Radfahrer und Autofahrer im Straßenverkehr

Rad- und Autofahrer: Tipps für den schwierigen Umgang miteinander

 
 
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Unfall Auto mit Radfahrer
 
 

Beide Parteien sind ganz selbstverständlich Teil des Straßenverkehrs und kommen sich oft ins Gehege. Doch oft herrscht sowohl bei den Auto- als auch bei den Radfahrern eine gewisse Unkenntnis, welche Rechte und Pflichten sie bei der gegenseitigen Rücksichtnahme haben. Wie sich beide Seiten zudem vor Unfällen schützen können, erklärt dieser Ratgeberbeitrag.

 
 

Woher kommt das Konfliktpotenzial?

 
 

Grundsätzlich ist zunächst die Frage im Raum, woher das enorme Konfliktpotenzial zwischen Autofahrern und Radfahrern eigentlich kommt. 2015 gab es insgesamt 78.068 verunglückte Radfahrer, davon 383 Getötete und 14.227 Schwerverletzte. Ein guter Teil der registrierten Fahrradunfälle passiert im Zusammenspiel mit Kraftfahrzeugen. Dabei sind die Führer der Autos meistens sogar Alleinverursacher.

Ein Grund für die häufigen Unfälle besteht darin, dass das Führen von Fahrrädern nach wie vor im Trend liegt und zunimmt, der Ausbau der entsprechenden Infrastruktur aber vor allem in großen Städten kaum hinterherkommt. Oft enden Fahrradwege einfach plötzlich und zwingen die Fahrradfahrer auf die Straße, bei denen sie in Folge von Kollisionen mit Autos stets die größeren Schäden davontragen.

Das hat auch mit dem schwierigen Verhältnis zwischen Fahrrad- und Autofahrern zu tun, während sich die Radfahrer oft strukturell benachteiligt fühlen und oft das Problem haben, dass es keinerlei Verständnis für sie gibt. Für Autofahrer wiederum sind Radfahrer oft schlichtweg Fremdkörper und Hindernisse.

Ein weiteres Ärgernis ist, dass selbst bei verkehrswidrigem Handeln des Radfahrers immer eine Unfallhaftung für den Autofahrer vorliegt. Das übrigens auch dann, wenn der Radfahrer keinen Helm tragen sollte.

 
 
Regeln für Fahrradfahrer: Sicher und gut vorbereitet zum Ziel
 
 
Regeln für Fahrradfahrer
 
 

Radfahrer, die bei Unfällen naturgemäß erheblich mehr Schaden hinnehmen müssen als ihre Kollegen auf vier Rädern, sollten sich daher mit ein paar verkehrsrechtlichen Gegebenheiten vertraut machen. Auch für Autofahrer sind diese Regeln mehr als interessant.

Es ist zum Beispiel eine Legende, dass Fahrradfahrer immer nur auf Radwegen fahren dürften. Sofern kein Radweg vorhanden ist, gilt es grundsätzlich die normale Fahrbahn zu nutzen. Blaue Radwegschilder hingegen verpflichten die Radfahrer, diesen und keinen anderen Weg zu befahren. Fußgänger, Inlineskater, Motorräder und Autos gehören nicht auf Radwege. Entsprechende Kennzeichnungen regeln die Ausnahme.

Benutzen Fahrradfahrer allerdings die gewöhnlichen Fahrbahnen, gilt für sie das normale Rechtsfahrgebot. Sie müssen sich also an den rechten Rand des Fahrbahnrands halten. Etwa eine Autotürbreite Abstand zu den parkenden Autos ist angemessen. Parken keine Fahrzeuge am Wegesrand, kann man den Abstand minimal verhindern. Das Rechtsfahrgebot gilt übrigens keineswegs nur auf der gewöhnlichen Fahrbahn, sondern auch auf Radwegen, frei gegebenen Gehwegen und Ausweichoptionen. Es sollte von den Fahrradfahrern daher unbedingt eingehalten werden. Fahren sie hingegen in die falsche Richtung, sind Verwarnungsgelder fällig, die zwischen 10 und 15 Euro variieren können. Unbedingt sollten Fahrradfahrer auch die Gehwege meiden, insofern diese nicht explizit freigegeben sind. Dort können sie für die Fußgänger ein Hindernis darstellen und Unfälle provozieren. Gegebenenfalls sollten sie bei freigegebenen Gehwegen absteigen, da der Schutz der Fußgänger die höchste Priorität hat.

Es kann sich übrigens lohnen, nach Möglichkeit vom Gebrauch des Radweges abzusehen. Denn sind diese schlecht ausgebaut, sind sie für die Fahrsicherheit des Radfahrers nicht unbedingt förderlich. Da kann die Mitbenutzung der Fahrbahn ratsamer sein.
Für die zur Gruppe der E-Bikes gehörenden langsamen Pedelecs, gelten die gleichen Regeln wie für normale Räder. Allerdings zählen E-Bikes generell zu den Kraftfahrzeugen und haben daher auf Radwegen nichts verloren.

Doch auch abseits gesetzlicher Vorgaben gibt es empfehlenswerte Verhaltensweisen. Radfahrer sollten aufgrund fehlender Lichtsignale definitiv mit Handzeichen für Klarheit sorgen und vorausschauend fahren. Es gilt, stets im Blickfeld der Autofahrer zu bleiben. Hier kann eine enorme Gefahr für Rad und Fahrer entstehen, weshalb es wichtig ist, bei mehreren Fahrstreifen eine eindeutige Positionierung einzunehmen und diese zu halten.
Wichtig ist es dabei, mit den Sinnen zu arbeiten. Die Ohren können gerade bei der Gefahrenerkennung gute Dienste leisten. Deshalb ist wie überall im Straßenverkehr von der Benutzung von Kopfhörern abzuraten. Doch insbesondere der Blickkontakt zu Autofahrern ist von Nöten, um sich abzustimmen. Denn mehr als die Klingel hat der Radfahrer meist nicht zur Verfügung.

Defensives Fahren ist für Radfahrer oberstes Gebot. Aus Selbstschutz gehört auch die entsprechende Schutzausstattung zum defensiven Fahren dazu und sollte jederzeit mitgeführt werden. Bei einem Unfall kann es den entscheidenden Unterschied machen, ob der Kopf ausreichend geschützt ist oder völlig schutzlos auf den Boden oder ein Hindernis schlägt. Gerade in der dunklen Jahreszeit ist eine ausreichende Beleuchtung unbedingt notwendig, um als Verkehrsteilnehmer erkannt zu werden. Reflektoren am Rad sind deshalb eine dringende Empfehlung. Auch das Tragen reflektierender statt matter und dunkler Kleidung kann die eigene Sicherheit erhöhen.

Im Übrigen beinhaltet defensives Fahren aber auch, dass vorausschauend gefahren und gleichzeitig der Schulterblick beim Abbiegen berücksichtigt wird.

 
 

Tipps für Autofahrer

 
 
Tipps für Autofahrer gegenüber Radfahrern
 
 

Wer kennt die Situation nicht? Auf dem Heimweg von einem harten Tag im Beruf möchte man eigentlich nur noch schnell nach Hause. Doch dann ist der Tritt auf die Bremse das Einzige, was wirklich schnell gehen muss: Ein Radfahrer taucht vor dem eigenen Pkw auf. Der erste Impuls ist es, ihn zu überholen. Doch im Umgang mit Radfahrern sollten auch Autofahrer einige Regeln beherzigen, um Rücksichtnahme und effizientes Handeln zu vereinen.

Ein typischer Unfallgrund ist die Situation, in der ein Radfahrer sich an das Rechtsfahrgebot hält und ein Autofahrer, der gerade geparkt hat, zum Aussteigen die Tür auf der Fahrerseite öffnen will, den Radfahrer aber übersieht und ihn mit der Tür von seinem Fahrrad schlägt. Dabei ist dieser fatale Fehler recht leicht zu umgehen, indem man die Tür nicht wie üblich mit der rechten Hand aufmacht, sondern mit der linken. Auf diese Weise ist man automatisch dazu gezwungen, den Schulterblick in den Prozess einzubeziehen und kann es durch die Bewegung auch praktisch nicht vergessen. Es reicht eben nicht, einfach nur in den Rückspiegel zu schauen. Der Blick in den Seitenspiegel und der Schulterblick sind beim Ausstiegsvorgang absolut notwendig.

Nähert man sich hingegen einem Fahrradfahrer von hinten und möchte ihn überholen, sollte man mindestens anderthalb Meter Abstand halten, zwei Meter bei Geschwindigkeiten über 90 km/h.
Es mag zwar nerven, aber lieber sollte man einige Momente hinter einem langsamen Radfahrer bleiben, als ihn hastig zu überholen und damit seine und die eigene Gesundheit zu riskieren. Hier gilt es entsprechend Rücksicht walten zu lassen. Denn problematisch beim Überholvorgang von Radfahrern ist es, sie im Blick zu behalten, aber auch die Gegenspur, da Menschen in der Regel Probleme haben, ihre Aufmerksamkeit auf mehrere Dinge gleichzeitig zu richten. Hier sind gleich zwei Problemquellen auszumachen: Etwaige Verkehrsteilnehmer auf der Gegenseite und die Notwendigkeit, weit genug vor dem Radfahrer wieder einzuscheren. Hier muss übrigens unbedingt der tote Winkel einkalkuliert werden!

Die Wut vieler Autofahrer auf Radfahrer, die oftmals rational kaum zu begründen ist, dürfte unter anderem aus Unkenntnis von ihren Rechten resultieren. Viele Kfz-Halter glauben immer noch, dass Radfahrer Radwege unbedingt benutzen müssen oder grundsätzlich nicht nebeneinander fahren dürfen. Daher ist es unbedingt notwendig, dass sie sich mit deren Rechten beschäftigen und Verständnis für deren Bedürfnisse haben. So ist zum Beispiel weder die normale Autohupe noch die Lichthupe ein adäquates Mittel des Umgangs miteinander. Die meisten Fahrradfahrer sind rücksichtsvoll genug, um den Autofahrern das Vorbeifahren an einer geeigneten Stelle zu ermöglichen.

 
 

Fazit

 
 

Mit gegenseitigem Verständnis, Geduld und der Akzeptanz für das Fortbewegungsmittel der jeweils anderen Partei kann der Umgang schon erheblich angenehmer werden. Zeigen sie dann noch die nötige Vorsicht, können die Verkehrsteilnehmer einen starken Beitrag zur Reduktion der Unfallgefahr leisten.