Wildunfall - Gefahren / Wer zahlt? / Meldepflicht

Wildunfall - Richtiges Verhalten und Maßnahmen

 
 
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Richtig Verhalten bei einem Wildunfall
 
 
 
 

Nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) kommt es in Deutschland jährlich zu 200.000 bis 250.000 Wildunfällen. Die Gefahr einer Kollision ist besonders hoch im Winter und in der Brunftzeit im Frühjahr. Wie Sie sich bei einem Wildunfall verhalten müssen, wer für den Schaden haftet und welche Strafen bei Fahrerflucht drohen, erfahren Sie in diesem Artikel.

 
 

Viel Wildwechsel im Frühjahr und Winter

 
 

Mit Beginn der kalten Jahreszeit steigt die Gefahr von Wildunfällen. Die Tiere werden bei der Futtersuche aktiver und überqueren vermehrt Straßen. Kritische Tageszeiten sind der frühe Morgen, zwischen 5 Uhr und 8 Uhr sowie die Abendstunden, zwischen 17 Uhr und 24 Uhr.

In der Brunftzeit zwischen April und Mail sowie Juli und August werden Rehe und Wildschweine besonders unvorsichtig. Die Beschilderung Wildwechsel (Gefahrenzeichen Nr. 142) kennzeichnet die Zonen, an denen Tiere häufig die Straße überqueren. Davon gibt es in Deutschland etwa 30.000.

 
 
Video: ADAC-Crashtest: Wildunfälle „saugefährlich"
 
 
 
 

Bei Wildunfall Unfallstelle absichern

 
 

Trotz der Häufigkeit von Zusammenstößen mit Rehen oder Schweinen herrscht immer noch große Unklarheit darüber, was bei einem Wildunfall zu tun und was bei der Schadensregulierung zu beachten ist. Bei einem Zusammenstoß müssen Sie Folgendes tun:

  • Unfallstelle absichern
  • Unfall der Polizei melden
  • Tier nicht berühren, kann gefährlich werden
  • Wildbescheinigung ausstellen lassen (für Versicherung)
  • Wenn vorhanden, Wildspuren am Auto fotografieren (Blut, Fell)
  • Wild von der Straße entfernen, um weitere Unfälle zu vermeiden
  • Auch wenn das Tier nach dem Zusammenstoß wieder verschwindet, muss Meldung gemacht werden

Sollten Sie ein angefahrenes Tier ohne Meldung am Straßenrand zurück lassen, begehen Sie einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Wenn Sie das Tier eigenmächtig mitnehmen, erfüllen Sie den Straftatbestand der Wilderei. Eine Strafanzeige kann folgen.

 
 

Übernimmt die Versicherung den Schaden durch Wildunfall?

 
 

Schäden durch Wildunfälle sind nur teilweise von der Versicherung übernommen.

Voraussetzung ist, dass es sich überhaupt um einen Wildunfall im Sinne der Versicherungspolice handelt. Dazu gehören Unfälle mit

  • Hirsch
  • Reh
  • Wildschwein
  • Fuchs
  • Hase 
  • Dachs

und das Fahrzeug muss beschädigt sein.

Unfälle mit kleineren Tieren wie Igeln, Fröschen, kleinen Vögeln oder Nutztieren werden dagegen nicht als Wildunfall bezeichnet.

Eine Vollkaskoversicherung übernimmt nach einem Wildunfall mit Haarwild (Reh, Fuchs, Wildschwein oder Hase) in der Regel die Reparaturkosten. Das gilt sogar dann, wenn der Autofahrer den Wildunfall nicht beweisen kann. Solange die Versicherung keine gegenteiligen Beweise vorlegt, muss sie für die Schäden am Auto aufkommen.

Bei einer Teilkaskoversicherung bleibt der Fahrzeughalter dagegen auf den Kosten des Wildunfalls sitzen, wenn er den Zusammenstoß nicht belegen kann. Schäden durch Zusammenstöße mit Vögeln werden von den meisten Versicherungen nicht übernommen. Ausgenommen sind auch Haustiere wie Hunde, Schafe oder Kühe; hier haftet der Besitzer. 


Die normale Haftpflichtversicherung zahlt überhaupt nicht bei Wildunfällen.

Die durchschnittliche Schadenshöhe bei Wildunfällen in Deutschland beträgt rund 2.000 Euro. Manche Versicherungen beschränken ihre Haftung, wenn das Fahrzeug nicht repariert wird – auf die Differenz zwischen Wiederbeschaffungswert und Restwert. Zudem wird die Selbstbeteiligung gemäß Versicherungsvertrag von der Erstattungssumme abgezogen.

ADAC-Mitglieder bekommen vom Club bis zu 300 Euro erstattet, wenn die Versicherung den Schaden nicht abdeckt oder eine Selbstbeteiligung vorliegt. Dies gilt auch, wenn der Pkw nur per Haftpflicht versichert ist.

 
 

Meldepflicht bei Wildunfällen

 
 

Kommt es zu einem Wildunfall, müssen Sie diesen unbedingt melden. Tun Sie dies nicht, begehen Sie keine Fahrerflucht nach § 142 StGB, weil Tiere keine Personen oder Sachen sind. Sie verstoßen jedoch gegen das Tierschutzgesetz. Verletzte Tiere auf der Straße liegen zu lassen ist Tierquälerei und kann mit Geldstrafen bis 50.000 Euro geahndet werden.

Melden Sie den Unfall direkt bei der Polizei, diese informiert den zuständigen Wildhüter, Jagdaufseher oder Jagdpächter. Auch wenn Sie das Tier nur angefahren haben und es wieder verschwindet, ist Meldung zu machen. In solchen Fällen muss der Jäger das verletzte Tier suchen und ihm den Gnadenschuss geben.

Nur wenn Sie den Unfall melden, erhalten Sie eine sogenannte Wildunfallbescheinigung zur Vorlage bei Ihrer Versicherung. Ohne diese Bescheinigung können Sie Probleme bei der Schadensregulierung bekommen.

 
 

Wildunfälle vermeiden

 
 

Ab 80 km/h kann ein Zusammenstoß mit einem Reh für Menschen lebensgefährlich werden. Insbesondere Rehe und Wildschweine überqueren Straßen oft in der Gruppe. Straßen an denen Wildwechsel vorkommt sind entsprechend gekennzeichnet. Hier gilt es, das Tempo zu verringern und besonders vorsichtig zu fahren.

Wenn vor dem Auto ein Tier zu sehen ist, sollten Sie auf jeden Fall abbremsen. Wenn ein Zusammenprall unvermeidlich ist, sollten Sie sofort eine Vollbremsung einleiten und auf keinen Fall ausweichen; stattdessen abblenden und hupen.

 
 

Unfall nach Ausweichen – wer zahlt?

 
 

Ausweichen ist generell untersagt, weil die Gefahr für Leib und Leben der Autoinsassen dadurch erhöht wird. Ein Ausweichmanöver ist zulässig, wenn dadurch größerer Schaden vermieden wird. Der Fahrer ist gegenüber Behörden und Versicherung in der Nachweispflicht. Gemäß aktueller Rechtsprechung muss der Fahrer dafür den Zusammenprall mit einem Wildschwein, Reh oder Hirsch vermieden haben. Eine Vollkasko-Versicherung zahlt auch, wenn das nicht der Fall war – solange der Unfall nicht vorsätzlich herbeigeführt wurde.