daumen, Zeigefinger oder Mittelfinger gebrochen sind. Im Notfall könnte zum Beispiel ein schnelles Ausweichmanöver nicht vollzogen werden.

Gebrochene Schulter

Autofahren mit gebrochener Schulter ist nicht nur sehr schmerzhaft, sondern auch extrem gefährlich. Schnelle Bewegungen, wie sie in Gefahrensituationen erforderlich sind, sind mit gebrochener Schulter absolut ausgeschlossen. Letztlich ist der ganze Arm auf der Bruchseite nicht einsatzfähig. Das Fahren mit gebrochener Schulter kommt dem einarmigen Fahren gleich und das ist nur möglich mit speziell umgerüsteten Autos.

 
 

Generell deuten Gips, Schienen, Verbände und Orthesen auf starke Beeinträchtigung der betreffenden Gliedmaßen hin. Entscheidend ist natürlich an welcher Stelle der Gips getragen wird. Eine Armschiene oder eine Schiene an der Hand können die Gliedmaßen so versteifen, dass das Lenkrad nicht mehr gehalten werden kann oder Schalthebel nicht mehr bedient werden kann. Grundsätzlich sollten Ellenbogengelenk und Finger sowie Kniegelenk und Fuß frei beweglich sein, um das Fahrzeug sicher zu steuern.

Ob man Krücken benötigt, spielt für das Autofahren an sich keine Rolle. Die Frage danach, ob Autofahren mit Krücken erlaubt ist also irrelevant. Die Art der Verletzung, der Belastbarkeit und des Verbandes des betroffenen Körperteils ist entscheidend.

Wird man von der Polizei mit Gips oder Armschiene angehalten, darf man in der Regel nicht weiterfahren. Die Polizei wird Meldung an die Fahrerlaubnisbehörde machen und diese gegebenenfalls prüfen, ob eine Fahruntauglichheit vorliegt. Bei Verkehrsunfällen wird sehr wahrscheinlich eine Mitschuld angenommen, die Versicherung kann Regress fordern oder die Schadensregulierung komplett ablehnen.

 
 

Autofahren mit Orthese

 
 

Eine Orthese ist eine Art Stützverband. Anders als ein Gipsverband ermöglicht eine Orthese mehr Bewegungsspielraum. Gerade im Auto jedoch stellt eine Knieorthese etwa einen große Bewegungseinschränkung dar. Die Schalen der Orthese drücken unangenehm am Bein, wenn sie auf dem Autositz aufliegen. Außerdem kann sie dadurch verrutschen und für noch mehr Schmerzen sorgen. Deshalb ist Autofahren, vor allem mit einer Bein-/Knieorthese keine gute Idee.

Für den Fall, dass eine Orthese dauerhaft getragen werden muss, sollte man vorab mit der Versicherung klären, ob dies ein Problem darstellt. Denn wie beim Gips kann sich die Versicherung im Fall eines Unfalls querstellen. Hilfreich dafür wäre eine Unbedenklichkeitsbescheinigung vom Arzt.

 
 

Autofahren nach OP

 
 

Häufig kommt die Frage auf, ob man nach einer OP und speziell nach einer Kreuzband OP Auto fahren darf. Ein Kreuzbandriss braucht sehr lange zur Heilung, bis zu drei Monate. Ob eine Fahrt mit Kreuzbandriss möglich ist, hängt von mehreren Faktoren ab

  • Linkes oder rechtes Bein
  • Automatikgetriebe oder Schaltung
  • Heilungsstand
  • Belastbarkeit des Knies

Ist das linke Bein betroffen und schränkt die Orthese die Bewegungsfreiheit des rechten Beins beim Autofahren nicht ein, spricht grundsätzlich nichts dagegen nach einer Kreuzband OP ein Auto mit Automatikgetriebe zu fahren. Wenn Sie die Pedale nicht richtig bedienen können, weil Sie das Knie nicht richtig belasten können und die Orthese Sie zu stark einschränkt, liegt in jedem Fall ein körperlicher Mangel vor.

Im Fall eines Unfalls müssen Sie auch hier mit einer Teilschuld rechnen bzw. dass Ihnen als Unfallverursacher Fahrlässigkeit vorgeworfen wird.
Rechtlich gesehen man nach einer OP mit Vollnarkose 24 Stunden lang nicht geschäftsfähig, weil sich im Körper immer noch Reste von Medikamenten befinden, die erst nach 24 Stunden vollkommen abgebaut sind. Autofahren oder Maschinen bedienen ist nicht erlaubt.
Ärzte empfehlen auch nach Operationen mit örtlicher Betäubung kein Auto zu fahren.

 
 

Leistungskürzung der Versicherung

 
 

Versicherungen bewerten die Frage der Fahruntüchtigkeit durch Gips, Orthese oder Armschiene eindeutig: Eine gefahrenfreie Teilnahme am Straßenverkehr ist nicht möglich. Aus diesem Grund handelt aus Sicht der Versicherer jeder, der mit Gips Auto fährt, grob fahrlässig.

Im Falle eines Verkehrsunfalls wird dem Fahrer deshalb fast immer eine Mitschuld angelastet. Bei Selbstverschuldung droht sogar die Erlöschung des kompletten Versicherungsschutzes.

 
 

Freiheitstrafe bis zu fünf Jahren

 
 

Grundsätzlich stellt das Autofahren mit körperlicher Beeinträchtigung durch Verletzung eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit Bußgeld, Punkten und Fahrverbot geahndet wird. Kommt es zum Unfall orientieren sich die Gerichte am § 315c StGB. Dabei wird ergebnisorientiert beurteilt, ob der Fahrer mit Gips in der Fahrleistung eingeschränkt war oder nicht. Wird festgestellt, dass die Fahrsicherheit beeinträchtigt war, wird das Autofahren mit Gips, Orthese, etc. als Straftat gewertet. In diesem Fall drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis oder eine hohe Geldstrafe.

Die Autofahrt mit Gips am rechten Bein oder Fuß schließt sich prinzipiell aus. Ist das linke Bein, der linke Fuß betroffen ist zumindest die Fahrt mit einem Auto mit Automatikgetriebe theoretisch möglich.