Mehr Grip

Die gesetzliche Mindestprofiltiefe bei Reifen

 
 
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Bei abgefahrenem Reifenprofil verlieren Reifen die Bodenhaftung (Grip). Besonders bei Aquaplaning und Glätte kann es dadurch zu folgenschweren Unfällen kommen. Deshalb schreibt der Gesetzgeber bei allen Kfz-Reifen eine Mindestprofiltiefe vor. Wie stark das Reifenprofil sein muss, wie Sie die Profiltiefe messen und welche Strafen bei Verstoß gegen die Mindestprofiltiefe drohen, wird kurz und übersichtlich in diesem Artikel erläutert.

 
 

Der § 36 StVO enthält die gesetzlichen Bestimmungen für Reifen und Laufflächen von Kraftfahrzeugen und Anhängern.
Die wichtigsten Bestimmungen in diesem „Reifen-Gesetz“:

  • Es dürfen nur (Luft)Reifen verwendet werden, die der Belastung durch das Fahrzeug (Gewicht, Geschwindigkeit) entsprechen
  • Es dürfen nur Reifen mit Profilrillen verwendet werden
  • Die Mindestprofiltiefe im Hauptprofil des Reifens (mittlere Lauffläche) muss mindestens 1,6 mm betragen
  • Reifen, die für eine Geschwindigkeit über 40 km/h zugelassen sind, müssen gekennzeichnet sein (Hersteller / Marke, Reifengröße, Reifenbauart, Tragfähigkeit, Geschwindigkeitskategorie, Herstellungsdatum) 
 
 
gesetzliche Mindestprofiltiefe bei Kfz Reifen
 
 

Die Bestimmungen gelten sowohl für Diagonalreifen als auch Radialreifen. Wobei Diagonalreifen ohnehin nur noch für landwirtschaftliche Fahrzeuge oder im Rennsport eingesetzt werden.

 
 
 
 

Mindestprofiltiefe Sommerreifen (Pkw)

 
 

Gesetzlich vorgeschrieben ist eine Mindestprofiltiefe für Sommerreifen von 1,6 mm. Aus Sicherheitsgründen raten Reifenexperten zu einer Mindestprofiltiefe von
3 mm
.

Der Grund ist so einfach wie wichtig: Die Profilrillen im Reifen sorgen für die Bodenhaftung bei allen Wetterlagen, vor allem bei Nässe. Je weniger Profil, desto schlechter der Grip und so länger der Bremsweg. Vor allem bei Breitreifen mit größerer Auflagefläche wird mangelndes Profil zur Gefahr. Es entsteht Aquaplaning, weil die Profilrillen das Wasser auf der Straße nicht mehr verdrängen können. Das Auto gerät in Schleudern und lässt sich nicht mehr steuern.

 
 

Profiltiefe messen

 
 

Es gibt viele Methoden die Reifenprofiltiefe zu messen. Wichtig ist, das Profil auf der Hauptlauffläche zu messen, denn hierfür gilt auch die Mindestprofiltiefe nach § 36 StVO.

 
 

Mindestprofil nach 3 36 StvO
„Das Hauptprofil muss am ganzen Umfang eine Profiltiefe von mindestens 1,6 mm aufweisen; als Hauptprofil gelten dabei die breiten Profilrillen im mittleren Bereich der Lauffläche, der etwa 3/4 der Laufflächenbreite einnimmt.“

 
 

Am bekanntesten und einfachsten ist die Messmethode mit der 1-Euro-Münze. Die Euromünze hat einen goldfarbenen Rand, der genau 3 Millimeter breit ist. Wenn man die Münze in die Vertiefungen der Profilrillen hält, kann man die Profiltiefe ablesen: Verschwindet der goldene Rand gänzlich, hat der Reifen mindesten noch 3 mm Profil.

 
 

VIDEO Profiltiefe mit 1-Euro-Münze messen

 
 
 
 

Der mechanische Profiltiefenmesser funktioniert wie ein Messschieber. Er wird zwischen zwei Profil-Blöcken angesetzt und der Messschieber bis auf den Profilgrund geschoben. Die Profiltiefe kann anhand der aufgebrachten Skale abgelesen werden.

 
 
 
 

Werkstätten nutzen die digitale Variante des Profiltiefenmessers. Er funktioniert genauso wie der mechanische Messer, nur das der Wert wird auf einem Display angezeigt.

Mittels Lasertriangulation können Profiltiefe und Profilverlauf über die gesamte Breite des Reifen vermessen werden. Das Messgerät, das in den Boden eingelassen ist und von den Reifen überfahren wird, kommt in Werkstätten, zum Beispiel beim TÜV zum Einsatz. Durch das bildgebende Verfahren lässt sich nicht nur die minimale Profiltiefe ermitteln. Ebenso kann festgestellt werden, ob Reifen ungleich abgefahren sind oder Spur- und Sturzeinstellungen fehlerhaft sind.

Die Profiltiefe bei Neureifen ist nicht genormt und unterscheidet sich von Hersteller zu Hersteller und von Reifenmodell zu Reifenmodell:

  • Profiltiefe Sommerreifen neu: 8 mm
  • Profiltiefe Winterreifen neu: 9 mm
 
 

Mindestprofiltiefe bei Winterreifen

 
 

Die gesetzliche Mindestprofiltiefe von 1,6 mm gilt auch für Winterreifen. Der ADAC empfiehlt jedoch eine Profiltiefe von mindestens 4 mm.

Unter 4 mm ist die Wintertauglichkeit von Winterreifen bereits stark eingeschränkt. Besonders im Tiefschnee, kann der Winterreifen den notwendigen Grip nicht mehr aufbauen. Das Fahrzeug verliert den Halt auf der Straße und gerät leicht ins Schleudern. Zudem verlängert sich der Bremsweg. Unfälle sind vorprogrammiert.



Spezialisten bei Frost und Schnee: Weitere Informationen zum Profil von Winterreifen


 
 

Empfohlene Profiltiefe bei Ganzjahresreifen

 
 

Ganzjahresreifen oder Allwetterreifen ersparen den Reifenwechsel im Frühjahr bzw. Herbst. Sie sind jedoch keine wirklichen Winterreifen, weshalb ausreichend Profil in der kalten Jahreszeit besonders wichtig ist. Vorgeschrieben sind 1,6 mm, Reifenexperten empfehlen bei Ganzjahrespneus jedoch mindestens 4 mm für guten Grip.



Allrounder, aber keine Spezialisten:


 
 

Mindestprofiltiefe bei Motorradreifen

 
 

Auch für Motorradreifen heißt es in der StVO: 1,6 mm Mindestprofiltiefe. Zwar haben Motorradreifen weniger Auflagefläche, aber die Unfallfolgen bei Aquaplaning sind für Motorradfahrer wesentlich gefährlicher.

Wie bei Autoreifen empfehlen Experten auch hier, den Reifen schon bei einer Profiltiefe von 2 mm auszuwechseln. Bei (sicherlich eher seltenen) Winterfahrten sollte das Profil der Motorradreifen mindestens 4 mm betragen.

 
 
Reifen Verschleißanzeiger (TWI = Tread Wear Indicator)

Moderne Pkw- und Motorradreifen sind übrigens mit Verschleißanzeigern (TWI = Tread Wear Indicator) ausgestattet. Das sind Querstege in den Längsrillen der Bereifung. Sobald das Profil die Mindestprofiltiefe unterschreitet, werden die Stege sichtbar. Die Reifenhersteller halten sich bei den Verschleißanzeigern jedoch nicht an die gesetzliche Mindestprofiltiefe. Sie werden schon bei einer Profiltiefe von zwei und mehr Millimetern sichtbar

 
 
 

Bußgeld bei abgefahrenen Reifen

 
 

Zu wenig Reifenprofil ist ein großes Sicherheitsrisiko im Straßenverkehr. Entsprechend hoch sind die Strafen bei Verstoß gegen die Mindestprofiltiefe bzw. für gegen die situativ angepasste Bereifung (Winterreifen).

 
 
Verstoß
Bußgeld
Punkte
Fahrverbot
Kfz (außer Mofa) oder Anhänger ohne ausreichende Profiltiefe der Reifen geführt
Bußgeld 60 EUR
Punkte 1
Fahrverbot
... mit Gefährdung
Bußgeld 75 EUR
Punkte 1
Fahrverbot
... mit Unfall
Bußgeld 90 EUR
Punkte 1
Fahrverbot
Inbetriebnahme eines Kfz (außer Mofa) oder Anhängers mit abgefahrenen als Halter angeordnet oder zugelassen
Bußgeld 75 EUR
Punkte 1
Fahrverbot
Fahren bei Schnee und Glatteis mit Sommerreifen
Bußgeld 60 EUR
Punkte 1
Fahrverbot
... mit Behinderung
Bußgeld 80 EUR
Punkte 1
Fahrverbot
... mit Gefährdung
Bußgeld 100 EUR
Punkte 1
Fahrverbot
... mit Unfall
Bußgeld 120 EUR
Punkte 1
Fahrverbot
 
 

Mindestprofiltiefe bei Lkw

 
 

LKW-Reifen sind in der Regel größer und breiter als Pkw-Reifen. Sie haben eine größere Auflagefläche und es kann schneller zu Aquaplaning kommen. Dennoch, auch Lkw-Reifen müssen nach § 36 StVO nur eine Mindestprofiltiefe von 1,6 mm haben. Allerdings auf der gesamten Lauffläche. Das gilt für Winter- und Sommerreifen. Für Lkw-Winterreifen empfehlen Experten eine Profiltiefe von 6 bis 8 mm.

Weil Lkw Reifen stärker beansprucht werden und weil Unfallfolgen ungleich höher sind als bei Pkw oder Motorrad, sollten sie deshalb öfter kontrolliert werden. Sowohl der Fahrer als auch die Spedition sind für Kontrollen der richtigen und einwandfreien Bereifung in regelmäßigen Intervallen verantwortlich.




 
 

Mindestprofiltiefen in Europa

 
 

In Deutschland gilt für alle Kraftfahrzeuge eine Mindestprofiltiefe von 1,6 mm. Dabei wird generell kein Unterschied zwischen Lkw, Pkw oder Motorrädern gemacht. In vielen anderen europäischen Ländern, wie zum Beispiel Großbritannien, Norwegen, Dänemark oder Italien ist für Motorräder jedoch nur eine Mindestprofiltiefe von 1 mm vorgeschrieben.

Wie in Deutschland besteht übrigens in den meisten europäischen Ländern keine generelle Winterreifenpflicht. Der Gesetzgeber schreibt hier lediglich eine angemessene Bereifung bzw. Winterreifenpflicht bei Schnee, Eis und Glätte vor. In Lettland, Litauen, Estland und Finnland dagegen muss von Dezember bis März mit Winterreifen gefahren werden.

In anderen europäischen Ländern wird bei der gesetzlichen Reifen-Profiltiefe deutlich zwischen Sommer- und Winterreifen unterschieden. In Österreich beispielsweise muss das Reifenprofil bei Sommerreifen ebenfalls mindestens 1,6 mm tief sein, bei Winterreifen dagegen 5 mm, in der Schweiz 4 mm. Noch deutlicher ist der Unterschied in der Ukraine: hier beträgt die gesetzliche Mindestprofiltiefe für Winterreifen sogar 6 mm.

 
 

So halten die Reifen länger

 
 

Schonende Fahrweise, richtige Pflege und Lagerung sowie optimaler Luftdruck verschaffen Reifen eine längere Lebensdauer. Im Durchschnitt muss ein Reifen bei moderater Fahrweise nach etwa 5 bis 6 Jahren bzw. 75.000 bis 100.000 km Laufleistung erneuert werden. Aber auch wenig genutzte Reifen sollten nach Empfehlung des ADAC nach sechs Jahren aussortiert werden, da sich im Laufe der Zeit die Gummimischung ändert und die ursprünglichen Materialeigenschaften somit nicht mehr gegeben sind. Das tatsächliche Reifenalter erfahren Sie übrigens über die DOT-Nummer an der Reifenflanke. Dort ist das Herstellungsdatum eingestanzt.

Bei sportlicher Fahrweise mit häufigem Bremsen und Beschleunigen sowie rasanten Kurvenfahrten nutzen sich die Pneus schneller ab. Ebenso einseitige Belastung der Reifen durch falsch eingestellte Spur oder Sturz, zu geringer Luftdruck sowie nicht ausgewuchtete Reifen können das Profil vorzeitig mindern.