Kinder sicher im Auto transportieren

Kindersitzpflicht: Bis wann müssen Kinder im Kindersitz sitzen?

 
 
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Kindersitzpflicht im Auto
 
 

Für den Kindertransport im Auto gelten besondere Vorschriften. Kinder bis 12 Jahren dürfen im Auto nur im Kindersitz bzw. auf einer Sitzerhöhung mitfahren. Eine Sonderregelung gilt für den Transport auf dem Beifahrersitz. Bei Verstoß gegen die StVO Vorschriften drohen nicht nur hohe Bußgelder, Sie setzen vor allem fahrlässig die Sicherheit Ihrer Kinder aufs Spiel.

 
 
 
 

Kindersitzpflicht im Auto nach § 21 StVO

 
 

Ab wann dürfen Kinder ohne Kindersitz im Auto fahren? Diese Frage stellen sich viele Eltern oder andere Personen, die Kinder im Auto transportieren wollen. 

Im Paragraph 21 der Straßenverkehrsordnung finden sich die Vorschriften zur Personenbeförderungen, darin auch die Regelungen zur Kindersitzpflicht. Zusammengefasst heißt es da, dass Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr, die kleiner als 150 cm sind, im Auto nur auf geeigneten Rückhalteeinrichtungen mitgenommen werden dürfen. Diese Regelungen gelten für alle Kraftfahrzeuge mit Sicherheitsgurten.

Die Regelung gilt nicht für Personenbeförderung in Taxen und Bussen.

Kinder ab 3 Jahren dürfen auch ohne Kindersitz transportiert auf dem Rücksitz angeschnallt werden, wenn aus Platzgründen kein weiterer Kindersitz angebracht werden kann. Diese Ausnahmeregelung gilt nicht, wenn Kinder regelmäßig mit dem Auto fahren.

 
 

Was sind geeignete Kindersitze?

 
 

Sogenannte Rückhalteeinrichtungen für Kinder müssen nach § 21 StVO den in Artikel 1 Absatz 2 der Durchführungsrichtlinie 2014/37/EU vom 27. Februar 2014 (ABl. L 59 vom 28.2.2014, S. 32) genannten Anforderungen genügen.

Das bedeutet im Klartext, dass die Kindersitze nach UN/ECE-Regelung 44 oder 129 zugelassen sein müssen. Hier werden die Kinderrückhalteeinrichtungen nach Gewicht des Kindes oder nach Größe des Kindes und Maximalgewicht klassifiziert.

Die zugelassenen Kindersitze haben eine Kennzeichnung mit Prüfnummer sowie Angaben zur Fahrzeug und Kind bezogenen Eignung sowie Angaben zum Hersteller.

 
 
Kindersitz Prüfnummer
 
 

Kinderrückhaltesysteme nach Gewichtsgruppen (UN/ECE-Regelung 44)

 
 

Gruppe 

Gewicht 

Gruppe 0
bis 10 kg
Gruppe 0+
bis 13 kg
Gruppe 1
9 bis 18 kg
Gruppe 2
15 bis 25 kg
Gruppe 3
22 bis 36 kg
 
 

Kinderrückhaltesysteme nach Körpergröße (UNECE-Regelung 129)

 
 

Klasse

Größe

Gruppe 0

bis 10 kg
Q0
kleiner gleich 60 cm
Q1
60 bis kleiner gleich 75 cm
Q1.5
75 bis kleiner gleich 87 cm
Q3
87 bis kleiner gleich 105 cm
Q6
105 bis kleiner gleich 125 cm
Q10
größer gleich 125 cm
 
 

HINWEIS: Es gibt universal zugelassene Kindersitze, die für jeden Autositz passen. Dann gibt es semi-universelle Systeme, die nicht auf allen Fahrzeugsitzen verwendet werden dürfen und es gibt für spezielle Fahrzeugmodelle zugelassene Kindersitze. Solche Kinderrückhaltesysteme werden mit einer Fahrzeugtypenliste geliefert, um die Verwendbarkeit zu überprüfen.

 
 

Babys rückwärtsgerichtet sichern

 
 

Babys bis zum Alter von 15 Monaten müssen in rückwärts- oder seitwärts gerichteten Rückhaltesystem (Babyschale) gesichert werden. Weil die Nackenmuskulatur bei Kleinkindern schwach ausgebildet ist, werden Kopf und Nacken so besonders geschützt.

 
 

Bußgeld für nicht richtig gesicherte Kinder im Auto

 
 

Bei Verstoß gegen die Kindersitzpflicht droht ein Verwarngeld von 30 Euro. Sind mehrere Kinder im Auto nicht entsprechend gesichert, erhöht sich das Bußgeld auf 35 Euro.

Sind Sie zum Beispiel als Erziehungsberechtigter selbst für die Kindersicherung im Auto verantwortlich, zahlen Sie bei Verstoß 60 Euro Bußgeld und erhalten ein Punkt in Flensburg. Bei mehreren nicht gesicherten Kindern erhöht sich das Bußgeld auf 70 Euro.

Bei rückwärtsgerichteter Verwendung des Kindersitzes / der Babyschale und nicht ausgeschaltetem Airbag droht ein Verwarngeld von 25 Euro.

 
 

Was empfiehlt der ADAC?

 
 

Kinder bis etwa 1,5 Jahre sind am sichersten in der Babyschale untergebracht. Die Schale sollte erst gewechselt werden, wenn der Kopf des Kindes nicht mehr in voll in der Schale liegt.

Kinder bis 4 Jahre und einem Körpergewicht zwischen 9 und 18 kg. bzw. einer Körpergröße bis 105 cm sollten in Kindersitzen der Klasse I nach UN ECE Reg. 44 transportiert werden. Alternativ sollte ein Kindersitz nach UN ECE 129 für eine Körpergröße bis 105 cm (Q3) verwendet werden.

Die Sitze gibt es wahlweise mit Hosenträgergurt oder Fangsystem. Der Vorteil an Hosenträgergurten ist die bessere Schlafposition und dass Kinder darin nicht so stark schwitzen. Der Vorteil eines Fangsystems, zum Beispiel durch ein Tischchen vor dem Bauch des Kindes, ist, dass es zu weniger Belastung bei einem Frontalzusammenstoß kommt.

Beim Hosenträgergurt ist darauf zu achten, dass er eng am Körper des Kindes anliegt.

Für Kinder von 4 bis 7 Jahren sollten Kindersitze mit Gewichtsklasse II (15 bis 25 kg) bzw. für 105 bis 125 cm Körpergröße (Q6) verwendet werden. Ideal sind Kindersitze mit Rücken- und Schlafstützen.

Für Kinder von 7 bis 12 Jahren sind Kindersitze mit Gewichtsklasse III (22 bis 36 kg Körpergewicht) oder Sitze für Körpergröße 125 cm bis 150 cm (Q10) geeignet. 

Kindersitze für Kinder von 4 bis 12 Jahren werden fast immer mit dem normalen 3-Punkt-Sicherheistgurt des Fahrzeugs befestigt. Dabei ist unbedingt darauf zu achten, dass der Schultergurt mittig über die Schulter des Kindes verläuft und es nicht aus dem Gurt fallen kann. Das setzt voraus, dass das Kind eine entsprechend breite Schulter hat.

Wichtig ist auch, dass der Beckengurt durch die Gurthaken des Kindersitzes geführt wird. Andernfalls kann er bei einem Unfall in den Bauchbereich des Kindes schneiden.

Es gibt Kindersitze, die für mehrere Gewichtsklassen bzw. Körpergrößen zugelassen sind. Das bedeutet einerseits, dass der Sitz länger verwendet werden kann. Andererseits ist er an die Proportionen des Kindes nicht optimal angepasst. Wichtig ist, dass das Kind nicht hin und her rutschen kann und dass der Sicherheitsgurt gut anliegt. Auch sollte er eine gute Ruheposition bieten, weil kleine Kinder noch viel schlafen.

 
 

Sitzerhöhung oder Kindersitz?

 
 

Für Kinder ab 15 kg (3 bis 4 Jahre) Körpergewicht kann auch eine einfache Sitzerhöhung verwendet werden. Für die Sicherheit des Kindes ist allerdings ein richtiger Kindersitz zu empfehlen. Erstens kann das Kind bei einer Sitzerhöhung aus dem Gurt rausrutschen und zweitens ist es bei einem Seitencrash nicht geschützt.

Wenn eine einfache Sitzerhöhung verwendet wird, dann nur eine mit seitlichen Führungshörnern für den Beckengurt. Nur dann kann die Sitzerhöhung nicht unter dem Kind wegrutschen und der Gurt nicht in den Bauchbereich schneiden.

Für alle Sitzerhöhungen gilt, dass sie die UN ECE 44 Norm erfüllen. Allerdings raten der ADAC und auch die Stiftung Warentest wegen der genannten Sicherheitsrisiken dringend von der Verwendung einfacher Sitzerhöhung für den Kindertransport ab. Gerade bei hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn sind Sitzerhöhungen ein erhebliches Sicherheitsrisiko.

 
 

Ab wann dürfen Kinder auf dem Beifahrersitz?

 
 

Häufig taucht im Zusammenhang mit dem Transport von Kindern im Auto die Frage auf, ab wann diese im Auto vorne sitzen dürfen. 

Kinder ab 12 Jahre dürfen grundsätzlich vorne im Auto sitzen. Hier entfällt die Kindersitz Regelung und sie können normal wie eine erwachsene Person mitfahren.

Kindersitze bzw. Babyschalen können sowohl vorne auf dem Beifahrersitz als auch hinten auf der Rückbank angebracht werden. Wichtig bei der rückwärtsgewandten Verwendung des Kindersitzes / der Babyschale ist, dass dann der Beifahrerairbag deaktiviert ist. Ist der Airbag aktiv und löst bei einem Crash aus, könnte es zu erheblichen bis tödlichen Verletzungen kommen.

Auch wenn es keine weiteren Kindersitz Vorschriften für den Beifahrer Sitz gibt, empfiehlt der ADAC aus Sicherheitsgründen Kindersitze grundsätzlich nur hinten im Auto zu verwenden.

 
 

Kindersitzpflicht im Ausland

 
 

Auch im Ausland gelten Kindersitzvorschriften. In Österreich müssen ebenfalls Kinder bis 150 cm Körpergröße in einem entsprechenden Sitz befördert werden. In Spanien dürfen Kinder ab 135 cm schon wie ein Erwachsener im Auto mitfahren. In Frankreich hingegen sind Kinder schon ab 10 Jahren von der Kindersitzpflicht befreit.